Klassische Musik

Eine „Liebesbratsche“ fürs Barockkloster Füssen

Übergabe der Viola d’amore im Großen Sitzungssaal im Rathaus (von links):  Verkäufer Rui Canelas, Manfred Hegedüs, Vorstand der Sparkasse Allgäu und Bürgermeister Maximilian Eichstetter.

Übergabe der Viola d’amore im Großen Sitzungssaal im Rathaus (von links): Verkäufer Rui Canelas, Manfred Hegedüs, Vorstand der Sparkasse Allgäu und Bürgermeister Maximilian Eichstetter.

Bild: Markus Röck

Übergabe der Viola d’amore im Großen Sitzungssaal im Rathaus (von links): Verkäufer Rui Canelas, Manfred Hegedüs, Vorstand der Sparkasse Allgäu und Bürgermeister Maximilian Eichstetter.

Bild: Markus Röck

Füssener Sammlung ist um ein Instrument von 1744 des aus Vils stammenden Johann Ulrich Eberle reicher. Wie die Viola d'amore finanziert wurde.
27.09.2020 | Stand: 12:15 Uhr

Die Abteilung zum Instrumentenbau im Museum der Stadt Füssen ist um ein ganz besonderes Schaustück reicher: Eine Viola d’amore, die der aus Vils stammende Instrumentenbauer Johann Ulrich Eberle 1744 in Prag fertigte. Im Gegensatz zu den heute gebräuchlichen Streichinstrumenten hat die „Liebesbratsche“ sechs oder sogar sieben Saiten – und die jeweils doppelt. Unter jeder Spielsaite ist eine Resonanzsaite angebracht, die mitschwingt und der Viola d’amore einen silbernen, lieblichen Klang verleiht. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert war sie als Soloinstrument beliebt, für das unter anderem Antonio Vivaldi Konzerte schrieb.

Viola d'amore wurde kaum verändert

Als sie später aus der Mode kam, wurden viele Instrumente zu „normalen“ Bratschen umgebaut. Im Gegensatz zum nun im Füssener Barockkloster St. Mang ausgestellten Instrument, das weitgehend so erhalten ist, wie Eberle es einst gefertigt hatte: mit zwei Mal sieben Saiten und einem relativ kleinen Corpus. Wie Spuren zeigen, ist sie in den vergangenen 250 Jahren oft gespielt worden. Weil so wenig daran verändert wurde, steche das Instrument heraus, sagte Museumsleiter Dr. Anton Englert und betonte die stets enge Zusammenarbeit mit Vils.

Dass die Viola d’amore auch heute noch gut zu spielen ist und ihren Klang erhalten hat, zeigte ihr Verkäufer Rui Canelas bei der Übergabe im großen Sitzungssaal des Füssener Rathauses mit kleinen Kostproben. Sollte Interesse an einem Konzert bestehen, vermittle er gerne Kontakte zu geeigneten Musikern, bot er dabei an. Der aus Portugal stammende Maschinenbauingenieur, der im Europäischen Patentamt in München arbeitet, alte Musik liebt und selbst begeisterter Hobbygeiger ist, hatte die Viola d’amore selbst vor zehn oder zwölf Jahren gekauft und restaurieren lassen.

Verkäufer vermittelt den Füssenern gerne passende Musiker für das Instrument

Nun gab er sie zu einem „sehr fairen Preis“ – wie beide Seiten betonten – von weniger als 10.000 Euro an die Stadt Füssen ab. Die finanzierte den Kauf komplett aus Mittteln, die ihnen die Sparkasse Allgäu für den Instrumentenankauf für das Museum zur Verfügung gestellt hatte.

Bürgermeister Maximilian Eichstetter und Sparkassen-Vorstand Manfred Hegedüs zeigten sich sehr erfreut über und dankbar für den gelungenen Kauf, bei dem auch der Füssener Geigenbaumeister Pierre Chaubert vermittelt hatte. Für Verkäufer Canelas ist es nicht ungewöhnlich, dass er sich kulturell engagiert, wie er erzählte. So stelle er immer wieder jungen Musikern seine Instrumente kostenlos zur Verfügung.

Beim Kulturverein VilsArt in Füssens Tiroler Nachbarstadt ist die Freude über den Ankauf ebenfalls groß, wie Reinhold Schrettl betonte. Gibt es in Vils derzeit keine eigene Präsentationsmöglichkeit, wird damit nun ganz in der Nähe einer der 40 in der Stadt geborenen Geigenbauer gewürdigt. „Zwei Drittel davon sind weggegangen“, berichtet Schrettl, so wie Eberle, der als Geselle bei Thomas III. Edlinger in Prag arbeitete, ehe er dort eine eigene Werkstatt eröffnete.