Pädagogik

Eine Pfrontenerin kämpft für den Hausunterricht

Muss Unterricht immer in der Schule stattfinden oder lernen Kinder mit individueller Betreuung zu Hause vielleicht sogar besser. Diese Auffassung vertritt die Pfrontenerin Miriam Ortner.

Muss Unterricht immer in der Schule stattfinden oder lernen Kinder mit individueller Betreuung zu Hause vielleicht sogar besser. Diese Auffassung vertritt die Pfrontenerin Miriam Ortner.

Bild: Alexander Kaya

Muss Unterricht immer in der Schule stattfinden oder lernen Kinder mit individueller Betreuung zu Hause vielleicht sogar besser. Diese Auffassung vertritt die Pfrontenerin Miriam Ortner.

Bild: Alexander Kaya

Die Mutter, Kinderpflegerin und Entspannungstherapeutin lässt sich auch nach der Ablehnung der Staatsregierung und eines Landtags-Ausschusses nicht locker.
17.11.2020 | Stand: 06:00 Uhr

„Ich habe Erfahrung, wie Kinder lernen“, sagt Miriam Ortner aus Pfronten. Nämlich am besten, wenn sie sich selbstorganisiert und mit Unterstützung den Stoff praktisch aneignen. Weil dafür im strukturierten Lernalltag in den Schulen zu wenig Platz sei, macht sich die Kinderpflegerin und Entspannungstherapeutin dafür stark, dass auch in Bayern Hausunterricht erlaubt wird. Mit einem ersten Vorstoß ist sie zwar gerade im bayerischen Landtag gescheitert. Doch aufgeben will die 32-Jährige deshalb noch lange nicht. Derzeit formuliert sie einen Widerspruch an den Landtag und will auch sonst nicht locker lassen.

Lernen durch Begreifen

Partizipation, Teilhabe, ist einer der Schlüsselbegriffe für Ortners Argumentation: Durch eigene Erfahrungen präge sich der Lernstoff den Kindern viel besser ein. Und das lässt sich ihrer Meinungen nach viel besser in Kleingruppen, also etwa zu Hause in der Familie verwirklichen, wo auf gemeinsame Ziele hingearbeitet wird, als in der „Massenbetreuung“ im staatlichen Schulsystem. Eine individuelle Betreuung sei darin nicht umsetzbar. In alternativen Unterrichtseinrichtungen wie Montessori-Schulen werde die Partizipation zwar verwirklich. Dort koste der Unterricht aber viel Geld.

Regelmäßige Kontrollen

Dass die Kinder sich auch zu Hause den Stoff aneignen, der ihnen ansonsten in der Schule vermittelt würde, soll der zweifachen Mutter zu Folge durch gewisse regelmäßige Kontrollen sichergestellt werden. Das sei schließlich auch im benachbarten Österreich möglich, wo sich die zu Hause unterrichteten Kinder einmal im Jahr einem Test unterziehen müssen, um zu zeigen, dass sie das gelernt haben, was sie sollten.

Freistaat besteht auf Schulpflicht

Bei der bayerischen Staatsregierung und im Landtag fand Ortners Anliegen allerdings keine Zustimmung. Nach Ansicht des Ministeriums und des Ausschusses für Bildung und Kultus werden individuelle Förderung, Praxis- und Lebensweltbezug des Unterrichts sowie die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler im bayerischen Schulwesen in einer Art und Weise realisiert, die ein Hausunterricht nicht gewährleisten könne, teilt die Pressestelle des Landtags mit – das Protokoll der Sitzung liegt noch nicht vor.

Die Argumente des Landtags wie fehlende Verpflichtung auf gemeinsame Ziele im Heimunterricht oder fehlende Fachlichkeit weist Ortner zurück: Letztere lasse sich durch Nachhilfelehrer oder Informationsbeschaffung im Internet und Fachbüchern ausgleichen. Dass ein Unterricht zu Hause von einem strukturierten Lernalltag wegführe, wie in München ebenfalls kritisiert wurde, sei genau eines der Ziele des Heimunterrichts. Hier solle eine individuelle Planung des Lernens ermöglich werden.

Soziale Kontakte bleiben erhalten

Dass Kinder aus ihrem sozialen Umfeld gerissen würden, wenn sie nicht mehr mit gleichaltrigen in der Schule, sondern zu Hause unterrichtet würden, lässt Ortner nur teilweise gelten. Schließlich würden sie weiter in Sportvereine gehen oder ganz einfach draußen spielen. „Sie werden schließlich nicht eingesperrt.“