Letzte Hilfe

Eine Pfrontenerin lässt Sterbende nicht alleine

Elke Bansa aus Pfronten hat sich die Begleitung Sterbender zur Aufgabe gemacht.

Elke Bansa aus Pfronten hat sich die Begleitung Sterbender zur Aufgabe gemacht.

Bild: Erwin Kargus

Elke Bansa aus Pfronten hat sich die Begleitung Sterbender zur Aufgabe gemacht.

Bild: Erwin Kargus

Elke Bansa wirkt als Hospizbegleiterin. Erschreckende Erlebnisse, die sie einst im Krankenhaus gemacht hatte, gaben der ehemaligen Krankenschwester den Anstoß.
Elke Bansa aus Pfronten hat sich die Begleitung Sterbender zur Aufgabe gemacht.
Von Erwin Kargus
02.04.2021 | Stand: 06:00 Uhr

„Der Tod, der Abschied von Betreuten, kann recht unterschiedlich sein, betroffen machend, wenn er plötzlich und unerwartet eintritt, dankbar, wenn von Schmerz und Leid erlösend, zwiespältig, wenn ungeklärte Dinge bleiben.“ Dieses Resümee zieht die ehemalige Krankenschwester Elke Bansa aus Pfronten, die im Ruhestand seit Jahren als Hospizbegleiterin im Hospizverein Südliches Ostallgäu mitwirkt.

Sterbende im Eck abgestellt

„Als Krankenschwester“, so erzählt die 79-Jährige, „wurde ich im Beruf häufig mit dem Tod konfrontiert und ich erinnere mich mit Gänsehaut daran, wie noch in den 1960er Jahren Sterbende im Krankenhaus ins Bad oder in eine andere ungenutzte Ecke geschoben wurden … mehr oder weniger lästig und den Betriebsablauf hindernd.“ In „dankbarer und liebevoller“ Erinnerung habe sie, dass sie ihre Mutter in ihrer eigenen Wohnung bis zum Tod begleiten durfte. Ihre Mutter hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs – oft überaus schmerzhaft, sie hatte jedoch kaum Schmerzen, konnte aber keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr aufnehmen. „Tagsüber waren meine Schwester oder eine Schwägerin bei unserer Mutter, mir blieben die Nächte, um zu sehen, wie das Lebenslicht immer kleiner wurde“, kann sie sich noch sehr genau erinnern. Ihre Mutter war ein gläubiger Mensch, sie hatte keine Angst vor dem Tod und sagte: „Wie das Sterben ist, weiß ich nicht – aber Gott hat mich mein Leben lang geführt, er wird mir auch dabei zur Seite stehen.“ Mit dem Sonnenaufgang an einem Sommermorgen erlosch ihr Lebenslicht – friedlich und still, erinnert sich die Pfrontenerin.

Den Tod bejahen: er gehört zum Leben

Dieses hautnahe Miterleben bestärkte Elke Bansa nach dem Ausscheiden aus dem Beruf als ehrenamtliche Hospizbegleiterin tätig zu sein „und den Tod als zum Leben gehörend zu bejahen“. Wenn ihr von einer der Hospiz-Koordinatorinnen eine Begleitung übertragen wird, „liegt vor uns ein gemeinsamer Weg, an dessen Ende der Tod steht“, sagt Bansa. Die Länge des Weges und seine Intensität sind oft völlig offen. Der Leitsatz der Hospizbewegung „Nicht dem Leben Tage geben, sondern den Tagen Leben“ bedeute für sie große Motivation. Im Idealfall gebe es eine längere Zeit Gelegenheit, gemeinsam Verbindung und Vertrauen aufzubauen. Für viele Menschen sei es leichter, mit Fremden über Probleme und Ängste zu sprechen als mit eigenen Angehörigen. „Ängste kann ich als Hospizbegleiterin nicht nehmen“, sagt Bansa, „aber darüber zu sprechen erleichtert oft den Betroffenen. Meine Aufgabe ist das Zuhören und vielleicht das Aufspüren von Verborgenem, ganz gewiss aber das Noch-einmal-Miterleben von Ereignissen im Leben des Betreuten.“

Handhalten und Streicheln

„Manchmal“, so räumt die erfahrene Hospizbegleiterin ein, „ist ein verbaler Kontakt nicht mehr möglich, dann habe ich eben Zeit und vermittle das Gefühl, nicht allein zu sein. Da hilft oft ein Handhalten, ein Streicheln, ein leises Singen.“ Bei einem völlig fremden sterbenden Mann kam ihre der Gedanke, dass er das Alter hatte, das ihr ältester Bruder, der mit 40 Jahren an Kriegsfolgen verstorben war, jetzt auch hätte. Dieser Gedanke „ergab bei aller Fremdheit ein warmes Gefühl der Zuneigung“.

Egal, wie unterschiedlich der Abschied vom Betreuten ist, ob betroffen machend, dankbar oder zwiespältig, für Elke Bansa bedeutet es immer ein Geschenk, „dass ich eine gemeinsame Zeit mit einem für mich fremden Menschen verbringen und an seinen Erinnerungen und Gefühlen teilnehmen durfte“.

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