Füssen

Er will Füssens Geschichte aufarbeiten

Archiv

Tobias Ranker leitet inzwischen das Füssener Stadtarchiv.

Bild: Anke Sturm

Tobias Ranker leitet inzwischen das Füssener Stadtarchiv.

Bild: Anke Sturm

Tobias Ranker heißt der neue Stadtarchivar in Füssen. Warum er nach den ersten Wochen schon sicher ist, seinen Traumjob gefunden zu haben.

Von Anke Sturm
01.07.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Vielfältig sind die Aufgaben eines Stadtarchivs. Zahlreiche Anfragen landen auf dem Schreibtisch von Tobias Ranker, der diese Aufgabe von Ruth Michelbach übernommen hat: Von Füssenern, die ihrer Familiengeschichte auf den Grund gehen wollen, genauso wie wissenschaftliche Anfragen von Universitäten oder interne Anfragen aus der Verwaltung. Dann forscht der 37-Jährige in den Archiven der Stadt nach den Antworten. Eine andere Aufgabe ist natürlich das Archiv zu bestücken. So landen immer wieder Aktenordner von abgeschlossenen Projekten aus der Stadtverwaltung im Archiv. „Meine Aufgabe besteht dann darin, zu filtern, was muss aus rechtlichen Gründen aufgehoben werden und was ist interessant für die Nachwelt. Alles, was Relevanz für die Stadt hat, sollte in meine Finger kommen.“

Ab Jahresbeginn wurde Ranker von seiner Vorgängerin Ruth Michelbach eingearbeitet. Fast 20 Jahre hat sie als Stadtarchivarin gearbeitet und richtige Pionierarbeit geleistet. Voll des Lobes ist Ranker über die vorgefundenen Strukturen und Ordnungen, die Michelbach geschaffen hat.

Sein großes Steckenpferd ist die Forschung. So schweben dem studierten Historiker einige Projekte vor, die er in Zukunft angehen will. Unter anderem möchte er gerne die Geschichte Füssens in einer gestrafften Version darstellen, so dass jeder sich schnell einen Überblick verschaffen kann. Denn für ihn gilt der Satz von August Bebel: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“

Die Zeit mit den Amerikanern erforschen

Seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt hat Ranker jedoch im 20. Jahrhundert. „Mir macht es Spaß, die Geschichte aufzuarbeiten: Was haben große internationale Entscheidungen für Auswirkungen vor Ort?“, sagt Ranker. Wie sah es zum Beispiel in Füssen nach dem Krieg aus, als Füssen von den Amerikanern besetzt war? In welche Kneipen sind US-Soldaten gegangen? Wie war der Umgang in der Bevölkerung? Solchen Fragen will Ranker nachgehen, um so Geschichte lebendig zu machen.

Erfahrungen hat der Historiker, der 2011 sein Studium an der Universität Augsburg abgeschlossen hat, bei der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft am Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg gesammelt. Gleichzeitig hat er das langjährige Projekt „Auf dem Weg zur internationalen Stadt. Migration nach Ulm seit 1945“ bearbeitet. Die Ergebnisse wurden 2018 in einem Buch veröffentlicht. Während seiner alltäglichen Arbeit stößt Ranker immer wieder auf interessante Sachen. Dies notiert der 37-Jährige sich und widmet sich diesen, wenn er die Zeit dafür findet. „Es gibt sehr viele Ansatzpunkte in Füssen“, ist sich Ranker sicher. „Das macht sehr viel Spaß und so habe ich hier meinen Traumjob gefunden.“