Filmkunst

Es flimmert und flimmert im Füssener Kino – seit 30 Jahren

Die Leidenschaft für hochwertige Filme verbindet sie und so hatten sie sich auch beim Gespräch über 30 Jahre „Lechflimmern“ in unserer Redaktion viel zu erzählen. Von links: der frühere Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller, Hubert Endhardt, einst Motor des Vereins „Brennessel“, Kino-Chef Lars Doppler und Claudia Krafka vom städtischen Kulturamt.

Die Leidenschaft für hochwertige Filme verbindet sie und so hatten sie sich auch beim Gespräch über 30 Jahre „Lechflimmern“ in unserer Redaktion viel zu erzählen. Von links: der frühere Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller, Hubert Endhardt, einst Motor des Vereins „Brennessel“, Kino-Chef Lars Doppler und Claudia Krafka vom städtischen Kulturamt.

Bild: Markus Röck

Die Leidenschaft für hochwertige Filme verbindet sie und so hatten sie sich auch beim Gespräch über 30 Jahre „Lechflimmern“ in unserer Redaktion viel zu erzählen. Von links: der frühere Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller, Hubert Endhardt, einst Motor des Vereins „Brennessel“, Kino-Chef Lars Doppler und Claudia Krafka vom städtischen Kulturamt.

Bild: Markus Röck

Wer nicht nur Blockbuster konsumieren will, sondern Qualität und Tiefgang schätzt, kommt seit 1992 in einer Reihe des Alpenfilmtheaters Füssen auf seine Kosten.
05.05.2022 | Stand: 12:00 Uhr

Es könnte gut sein, dass Willy Michls „Isarflimmern“ Pate gestanden hatte. Immerhin kannte Hubert Endhardt den Münchener Liedermacherkollegen persönlich, als er mit den anderen Gründervätern und -müttern beschloss, die neue Filmkunstreihe in Füssen „Lechflimmern“ zu nennen. Nach nun genau 30 Jahren ist der Titel im südlichen Ostallgäu und darüber hinaus zu einer Marke geworden, der so mancher blind vertraut. Auch wenn sie manchmal Provokantes oder Anspruchsvolles enthält, das nicht jedem gefällt. Streifen des Dänen Lars von Trier wie „Antichrist“ zum Beispiel waren immer für Diskussionen gut. Aber die wollte man ja auch haben. Doch zurück zu den Anfängen. Zurück ins Jahr 1992.

Programmkinos vermisst

Wie Endhardt war auch Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller aus einer Unistadt nach Füssen gekommen und vermisste die Programmkinos. Der Kunstverein Brennessel war in der Zeit dabei, das kulturelle Leben in Füssen um neue, gerne auch provokante Facetten zu ergänzen. Neben den „Schauplätzen“, die moderne Kunst in den öffentlichen Raum brachte, sollten dazu auch besondere Kinofilme gehören, die man in einer Kleinstadt sonst vielleicht nicht zu sehen bekam. Mit Hannelore Wiedemann vom Alpenfilmtheater fand sich dafür die ideale Mitstreiterin: „Sie war immer eine aufgeschlossene Persönlichkeit, energisch und hat sich was getraut“, erinnert sich Riedmiller. Nicht nur das: Sie war auch bereit, das finanzielle Risiko zu tragen.

Breite Basis

Um das neue Angebot auf eine breite Basis zu stellen, holte man noch weitere Mitstreiter ins Boot, darunter die Außerferner Kulturinitiative „Huanza“, mit ihrer damaligen Obfrau Maria Überall, und den Füssener Cineasten Sepp Helmer, der schon an seinem Arbeitsort Marktoberdorf mit dem Kino zusammenarbeitete und sich über den Katholischen Filmdienst auf dem laufenden hielt. Auch Jugendhaus-Chef „Spak“ Kreutzer war dabei. Der Erfolg des Versuchs, damit auch junge Cineasten für die Reihe zu gewinnen, bleib allerdings überschaubar. Bis heute tut sich die Filmkunstreihe beim jungen Publikum schwer.

Vielfalt gewünscht

Regelmäßig tagte die „Lechflimmern“-Runde im „Papsterker“ des Füssener Kulturamts im Barockkloster St. Mang, um das neue Halbjahresprogramm zu gestalten. Jeder durfte fünf Vorschläge einbringen, möglichst viele Länder sollten sich wiederfinden und auch Thematisch setzte man auf Vielfalt. Und manchmal stellte man die Kinobetreiber auch vor Herausforderungen, etwa wenn Endhardt dank seiner Schweizer Frau in der Basler Kinoszene interessante Streifen entdeckt hatte.

Reihe trägt sich

Das Konzept ging auf. Zwar war es die große Ausnahme, dass einmal Zuschauer wegen zu großen Andrangs weggeschickt werden mussten. Im Schnitt trug sich die Reihe aber – und tut das bis heute, wie Kino-Chef Lars Doppler erzählt. Für ihn war es keine Frage, die Filmkunst-Reihe weiterzuführen, als er 1999 den Kinobetrieb von Hannelore Wiedemann übernahm. „Was die geschafft haben, war fantastisch“, sagt Doppler mit Blick auf die „Lechflimmern“-Gründer. „Die Leute haben gar nicht mehr auf die einzelnen Filme geschaut, die Marke ,Lechflimmern’ hat schon gereicht.“ Allerdings hat sich im Vergleich zu 1992 vieles geändert, als „Hitlerjunge Salomon“ am 5. Mai das erste „Lechflimmern“-Halbjahresprogramm eröffnete – das übrigens in einem hellen Türkis gedruckt wurde, der gerade aktuellen Farbe des Lechs entsprechend.

Alles wird kurzfristiger

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Monate im Voraus zu planen geht heute nicht mehr. Es ist alles viel kurzfristiger geworden, sagt Doppler. Und nur mit aktuellen Streifen lockt man heute noch Besucher ins Kino. So wurde aus den einstigen Planungsrunden ein flotter Austausch per E-Mail. Und seit Corona auch die Kinowelt aus den Fugen brachte, liegt es weitgehend in Dopplers Händen, zu sehen, was die Verleiher gerade anbieten und in die Reihe passen könnte. Mit wöchentliche Newslettern mit großem Verteiler hält Claudia Krafka vom Kulturamt die „Lechflimmern“-Gemeinde auf dem Laufenden.

Popcorn unerwünscht

Geblieben ist es bei den „Lechflimmern“-Tagen Dienstag und Mittwoch. Mittlerweile aber an jedem Dienstag und Mittwoch und nicht mehr nur am jeweils ersten im Monat wie vor 30 Jahren. Auch auf die anfänglichen Einführungen zu den Filmen verzichtet man längst. Die regen Gespräche über deren Inhalt danach gibt es zwar, aber ohne formellen Rahmen. Dafür hat sich das Kino-Team inzwischen daran gewöhnt, dass das „Lechflimmern“-Publikum auch den Abspann bis zum Schluss sehen will und macht nicht zu früh die Lichter an und die Türen auf. Auch in einem anderen Punkt zeigt sich die besondere Aufmerksamkeit des „Lechflimmern“-Publikums, wie Hubert Endhardt erzählt: Speisenverzehr in den Vorstellungen wird nicht gerne gesehen, Popcorn-Knirschen während ruhiger Szenen ruft regelmäßig Unmutsbekundungen hervor.

Auch Urlauber schätzen das Angebot

Rund 50 Personen kommen oft zum „Lechflimmern“, sagt Kino-Chef Doppler zum Stammpublikum. Gemeinsam mit der Reihe gereift, ziehen davon viele mittlerweile die Nachmittagsvorstellung vor, um nicht im Dunklen heimgehen zu müssen. Dazu gibt es „saisonale Stammgäste“: Urlauber, für die der Abend mit einem besonderen Film im Kino einfach zum Programm gehört. Auch Claudia Krafka hat mittlerweile die Füssen-Besucher im Blick: Auf Wunsch der Vermieter versorgt sie diese mit Aushängen für die Gäste ihrer Häuser.

Das aktuelle Lechflimmern-Programm finden Sie hier