Nesselwang/Pfronten

„Fürsprache auf höchster Ebene“ für den Wald

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Kai Herb (rechts) von der FBG Füssen leitet die Seilbahnbringung von Bäumen aus Steillagen nahe der Haslachalpe in 1400 Metern Höhe. Er erläuterte dem Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (links), wie die Stämme mittels Laufwagen nach oben geschleppt und von einem Spezialbagger abtransportiert werden.

Bild: Reichart

Kai Herb (rechts) von der FBG Füssen leitet die Seilbahnbringung von Bäumen aus Steillagen nahe der Haslachalpe in 1400 Metern Höhe. Er erläuterte dem Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (links), wie die Stämme mittels Laufwagen nach oben geschleppt und von einem Spezialbagger abtransportiert werden.

Bild: Reichart

Im südlichen Ostallgäu informierte sich Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke über Arbeiten im Bergwald. Was dabei von Stracke gefordert wurde.

29.06.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Etwa 40 Kilometer Wege erschließen 370 Hektar Fläche des Nesselwanger Alp- und Weiderechtlerverbandes. Darunter befinden sich 100 Hektar Waldfläche, zum Teil in Steillagen. Wie dort Bäume geborgen und abtransportiert werden können, schaute sich CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke auf 1400 Meter Seehöhe nahe der Haslachalpe an.

Stracke hatte sich bereits im Vorjahr von Buchloe über Marktoberdorf bis Pfronten den Wald mit Blick auf den Naturraum angeschaut. Aktuell ging es um wirtschaftliche Aspekte und wie man das Holz aus Steillagen abtransportieren kann. Harald Husel vom Kaufbeurer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) hatte eingeladen und Nesselwangs Rechtlerchef Thomas Theil führte die Teilnehmer vom Nesselwanger Ort Reichenbach in Richtung Haslachalpe hinauf. Dort zeigte Kai Herb von der Forstbetriebsgemeinschaft Füssen (FBG), wie mittels eines kräftigen Kranes die Bäume aus den Steillagen geborgen werden. 500 Festmeter Holz zieht so der Seilkran in kurzer Zeit nach oben, von wo die Stämme abtransportiert werden können.

"Wir wollen den Wald nützen, aber auch schützen!"

Zwar arbeite man mit der Bergwaldoffensive gut zusammen, beispielsweise beim Wegebau, wie Theil bekräftigte. Das Schadholz muss aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Wald heraus, sondern auch, um Käferbefall klein zu halten. Der Erlös von 35 Euro je Festmeter Holz sei zwar gering, aber durch staatliche Förderungen tragbar. Welche finanziellen Hilfen es gibt, darüber informierten Forstdirektor Stephan Kleiner und Forstberater Manfred Zinnecker. Der Wald könne also laut FBG-Vorsitzender Gabi Schmölz „unbestritten derzeit Fürsprache auf höchster Ebene gebrauchen“, betonte sie an Stracke gewandt. Denn: „Wir wollen den Wald nützen, aber auch schützen!“

Die Pfrontener Waldbesitzer haben eine eigene Notlösung gefunden, um von den bereits angefallenen 8000 Festmetern Schadholz eine Menge von 5700 Festmetern außerhalb der Waldgebiete zu deponieren. Laut Christian Neutzner von der Wald- und Weiderechtlergenossenschaft Pfronten hat man im hinteren Vilstal ein riesiges Nasslager angelegt. Hier, am Feuerschrofen – die Verlängerung des Kienberges – werden die aufgestapelten Stämme rund um die Uhr feucht gehalten. Solange, bis hoffentlich im Herbst der Holzpreis wieder besser wird. Denn rund 200 000 Euro an Aufarbeitungskosten habe man vorfinanziert – ohne Förderung wäre das nicht möglich, erklärte auch der Rechtlerchef in Richtung Stracke. Der betonte die Wichtigkeit des Waldes und seiner Pflege und äußerte wohlwollende Unterstützung.