Planungen für neue Wohnungen

Füssener Floßergasse: Nächster Schritt für Wohnungen

Unterhalb des Füssener Franziskanerklosters (am rechten Bildrand) soll eine neue Wohnanlage entstehen.

Unterhalb des Füssener Franziskanerklosters (am rechten Bildrand) soll eine neue Wohnanlage entstehen.

Bild: Archiv/Siegert

Unterhalb des Füssener Franziskanerklosters (am rechten Bildrand) soll eine neue Wohnanlage entstehen.

Bild: Archiv/Siegert

Füssens Kommunalpolitiker machen den Weg frei für einen Wettbewerb zur Wohnbebauung an der Floßergasse. Warum es Kritik von zwei Stadträten gibt.
30.09.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Schritt für Schritt hin zu günstigen Wohnungen in der Füssener Floßergasse: Nach diesem Motto geht auch der neugewählte Stadtrat vor. Noch in der abgelaufenen Amtsperiode war der Kauf des Grundstücks durch die Stadt unter Dach und Fach gebracht worden. Die jetzigen Kommunalpolitiker haben am Dienstagabend bei ihrer Sitzung im Haus Hopfensee beschlossen, einen Wettbewerb für die Bebauung auszuloben. Eine Tagung des Preisgerichts ist laut einem ersten Zeitplan für Februar 2021 vorgesehen, die Bauzeit einschließlich Abbruchplanung und -arbeiten wird auf zwei Jahre geschätzt. Dagegen stimmten Magnus Peresson (Unabhängige Bürger Liste) und Dr. Christoph Böhm (CSU), die grundsätzlich infrage stellten, ob die vorgestellte Planung in der Form überhaupt möglich ist.

Zunächst hatte Jana Semmlin von der beauftragten Landherr und Wehrhahn Architektenpartnerschaft mbB aus München die Grundzüge einer möglichen Bebauung grob umrissen. So seien sechs Familienwohnungen mit jeweils 90 Quadratmetern denkbar. Der Hang soll als öffentlicher Freiraum mit neuer Wegeverbindung gestaltet werden mit Aufenthaltsmöglichkeiten, auch ein Kinderspielplatz ist vorgesehen. Bodeneingriffe sollen in Absprache mit dem Denkmalschutz auf ein Mindestmaß reduziert werden und auf eine Tiefgarage beziehungsweise ein Untergeschoss verzichtet werden. Das hängt mit den schwierigen Bedingungen dort zusammen, denn es gibt keine detaillierten Daten, wie der Boden beschaffen ist, außerdem ist der Hang dort sehr steil.

Böhm: "Wir kennen den Untergrund nicht"

Genau darauf stürzten sich Böhm und Peresson unter anderem in ihren Wortmeldungen: So betonte Böhm, dass „wir den Untergrund nicht kennen“. Peresson holte weit aus und erklärte, dass vor vielen hundert Jahren der Lech in das Gebiet geflossen sei. Lehm wurde abgelagert, möglicherweise stoßen die Arbeiter auch noch auf Fels. Folglich sei das Gebiet „kein geeigneter Baugrund“. Außerdem sei das Gebiet geschichtlich bedeutsam, weshalb eine solche Planung „einen Teil unserer Stadtgeschichte kaputtmacht“. Dr. Anni Derday (Freie Wähler) fragte sich, warum nicht erst der Boden untersucht werde, bevor weitere Planungen in die Wege geleitet werden. Semmlin erklärte, eine Baugrunduntersuchung mache zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn, es sei „zu aufwendig, das vor dem Wettbewerb zu machen“. Im Übrigen sei das Gebiet in der Umgebung bebaut. „Eine kleine, zweigeschossige Wohnbebauung sollte möglich sein“, erklärte Semmlin. Hauptamtsleiter Peter Hartl erklärte, es sei eine Reihe von Fachleuten beteiligt. „Dass man da hinten bebauen kann, ist unstrittig“, sagte Hartl.

Deckwerth kritisiert Böhm, er habe "unserem Gast beiläufig unterstellt, keine Sachkompetenz zu haben"

Böhm hatte allerdings noch eine Reihe weiterer Einwände. Er fragte, ob Semmlin sich die Situation in der Umgebung nicht richtig angeschaut habe: Denn so, wie die Bebauung jetzt vorgesehen sei, baue man bei angrenzenden Häusern bis an deren Fenster hin und halte offenbar keinen Abstand. Semmlin antwortete, in der Auslobung des Wettbewerbs sei durchaus vermerkt, einen Mindestabstand von drei Metern einzuhalten. Sie sehe durchaus die „Möglichkeit, eine Grenzbebauung im Rahmen einer Bauleitplanung zu ermöglichen“. Ilona Deckwerth (SPD) schaltete sich kurz in die Diskussion ein und kritisierte Böhms Umgangston. Er habe „unserem Gast beiläufig unterstellt, keine Sachkompetenz zu haben“. Böhm entschuldigte sich, dass dies nicht seine Intention gewesen sei, war aber noch nicht fertig: Er kritisierte weiter, es sei problematisch, in den Unterlagen bereits jetzt festzulegen, die Stellplätze abzulösen. Er sehe die Gefahr, dass im Laufe des Verfahrens festgelegt werde, doch Parkplätze in der Nachbarschaft auszuweisen – etwa auf einer nahen „Wiese, bei der unser ehemaliger Bürgermeister Iacob versprochen hat, die nicht für Stellplätze“ zu verwenden. Außerdem plädierte er, wie so oft, für Sprossenfenster. Hier schaltete sich Niko Schulte (Füssen Land) ein: Zum einen müsse ein Haus nicht immer Sprossen haben – entscheidend sei durchaus auch der Charakter des Gebäudes – und zum anderen sei die Tiefgarage der Sparkasse „nur einen Steinwurf entfernt“, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt doch noch um verfügbare Stellplätze gehen sollte.

Details werden noch geklärt

Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) fasste schließlich zusammen, dass die Details der Wohnbebauung im Laufe des Wettbewerbs geklärt werden. Jetzt gehe es darum, dafür den Weg freizumachen – was alle Stadträte mittrugen bis auf Peresson und Böhm.

>>Lesen Sie auch: Kürzlich sorgte auch ein anderes Wohnbauprojekt unter Füssens Kommunalpolitikern für eine intensive Debatte.<<