Neues Modell im Ostallgäu

So wollen Gastgeber Fachkräfte im Ostallgäu behalten

Die Bubbles aus dem Vortrag von Stefan Gries zeigen alle Punkte auf, die in einem Arbeitsverhältnis eine Rolle spielen. Sie machen es aus, ob jemand sich für diese Jobs interessiert oder nicht.

Die Bubbles aus dem Vortrag von Stefan Gries zeigen alle Punkte auf, die in einem Arbeitsverhältnis eine Rolle spielen. Sie machen es aus, ob jemand sich für diese Jobs interessiert oder nicht.

Bild: Grafik: Stefan Gries, Tourismusverband Ostallgäu

Die Bubbles aus dem Vortrag von Stefan Gries zeigen alle Punkte auf, die in einem Arbeitsverhältnis eine Rolle spielen. Sie machen es aus, ob jemand sich für diese Jobs interessiert oder nicht.

Bild: Grafik: Stefan Gries, Tourismusverband Ostallgäu

Tourismusverband und Arbeitsagentur starten ein neues Modell, um Mitarbeiter zu behalten. Sprachkurse außerhalb der Saison helfen vor allem einer Gruppe.
23.09.2022 | Stand: 12:00 Uhr

Reichlich Interessierte sind zum Vortrag „Ohne gute Leute geht nix“ erschienen, den Pfronten Tourismus gemeinsam mit der Touristinformation Nesselwang und der Tourismusgemeinschaft Südliches Allgäu im Pfarrheim Pfronten durchführte. Wie bekommen Gastronomie und Hotellerie an die derzeit so knappen Fachleute lautete die Ausgangsfrage. Dass insbesondere in den vergangenen beiden Pandemiejahren Personal in nie gekannter Zahl abgewandert ist, ist kein Geheimnis.

Tourismusverband: Diese Branche ist nicht sehr beliebt

Sebastian Gries, Geschäftsführer des Tourismusverbands Ostallgäu und Stefan Preisendanz von der Arbeitsagentur Füssen und Marktoberdorf referierten nicht nur über die Qualifikation von Mitarbeitern. Vielmehr sprachen sie das grundsätzliche Problem des Gewinnens, Haltens und Entwickelns von Fachpersonal an. Bei Umfragen landeten diese Branchen ziemlich weit unten auf der Beliebtheitsskala. Das liege an verschiedenen Punkten, vor allem auch am Umgang mit dem Personal. Personal, das seien in erster Linie Menschen, die sich wertgeschätzt wissen wollen. Auch würden immer weniger junge Menschen sich in Gastronomie und Hotellerie ausbilden lassen.

Die Branche habe einen schlechten Ruf, weil schon in der Ausbildung nicht besonders hohe Vergütungen gezahlt würden. Genau das sei aber ausschlaggebend dafür, welchen Beruf Schulabgänger wählen. Auch hinsichtlich des langen Arbeitslebens, das vor ihnen liegt, seien diese Berufe nicht sonderlich attraktiv, fehlt es doch hier an guten Gehältern, Arbeitszeiten, die mit Familie und Beruf in Einklang zu bringen seien, aber auch die Chance auf ein berufliches Weiterkommen sei sehr vage und kaum möglich. Das gelte auch für Quereinsteiger aus dem In- und Ausland.

Darum ist die Sprache so entscheidend

Die beiden Referenten betonten, dass insbesondere diese beiden Branchen vom Umgang mit dem Gast leben, die vor allem von der Kommunikation getragen werde. Dazu ist die Sprache wichtig, im Allgäu in erster Linie Deutsch, wobei auch andere Sprachen von Vorteil wären.

Derzeit halte die Branche mit Personal aus dem Ausland ihre Betriebe über Wasser, allen voran Flüchtlingen aus der Ukraine, die sofort nach ihrem Ankommen in Deutschland arbeiten dürften. Vor allem seien es Frauen, die ihre Kinder versorgen wollen und müssen. Genau hier setzt das Modell von Arbeitsagentur, Füssen Tourismus und Marketing sowie Landratsamt Ostallgäu an: Ab 7. November bieten sie einen betriebsbezogenen Sprachkurs für ausländische Arbeitnehmer an, der bis Februar gehen soll. Unterricht sei jeden Montag ganztägig und mittwochs am Nachmittag. Zugelassen sind nur Beschäftigte in einem festen Arbeitsverhältnis, also Sozialversicherungsabgabenpflichtige, Minijobber sind vom Sprachunterricht ausgeschlossen.

Arbeitgeber bekommen Dienstausfall für Kurstage

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Während der Weihnachtsferien, in der Winterhauptsaison, findet kein Unterricht statt. Die Arbeitgeber der beiden Branchen erhalten den Dienstausfall für die Kurstage, auch die Kursgebühren werden von den Ämtern getragen. Im Gegenzug müssten sie nicht wie üblich nach der Saison die Kräfte entlassen, sondern sollten sie im Arbeitsverhältnis behalten. Damit könnte die Saisonpause überbrückt werden. Also eine Win-Win-Situation für alle drei: Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Arbeitsagentur.

Interessierte Betriebe sollen sich so schnell als möglich melden. Das Arbeitsamt komme auch zur Beratung in den Betrieb, der Interesse an dieser Qualifizierung hat. Der Kurs muss mindestens zehn Teilnehmer ausweisen, damit er stattfinden kann.

Fazit: Ohne Qualifikation fehlen weiterhin Fachkräfte, dieser Kurs ist ein Anfang die Qualifikation zu steigern.

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