Konzertreihe läuft

Festival Vielsaitig Füssen: Endlich wieder echte Musiker

„In echt“ und nicht als Livestream präsentiert das Verdi-Quartett im Kaisersaal des Füssener Barockklosters St. Mang das Auftaktkonzert zum Festival Vielsaitig, das es mitveranstaltet. Von links: Susanne Rabenschlag, Matthias Ellinger, Karin Wolf und Zoltan Paulich.

„In echt“ und nicht als Livestream präsentiert das Verdi-Quartett im Kaisersaal des Füssener Barockklosters St. Mang das Auftaktkonzert zum Festival Vielsaitig, das es mitveranstaltet. Von links: Susanne Rabenschlag, Matthias Ellinger, Karin Wolf und Zoltan Paulich.

Bild: Markus Röck

„In echt“ und nicht als Livestream präsentiert das Verdi-Quartett im Kaisersaal des Füssener Barockklosters St. Mang das Auftaktkonzert zum Festival Vielsaitig, das es mitveranstaltet. Von links: Susanne Rabenschlag, Matthias Ellinger, Karin Wolf und Zoltan Paulich.

Bild: Markus Röck

Trotz Corona können die Festivalgäste in Füssen Kammermusik live erleben. Der Auftakt im Kaisersaal bringt überraschende Erkentnisse.

28.08.2020 | Stand: 06:30 Uhr

„Die vielen Streamings und digitalen Aufführungen waren irgendwann nicht mehr zu ertragen“, sagte Karin Wolf. Musik brauche ein lebendiges Erlebnis und ein Miteinander, um Augenblicke zu teilen. Wohl alle im luftig besetzten Kaisersaal des Füssener Barockklosters St. Mang teilten die Freude der Viola-Spielerin des Verdi Quartetts darüber, dass es im Coronajahr am Mittwochabend den Auftakt zum Festival Vielsaitig zu feiern gab. Zehn Tage lang erwarten die Besucher vielfältige musikalische „Augenblicke“, so das Motto in diesem Jahr, das alle Redner bei der Eröffnung in ihren Ansprachen zitierten.

Weniger Nebengeräusche als sonst

Im Mittelpunkt aber stand natürlich die Musik und die erstaunliche Erkenntnis, dass die sich mindestens genauso gut genießen lässt, wenn die Zuhörerzahl wegen der nötigen Abständen auf weniger als ein Drittel sinkt. Damit reduzieren sich auch die Nebengeräusche und die Schalldämpfung, so dass die Klänge noch klarer den Zuhörer erreichen, als der es gewohnt ist. Ein Effekt, auf den sich das Verdi Quartett eingestellt hatte, das das Publikum mit sattem Klang umschmeichelte. Zurecht erntete es deshalb am Ende seiner Darbietungen langanhaltenden, kräftigen Applaus mit einigen Bravorufen. Es wurde mehrfach zurück auf die Bühne geklatscht, eine Zugabe durfte es wegen der pandemiebedingten Auflagen allerdings nicht mehr geben.

Motto "Augenblicke" zieht sich durch

Wie das Stichwort „Augenblicke“ hatte sich Corona bereits als roter Faden durch die Ansprachen zu Beginn gezogen. Bürgermeister Maximilian Eichstetter lobte vor allem Carina Hager und ihr Team im städtischen Kulturamt, die es schafften, dass das Festival Vielsaitig „in schwieriger Zeit“ zum 18. Mal stattfinden kann. Und das auch heuer mit allen drei Säulen: Konzerte, Meisterkurse und Treffpunkt Geigenbau. Landrätin Maria Rita Zinnecker bezeichnete mit Richard Wagner Musik als „die Sprache der Leidenschaft“. Ohne sie fehle etwas Essentielles und viele Augenblicke. Nachdem die Musica Sacra heuer nur virtuell als Stream zu erleben war, sie sie sehr froh, dass im Ostallgäu nun wieder etwas „mit echten Musikern“ veranstaltet werde. 5000 Euro steuere der Landkreis dazu bei. Der Bezirk Schwaben werde seine Möglichkeiten ausschöpfen, das Defizit des Festivals mitzutragen, versicherte der stellvertretende Bezirkstagspräsident Edgar Rölz. Nach den neuen Richtlinien stünden dazu bis zu 10 000 Euro zur Verfügung. Die kulturelle Landschaft in Schwaben stelle sich derzeit wie ein Garten im Frühjahr da, wenn die ersten Pflänzchen wieder wachsen, sagte Rölz. Er hoffe sehr, dass nicht durch Unvernunft darüber der Osterschnee gestreut werde.

Verein unterstützt Festsival

Wie groß die Sorge in Füssen war, dass das Festival heuer nicht stattfinden könnte, machte Dr. Eckhard Derday vom Verein Festival Vielsaitig deutlich. Der Verein mit seinen 223 Mitgliedern werde aber alles daran setzen, diesen kulturellen Schatz der Stadt zu bewahren und weiterzuentwickeln. Mit 8000 Euro aus Spenden und den Mitgliedsbeiträgen fördere man heuer drei Konzerte. Den Musikern dankte Derday für ihre Bereitschaft, jeweils zwei Mal aufzutreten. Diese Entgegenkommen habe das Festival überhaupt ermöglicht. Die Sparkasse Allgäu sei seit zehn Jahren als Förderer des Festivals dabei und feiere somit heuer ein kleines Jubiläum, sagte deren Vorstandsvorsitzender Manfred Hegedüs. Mit den Kommunen als Träger sehe man sich der Region verpflichtet. Und für dieses Festival gebe es keinen besseren Ort als Füssen.

Frühwerk eines Frühverstorbenen

Das Verdi Quartett widmete sich in seinem Auftaktkonzert bedeutenden Augenblicken der Musikgeschichte. Der Wiener Franz Schubert war gerade 17 Jahre alt, als er die Schule abbrach, um seinem Vater als Hilfslehrer zur Seite zu stehen. Gleichzeitig entstanden seine ersten Werke, so dass er bis zu seinem frühen Tod mit 31 Jahren der Welt ein umfangreiches und breitgefächertes Œuvre hinterließ. Eines seiner Frühwerke, das Streichquartett Es-Dur, D. 87 bot das Verdi Quartett in beinahe jugendlicher Frische dar. Schubert zeigt sich darin nicht nur bereits auf der Höhe seiner Zeit, sondern auch als spiel- und experimentierfreudig. Kleine Walzereinschlüsse blinken heraus, die Violine darf in weiten Bögen singen und das Cello schon mal gezupft werden, bereichert durch kleine dramatische Einwürfe und ein sehr flottes Scherzo.

Ein selbstkritischer Komponist

Wäre Johannes Brahms ebenso früh verstorben wie Schubert, wüsste die Musikwelt heute nichts von ihm. Denn ganz im Gegensatz zu dessen jugendlichen Elan ging Brahms sein Werk sehr selbstkritisch und zögerlich an. So war er bereits 40, als er 1873 endlich eines seiner Streichquartette für würdig befand, in die Öffentlichkeit getragen zu werden. Für heutige Ohren sehr eingänglich hatte er unter anderem mit neuen Harmonien die Zuhörer seiner Zeit noch gefordert. Mit dem Streichquartett Nr. 2 a-Moll, opus 51,2 zeigte das Verdi Quartett die ganze Schönheit Brahms’scher Klänge auf.

Bachs Kunst der Fuge

Zwischen Schubert und Brahms setzten die vier Streicher und Festival-Mitveranstalter einen, der nicht nur für einen wichtigen Augenblick in der Musikgeschichte sorgte: Johann Sebastian Bach. Wollte dieser mit „Die Kunst der Fuge“ vermitteln, wie das Thema einer Fuge variiert werden kann, lieferte er dabei Stücke ersten Ranges, wie das Verdi Quartett mit Contrapunctus 1 demonstrierte.

Für einige Konzert des Festivals Vielsaitig, das bis zum 5. September dauert, gibt es noch Restkarten in der Tourist Info Füssen, unter Telefon (0831) 206 55 55 sowie www.allgaeuticket.de