Kiesabbau: Vorwürfe gegen Firma

Kieslaster verliert Öl im Forggensee - Die Polizei ermittelt

Kiesabbau im Forggensee

Laster um Laster rollt derzeit wieder zum Kiesabbau aus dem Forggensee. Und wieder hagelt es Vorwürfe.

Bild: Benedikt Siegert

Laster um Laster rollt derzeit wieder zum Kiesabbau aus dem Forggensee. Und wieder hagelt es Vorwürfe.

Bild: Benedikt Siegert

Maschinen mit Lecks, die im Forggensee geparkt werden, zu viel Schmutz und Lärm: Erneut gibt es Vorwürfe gegen eine Firma. Das sagen Behörden.
31.03.2021 | Stand: 11:08 Uhr

Nachdem 2020 wegen des zu hohen Wasserstands kein Kiesabbau im Forggensee möglich war, setzen die Bauunternehmen heuer alles daran, das verlorene Jahr reinzuholen. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man derzeit auf den Straßen unterwegs ist. Muldenkipper um Muldenkipper rollen aus dem Forggensee, dass es nur so staubt.

Und das heuer erstmals von zwei Seiten. Denn nach jahrelangen Querelen sicherte sich eine Arbeitsgemeinschaft um das Marktoberdorfer Unternehmen Hubert Schmid eine zweite Zufahrt in den See, um weiterhin Kies abbauen zu können. So sind jetzt wieder zwei Arbeitsgemeinschaften im See am werkeln, die Arge I mit den Firmen Josef Scheibel, Wilhelm Geiger, Goldhofer und Heinz Heer und die Arge II mit den Firmen Hubert Schmid, Xaver Schmid, Brutscher und Mazzolini.

Entsprechend hoch sind das Verkehrsaufkommen und die abgebaute Kiesmenge. Naturschützer sprechen von einem Volumen von bis zu 160.000 Tonnen. Ganz zu schweigen von der CO²-Belastung. Die Rede ist von 17.000 Tonnen, ein Gros entfällt dabei auf die Arge um Hubert Schmid, der große Mengen Richtung Marktoberdorf wegkarrt.

Baumaschine verliert rund einen Liter Kühlmittel im Forggensee

Und es wird noch schmutziger: Der Kreisfischereiverein hat am 14. März Anzeige wegen Gewässerverunreinigung gestellt. Grund: Eine im See abgestellte Baumaschine der Firma Hubert Schmid hatte rund einen Liter Kühlflüssigkeit verloren. „Bürger hatten uns darauf aufmerksam gemacht“, erzählt Vorsitzender Matthias Heinz. Als Pächter des Gewässers sei es die Verpflichtung des Vereins, solchen Verunreinigung schnell Einhalt zu gebieten. „Das ist keine Schikane, sondern bei dem Areal handelt es sich um ein sensibles Habitat“, sagt Heinz. Handle man nicht, könne sich eine Verunreinigung schnell über den ganzen See verteilen. Deswegen der Weg zur Polizei.

Baumaschinen wie dieser Caterpillar stehen zur Zeit im Forggensee. Zwischenzeitlich hatte dieser Lader Öl verloren.
Baumaschinen wie dieser Caterpillar stehen zur Zeit im Forggensee. Zwischenzeitlich hatte dieser Lader Öl verloren.
Bild: Allgäuer Zeitung

Deren Ermittlungen ergaben zwar, dass der Eigentümer den Schaden zwischenzeitlich bemerkt und repariert hatte. Aber ist das dauerhafte Abstellen solcher Fahrzeuge im sensiblen See überhaupt legitim?

Landratsamt Ostallgäu klärt über Caterpillar-Baumaschine auf

Lesen Sie auch
##alternative##
Diskussion im Gemeinderat

Viele Bedenken gegen Kiesabbau in Günzach: Nun soll ein Bürgerentscheid her

Aufklärung schafft das Landratsamt Ostallgäu. Demnach handelte es sich bei der Baumaschine mit Leck um einen sogenannten Dumper der Marke Caterpillar. „Dieser wird jedoch nicht als Transport-, sondern als Baufahrzeug eingestuft. Das Abstellen verstößt somit nicht gegen den Planfeststellungsbeschluss“, teilt Thomas Brandl vom Landratsamt mit.

Lastwagen müssen über Nacht also raus, Caterpillar dürfen stehen bleiben. Ihm zufolge habe das Unternehmen die Maschinen jedoch vor dem täglichen Arbeitsbeginn auf Tropfverluste kontrolliert und es wurden ohnehin nur biologisch abbaubare Betriebsstoffe verwendet werden. „Von Seiten der Unteren Wasserrechtsbehörde ist demnach nichts weiter zu veranlassen“, sagt Brandl. (Lesen Sie auch: Rieden am Forggensee: Bürgerinitiative macht gegen Kiesgrube mobil).

Das Unternehmen Hubert Schmid hat sich auf Anfrage unserer Redaktion vorläufig noch nicht dazu geäußert.

Fischer fordert: „Man muss Hubert Schmid mehr auf die Finger schauen“

Die Fischer hingegen würden sich schon wünschen, „dass man dem Hubert Schmid etwas mehr auf die Finger schaut“, sagt Heinz. Schließlich sei die Arge II neu dabei und müsse sich erst bewähren. Dass die Belastung für die Umwelt zunehmen würde, war für ihn klar, nachdem jetzt zwei Argen Kies abbauen dürfen. „Da ist natürlich extrem viel mehr Bewegung als vorher“, sagt er. Alles andere wäreaus seiner Sicht auch naiv. Die Kreisfischer würden die Lage weiterhin beobachten. Etwa was die Bildung von Hohlräumen angeht durch den Kiesabbau.

Bald ist der Zoff ums Kies jedoch ohnehin verstaubt. Zumindest vorerst. Dann nämlich beginnt der Aufstau des Forggensees. Die Konflikte könnten aber auch danach weitergehen.

Lesen Sie auch: Streit um Kiesgrube: Das sagt der Bauunternehmer