Roßhaupten

Forggensee geht nicht mit 65 in Ruhestand

Staudamm

Staudamm

Bild: Alexandra Decker

Staudamm

Bild: Alexandra Decker

Talsperre Sanierung des Staudamms bei Roßhaupten jetzt mit offiziellem Festakt abgeschlossen. Alle Redner loben Ablauf der Arbeiten und das Verständnis der Bevölkerung, obwohl sie große Einschnitte in Kauf nehmen musste
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Von von alexandra Decker
13.09.2019 | Stand: 14:34 Uhr

24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – das hat der Forggensee-Staudamm bei Roßhaupten mit Schloss Neuschwanstein gemeinsam. In solchen Mammutschichten wurde bei beiden Bauten gearbeitet. Das sagte Professor Thomas Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer Gruppe, beim Festakt zum offiziellen Abschluss der großen Staudammsanierung (wir berichteten mehrfach). Beim Schloss habe seinerzeit der König diese Schlagzahl vorgegeben. Beim Staudamm sei dieses Tempo für den Tourismus und die Anrainer von großer Bedeutung gewesen.

Für die Bauer Gruppe, die mit Spezialmaschinen die Schlitzwände in den Staudamm einbaute, war die geringe Zeit eine der größten Herausforderungen. Dazu kamen die unterschiedlichen Felshärten und Stellungen des Gesteins sowie die Enge auf der Dammkrone und das Wetter. Denn auch über den Winter wurde ununterbrochen gearbeitet – mit einem positiven Aspekt: „Bei uns in der Firma hängen jetzt tolle Bilder von unserer Fräse im Schneesturm und bei Nacht“, sagte Bauer.

Warum es an der Forggensee-Talsperre so schnell gehen musste, erklärte Dr. Klaus Engels, Direktor der Wasserkraft von Uniper Deutschland. Verschiedene Messungen hatten ergeben, dass der 1954 errichtet Staudamm übliche Alterserscheinungen zeigte. „Das Schadbild zum Jahreswechsel 2017/18 hat uns selbst überrascht“, sagte Engels. Um die Sicherheit weiter gewährleisten zu können, sei schnelles Handeln nötig gewesen. Auch „stand der Sommer vor der Tür und wir wollten die Tourismussaison gewährleisten“.

Das gelang vergangenes Jahr allerdings nicht. Als klar war, dass saniert werden muss, wurde laut der Uniper Kraftwerke GmbH zwar umgehend ein zweistufiges Konzept entwickelt. Schnell wurde mit der Firma Bauer eine ebenso zeitnah handelnde Spezialfirma gefunden und in einer ersten Phase ab April 2018 der Dammgrund durch Injektionen mit Zement auf die Einbringung der Erdbeton-Schlitzwand vorbereitet. In der zweiten Phase wurden entlang des 300 Meter langen Damms 77 Schlitzwände mit riesigen Spezialmaschinen in den Dammkern gegraben und mit Erdbeton verfüllt. Die letzte dieser Kerben wurde im April 2019 ausgehoben.

Aufgestaut werden konnte der Forggensee aber 2018 nicht mehr wie geplant: Zuerst wegen der Bauarbeiten, später, weil es an Niederschlägen fehlte. Für den Tourismus im Füssener Land und die Anrainer bedeutete das laut Landrätin Maria Rita Zinnecker Einbußen: Die Forggensee-Schiffe lagen eine Saison auf dem Trockenen, was der Stadt Füssen ein Minus von knapp einer Million Euro bescherte. Die ausgewiesene Radroute um den See war trotz eines Behelfsbaus nur eingeschränkt nutzbar. Die Campingplätze, Gastronomen und Hotels in Seenähe kämpften mit ausbleibenden Gästen und Stornierungen. Geschäften fehlte die Laufkundschaft. Schüler, Landwirte, Pendler und andere Verkehrsteilnehmer mussten wegen der gesperrten Straße große Umwege in Kauf nehmen. Trotz alldem aber „haben wir nur verständnisvolle Reaktionen bekommen“, sagte Engels. Es hätte bei der Bevölkerung außer Frage gestanden, dass der Damm nach über 60 Jahren saniert werden müsse und die Sicherheit vorgehe. Engels bedankte sich dafür bei allen Betroffenen.

Die Sanierung selbst bezeichnete er, als schwierige Aufgabe, auch weil die außerplanmäßige Finanzierung des 30-Millionen-Euro-Projekts für Uniper eine Herausforderung gewesen sei. Am Ende aber sei – und darin waren sich alle Redner einig – alles erfolgreich und unfallfrei verlaufen. Der Staudamm ist auf dem neuesten technischen Stand, und „der Forggensee kann seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Er geht nicht mit 65 Jahren in den Ruhestand“, sagte Engels.

Das bedeutet für Dr. Rüdiger Detsch, Ministerialdirektor des bayerischen Wirtschaftsministeriums, „einen Grund weniger für schlaflose Nächte“. Der Lech liefere zwölf Prozent des Stroms aus Wasserkraft in Bayern und ist damit mit seinem Kopfspeicher Forggensee ein wichtiger Teil der ökologischen Stromerzeugung im Freistaat.

Welche Bedeutung der Forggensee für die Region hat und das Interesse an dem Bauprojekt zeigte sich laut Uniper-Vorstandsmitglied Eckhardt Rümmler auch an Klickzahlen. „Weil Transparenz uns wichtig ist“, schaltete das Unternehmen extra für die Sanierung eine Internetseite. Diese sei die am meisten aufgerufenen Homepage gewesen, die Uniper jemals veröffentlicht habe. Auch außerhalb des Ostallgäus stieß das nicht alltägliche Bauprojekt auf großes Interesse. „Wir hatten nahezu 1000 Besucher auf der Baustelle“, berichtete Bauer. Sie kamen unter anderem von Kommunen, Ämtern und Hochschulen – sogar aus dem Ausland.