Einkommen in Füssen und Schwangau

Verdienen Menschen in Füssen und Schwangau schlechter als im Rest des Allgäus?

Im Königswinkel liegt das mittlere Einkommen der Einwohner unterhalb dem Bundesschnitt.

Im Königswinkel liegt das mittlere Einkommen der Einwohner unterhalb dem Bundesschnitt.

Bild: Benedikt Siegert

Im Königswinkel liegt das mittlere Einkommen der Einwohner unterhalb dem Bundesschnitt.

Bild: Benedikt Siegert

Das Einkommen von Füssenern und Schwangauern liegt unterhalb des deutschen Durchschnitts und Allgäuer Nachbargemeinden. Liegt das am Tourismus?
27.09.2022 | Stand: 12:37 Uhr

Schwangau, das Dorf der Königsschlösser und der grünen, satten Landschaft. Füssen, die Kommune mit der romantischen Altstadt. Die Region: reich an Touristen. Aber wie steht es um die Einwohner? Laut einer kürzlich erschienen Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht allzu gut, zumindest finanziell.

Denn die dort lebenden Bürger liegen mit ihren mittleren Brutto-Monatsgehältern unterhalb des deutschen Durchschnitts. Und: Beide Kommunen stehen im Vergleich zu ihren Nachbargemeinden deutlich schlechter da. Könnte das an der Tourismusbranche liegen – bekannt für ihr niedriges Lohnniveau – die im Königswinkel stark vertreten ist?

Gehalt in Füssen und Schwangau: Woher die Daten kommen

Die Nachrichtenplattform Zeit Online hat Daten der Entgeltstatistik der BA ausgewertet und in einen bundesweiten Vergleich gestellt. Darin zeigt sich: Wer in Füssen wohnt, in Vollzeit und sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, der hatte 2021 ein mittleres Einkommen von 3045 Euro brutto. Der mittlere Lohn in Deutschland liegt bei 3525 Euro. Noch weiter dahinter liegt Schwangau (2912 Euro brutto).

Die Zahlen sind inflationsbereinigt, sollen also zeigen, wie viel sich die Arbeitnehmer tatsächlich von ihrem Lohn leisten können. Keine Nachbargemeinden der Tourismushochburgen stehen demnach schlechter da. Was die Zahlen nicht miteinbeziehen: Renten, Minijobber, Selbstständige oder Teilzeitkräfte. Weil zu Letzteren bei der BA nur Daten ohne genaue Arbeitszeiten vorliegen, würden sie die Statistik verfälschen. Aber genau darin sieht Schwangaus Bürgermeister ein Problem.

Das Schloss Neuschwanstein zählt laut DZT zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten.
Das Schloss Neuschwanstein zählt laut DZT zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten.
Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Das sagen die Zahlen zum Einkommen in Füssen und Schwangau aus

Besondere Bedeutung dürfe man solchen Zahlen nicht geben, sagt Stefan Rinke (CSU). Er rät zur Vorsicht. Weil die Zahlen keine Teilzeitbeschäftigung erfassen, könne man „nur sehr bedingt Rückschluss ziehen“. Rinke nennt ein Beispiel: In Schwangau gebe es viele Familienbetriebe, die Ferienwohnungen betreiben. Wenn die Besitzer dann zusätzlich wo anders in Teilzeit arbeiten, werden sie in der Statistik nicht erfasst. Ähnlich sei das mit Selbstständigen. Sie seien in der Gemeinde sehr wichtig, vor allem in der Tourismusindustrie („Das ganze Dorf ist voller Gewerbe.“).

Die ganze Branche leide im Übrigen daran, nicht das gleiche Ansehen wie andere Wirtschaftszweigen zu haben. Das sei nicht richtig, sagt Rinke. Der Tourismus müsse als „gleichwertige Branche“ verstanden werden. Nehme man die Verteilung der Einkommenssteuer als Maßstab, stehe Schwangau zudem deutlich besser da. Geht es den Einwohnern bei ihren Einkommen also eigentlich sehr gut? Rinke würde da die Schulnote „ausreichend“ erteilen, sagt er. Besser gehe immer. (Lesen Sie auch: Tourismusort Oberstdorf schraubt den Kurbeitrag nach oben)

Wie schätzt Füssens Tourismusdirektor die Situation ein?

Auch Füssens Bürgermeister sieht die Tourismusbranche nicht als Ursache für das niedrige mittlere Einkommen in der Stadt. Der „Wirtschaftsstandort Füssen besteht aus mehreren Zweigen, nicht nur des Tourismus“, sagt Maximilian Eichstetter (CSU). Dienstleister und Industriebetriebe seien ebenso wichtige Wirtschaftsfaktoren. Zudem sind die Anzahl der Arbeitsplätze und auch die Gehälter sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer seit 2015 angestiegen. Der Tourismus sei in Füssen „ein starker Motor“ mit einer Wirtschaftskraft von knapp 210 Millionen Euro. Eichstetter betont, dass bei solchen Vergleichen auch die Altersstruktur mit einbezogen werden sollte. Er vermutet hinter der niedrigen Einkommenszahl, die „erhöhte Altersstruktur“ in Füssen. Knapp 27 Prozent der Bevölkerung sind 65 oder Älter. (Lesen Sie auch: Volkswirte: "Werden alle ärmer aus der Krise kommen")

Dabei bezieht er sich aber auf die Verteilung der Einkommenssteuer. Hierbei drücke der hohe Anteil von Rentnern auf die Verteilung pro Einwohner. Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier sieht in der Branche, obgleich sie für ihr vergleichsweise niedriges Lohnniveau bekannt sei, Stärken. Füssen sei allein schon wegen seiner Standortfaktoren für den Tourismus begünstigt. Jede Branche beinhalte Berufsbilder und Gehaltsgefüge. Das Gastgewerbe eigne sich sehr gut für etwa Zweit- oder Minijobs. „Die Automatisierung, die in der Industrie den Niedriglohnsektor vielfach zurückdrängt, ist bei einer Dienstleistung am Gast nur schwer umsetzbar und würde auch nicht automatisch die Qualität steigern geschweige denn Sehnsüchte erfüllen“, erklärt er.

Die Region würde zudem vom Tourismus profitieren: Der Lebensraum entwickle sich zum Vorteil, die Lebensqualität steige – trotz Nebeneffekten wie der Verkehrsbelastung. Und: Die Ansiedlung von Unternehmen sei kein Wunschkonzert. Andere Orte hätten zwar eine geringere Lebensqualität. Dafür aber Vorteile bei anderen Standortfaktoren.

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