Pfronten

Functional Fitness in Pfronten: Gewichte unter freiem Himmel stemmen

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Florian Göttinger (rechts) trainiert im "Rise" in Pfronten (von links) Johannes Brenner, Felix Linden und Matthias Müller.

Bild: René Buchka

Florian Göttinger (rechts) trainiert im "Rise" in Pfronten (von links) Johannes Brenner, Felix Linden und Matthias Müller.

Bild: René Buchka

Ein Studiobetreiber nutzt die coronabedingte Schließung und baut einen Außenbereich. Wer ein klassisches Fitnessstudio erwartet, wird aber enttäuscht sein.

29.07.2020 | Stand: 06:23 Uhr

„Komm schon, nur noch zehn Wiederholungen, dann hast Du eine Minute Pause“, sagt Florian Göttinger zu einem der jungen Männer. Drei sind es insgesamt, die sich unter der Morgensonne mit Kugelhanteln abrackern. Dass sie das draußen tun können, haben sie Göttinger zu verdanken. Er betreibt das Functional Fitness-Studio „Rise im Gebäude des Alpenbads in Pfronten.

Außenbereich war ursprünglich gar nicht so groß geplant

Gerade einmal seit etwa drei Monaten hatte Göttinger die Pacht für das Studio übernommen, als die Corona-Beschränkungen in Kraft traten – und er schließen musste. Doch der 24-Jährige hat die Zeit genutzt: Er hat einen Außenbereich eingerichtet. Als Sport in Gruppen an der frischen Luft wieder erlaubt war, konnte er dort die ersten Kurse anbieten.

Schon als er Anfang Dezember vergangenen Jahres das Studio übernommen hatte, dachte Göttinger daran, einen Außenbereich herzurichten. „Aber nicht so groß, wie er jetzt ist.“ Das hat Corona geändert. Sechs Wochen lang habe er jeden Tag an dem Projekt gearbeitet: den Boden mit Moosgummi ausgelegt, die Wände gestrichen und ein Gerüst mit Tauseil und Klimmzugstange aufgebaut. „Das Gute daran war, dass ich das richtig machen konnte – und nicht nur so nebenbei.“ Am 14. Mai fand dann das erste Training mit vier Teilnehmern draußen statt.

 Das ist Functional Fitness

Inzwischen trainieren die Mitglieder auch wieder drinnen. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Fitnessstudio im klassischen Sinn – die Göttinger spricht von Functional Fitness. Ziel dabei sei nicht, einen klasse Körper aufzubauen. Vielmehr steht die gesamte körperliche Fitness im Vordergrund.  Der 24-JÄhrige nennt folgende Punkte, die Functional Fitness ausmachen:

  • Teilnehmer trainieren stets ihren ganzen Körper – nicht einzelne Muskeln.
  • Sowohl Kraft als auch Ausdauer und Beweglichkeit sind gefragt.
  • Statt Maschinen stehen bei Göttinger Kugelhanteln, Medizinbälle und Halterungen für Langhanteln zur Verfügung.
  • Jede Einheit ist unterschiedlich aufgebaut. Dadurch werden Göttinger zufolge immer wieder andere Reize gesetzt.

Reporter trainiert mit

Wie denn ein Training in diesem Stil aussieht, davon hat sich unser Reporter selbst ein Bild gemacht. Zum Aufwärmen geht es an diesem Tag erst mal im Laufschritt einen Hügel hinauf. Wieder zurück im Studio bereiteten sich die Sportler ihre Gelenke und Muskeln mit Gummibändern und Dehnübungen vor. Noch die Bauchmuskeln im Stütz und Seitstütz angespannt, dann heißt es: Raus an die frische Luft.

Jeder Teilnehmer nimmt sich Kugelhanteln mit. An einer Tafel stehen die Übungen, die es so schnell wie möglich zu absolvieren gilt. Drei Durchgänge mit 21, 15 und schließlich neun Wiederholungen sind es. Göttinger gibt das Startsignal, Elektromusik tönt aus den Lautsprechern. Die Sportler schwingen die Kugelhanteln, heben sie über den Kopf und machen darauf Liegestütze. „Da braucht es Stabilisierung“, sagt Göttinger. Keuchend und schwitzend beißen sich die Sportler durch das Programm. Etwa 25 Minuten braucht unser Reporter, bis er fertig ist. Da jeder in seinem eigenen Tempo und mit individuellen Gewichten arbeitet, können Fortgeschrittene und Anfänger gemeinsam trainieren. Was ihm zudem an Functional Fitness gefällt: Langweilig wird es durch die kurzen Pausen garantiert nicht. Die Anstrengung spürt er in den folgenden Tagen in Form eines Muskelkaters – wie versprochen am ganzen Körper.

Das sagen die Sportler zum Außenbereich

„Wenn man’s geschafft hat, ist es ein klasse Gefühl“, sagt Brenner. Der 29-Jährige ist selbstständig, lebt inzwischen auf Zypern und verbringt den Sommer im Ostallgäu. „Mit dem Außenbereich wird alles weitläufiger.“ Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sei es besser, wenn sich die Mitglieder auf eine größere Fläche verteilen können. Auch sein Kumpel Felix Linden ist begeistert: „Der Aufbau des Außenbereichs war eine super Aktion.“ Das Areal sei gut ausgebaut, ihm zufolge alles da, was man braucht. Linden spielt professionell bei den Selber Wölfen Eishockey. Den Sommer verbringt er in Füssen und trainiert im „Rise“. Der 26-Jährige rackert sich auch lieber draußen als drinnen ab. „Man ist an der frischen Luft und in der Sonne. Außerdem hat man Sicht auf die Berge.“