Tourismus am Forggensee

Gastgeberin vom "Haus am Forggensee" hört auf: Ein Rückblick

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Im „Haus am Forggensee“ hatte Heidrun vom Bovert über viele Jahre illustre Gäste. Nun geht sie mit 81 Jahren in den Ruhestand und widmet sich verstärkt dem Schreiben.

Bild: Werner Hacker

Im „Haus am Forggensee“ hatte Heidrun vom Bovert über viele Jahre illustre Gäste. Nun geht sie mit 81 Jahren in den Ruhestand und widmet sich verstärkt dem Schreiben.

Bild: Werner Hacker

Mit 81 Jahren gibt Heidrun vom Bovert ihr „Haus am Forggensee“ ab. Illustre Gäste bekamen bei ihr Unterkunft und Auskunft. Viele Anekdoten hat sie auf Lager.
08.06.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Das „Gästehaus am Forggensee“ im Weidach in Füssen ist verpachtet, Heidrun vom Bovert im Ruhestand: mit 81 Jahren. Vom Bovert, Jahrgang 1938, hatte die Geschäftsführung schon 2014 offiziell an ihren Sohn Hartmut übergeben. Die aus Solingen stammende Familie war 1973 ins Allgäu gezogen. In ihrem Rückblick auf das von ihr geführte „Landhaus vom Bovert“ – zehn Jahre in Schwangau – und das sich ebenfalls durch eine internationale Atmosphäre auszeichnende „Haus am Forggensee“ ab 1985 in Füssen unterstreicht vom Bovert in ihrer neuen Wohnung: „Ich habe viele schöne Erinnerungen. Durch die Arbeit im Gästehaus habe ich in den Jahren der Selbstständigkeit interessante Gespräche mit Gästen aus nah und fern gehabt.“

So führte das Leben von Heidrun vom Bovert zwei Mal ins Allgäu

Bevor sie Anekdötchen aus dem Leben einer Gastgeberin erzählt, skizziert vom Bovert im Gespräch mit unserer Redaktion die Familiengeschichte, die von Solingen aus zwei Mal ins Allgäu führte. „Wir kamen zuerst nach Schwangau, wo wir 1973 eine Pension bauten“, erinnert sie sich. Grund für die Neuorientierung, die am Jürgenfeld begann: der Bauernhof im Besitz der Familie musste wegen einer Autobahn verlassen werden. Warum lag das Ziel der aus Solingen stammenden Familie im Dorf der Königsschlösser? Es waren verwandtschaftliche Kontakte, die Siegfried und Heidrun vom Bovert mit ihren beiden Kinder nach Schwangau führten. „Wir bauten eine Pension: das Landhaus vom Bovert.“

Heidrun vom Bovert gibt ihr "Haus am Forggensee" ab. Die 81-Jährige widmet sich nun dem Schreiben.
Heidrun vom Bovert gibt ihr "Haus am Forggensee" ab. Die 81-Jährige widmet sich nun dem Schreiben.
Bild: Werner Hacker

Sie hatten ihr Haus zehn Jahre geführt, als die Familie erneut eine Entscheidung treffen musste: „Meine Mutter ist gestorben. Deshalb sind wir zurück nach Solingen.“ Heidrun vom Bovert sagt: Im Nachhinein betrachtet seien die beiden Jahre in ihrer Geburtsstadt eine „Pufferzeit“ gewesen. „Wir konnten nicht Fuß fassen und sind nach Füssen gezogen. Am Forggensee haben wir die Selbstständigkeit mit unserem Gästehaus fortgesetzt.“ Die schöne Landschaft zog die Familie vom Bovert an – und die Gäste, die es schätzten, dass die aufgeschlossene Pensionswirtin ihnen Tipps gab, den freien Tag in der Natur auszukosten.

Illustre Gäste gingen im "Haus am Forggensee" ein und aus

Im „Haus am Forggensee“, das Heidrun vom Bovert ab 1985 geführt hat, ging es, angefangen mit dem Frühstück, persönlich zu. Auf jedem schriftlichen Anmeldezettel konnte die Pensionswirtin erkennen, ob der Gast als Urlauber oder beruflich bedingt ins Haus gekommen war. Ein Freund von Musicalstar Jan Amann, der den König spielte, ist Schauspieler Bernhard Bettermann. Er hat eine Rolle in der Fernsehserie „In aller Freundschaft“. Ihn empfing Heidrun vom Bovert mit den Worten: „Ich kenne Sie. Sie sind der Oberarzt Dr. Stein aus der Sachsenklinik.“

Zum Vorstellungsgespräch beim Bürgermeister angereist war der heutige Tourismuschef Stefan Fredlmeier. Heidrun vom Bovert ermunterte ihn, die von der Stadt ausgeschriebene Stelle auch anzunehmen: „Füssen braucht frisches Blut!“ Sie fährt fort: „Wir haben die Geschichte des Festspielhauses Füssen mit ihrem Auf und dem Ab von Anfang an miterlebt. Die Musicaldarsteller haben gern Bekannte bei uns untergebracht.“ Ständig tauchten im Reigen der Gäste fachlich spezialisierte Handwerker auf, die Aufträge im Musicaltheater erledigten. Heidrun vom Bovert nennt ein Beispiel: „Die Akustik im Festspielhaus musste optimiert werden.“ Gefragt war vom Bovert zum Beispiel als Fachfrau, die einer Delegation aus Asien erläutern durfte, wie Ferien auf dem Bauernhof so gestaltet werden können, dass es den Urlaubern zusagt.

Gastgeberin vom "Haus am Forggensee" hat viele Geschichten auf Lager

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Zu den illustren Gästen im „Haus am Forggensee“ zählt sie einen „Lehrer, der Starfighter-Piloten in der hier bis zum Fall der Mauer stationierten US-Army ausgebildet hatte.“ Sie lächelt, als sie fortfährt: „Ein amerikanisches Pärchen hatte für seinen Honeymoon ein Zimmer gebucht. Der Mann hatte eine Landkarte dabei. Er glaubte mir nicht, dass Ausflugsziele wie München oder Linderhof nur zwei Stunden entfernt sind und nicht 1000 Kilometer, wovon er als Bewohner der großräumigen USA ausging. Ich habe jeden Tag betont: sie könnten das Zimmer behalten, denn sie würden bei den Ausflügen ganz in der Nähe bleiben.“

Gegenseitig voneinander lernen, sei mit dem Alltag in der Pension verbunden gewesen. Heidrun vom Bovert meint: „Es wird mir fehlen!“ Dass sie loslassen kann, hängt – wie sie sagt – damit zusammen, dass sich das Verhältnis von Gastgeber und Gast inzwischen verändert habe. „Durch die Digitalisierung wird weniger miteinander gesprochen.“ Im Ruhestand will sie private Kontakte pflegen und sich – zwei Gedichtbände hat sie schon veröffentlicht – dem Schreiben widmen.

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