Wegen Insekt

Gefuchtel im Auto löst Frontal-Crash aus: Körperverletzung

Keinerlei Zweifel hatte der Richter, dass sich der Angeklagte der fahrlässigen Körperverletzung von Mutter und Kind im anderen Auto schuldig gemacht hatte.

Keinerlei Zweifel hatte der Richter, dass sich der Angeklagte der fahrlässigen Körperverletzung von Mutter und Kind im anderen Auto schuldig gemacht hatte.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Keinerlei Zweifel hatte der Richter, dass sich der Angeklagte der fahrlässigen Körperverletzung von Mutter und Kind im anderen Auto schuldig gemacht hatte.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Junger Autofahrer gerät in den Gegenverkehr. Der Richter geht in seinem Urteil noch über den ursprünglichen Strafbefehl hinaus.
30.12.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Mit einem schweren Unfall, der nur durch Glück einigermaßen glimpflich abgegangen war, musste sich jetzt das Kaufbeurer Amtsgericht befassen: Ein 25-jähriger Autofahrer war im Juni mit etwa 100 Kilometern pro Stunde in Richtung Füssen unterwegs, als ein Insekt durch die geöffneten Fenster ins Wageninnere flog. Der junge Mann versuchte dann offenbar, das Tier nach draußen zu befördern. Dabei verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und geriet auf die Gegenspur, wo er frontal mit dem Fahrzeug einer 40-jährigen Ostallgäuerin kollidierte.

Noch immer in Behandlung

Die Frau erlitt unter anderem eine Brustkorbprellung und eine Kniezerrung und ist noch immer aufgrund der Beschwerden in Behandlung. Ihr vierjähriger Sohn und der Unfallfahrer trugen überwiegend Prellungen davon. Nach der Beweisaufnahme hatte der Richter im Urteil „keinerlei Zweifel“, dass sich der Angeklagte der fahrlässigen Körperverletzung von Mutter und Kind schuldig gemacht hatte.

Geldstrafe und Fahrverbot

Er machte dem jungen Mann deutlich, dass er in der damaligen Situation nicht hätte „wild im Auto rumfuchteln“ dürfen. Vielmehr hätte er seine Geschwindigkeit deutlich verringern müssen. Der bis dato unbescholtene Angeklagte wurde zu 40 Tagessätzen zu je 28 Euro verurteilt, insgesamt also zu einer Geldstrafe in Höhe von 1120 Euro. Zudem verhängte der Richter ein einmonatiges Fahrverbot.

Er ging damit über den ursprünglichen Strafbefehl hinaus, der nur eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 28 Euro vorgesehen hatte. Der Vorsitzende verwies darauf, dass ein Strafbefehl von einem geständigen und reuigen Täter ausgehe. Im vorliegenden Fall erkenne der Angeklagte jedoch „immer noch nicht, dass er sich falsch verhalten hat“. Der junge Mann hatte zwar bei der Polizei eingeräumt, dass er ein Insekt habe fangen wollen und dabei zweimal auf die Gegenspur geraten sei. Vor Gericht behauptete er jetzt, seine Aussage sei damals falsch aufgenommen worden, und schilderte einen deutlich kürzeren Vorgang.

Enorm abgelenkt

Der ermittelnde Polizeibeamte erklärte, er habe die Aussage damals genauso niedergeschrieben, wie erfolgt. Die ursprüngliche Version des Angeklagten wurde auch durch die verlesene Aussage eines anderen Autofahrers bestätigt. Demnach hatte der Angeklagte seinerzeit enorme Probleme beim Führen seines Fahrzeugs und dies nicht nur für einen kurzen Moment. Die Staatsanwältin war im Plädoyer davon überzeugt, dass der junge Mann damals „nicht nur im Reflex“ nach dem Insekt gewischt hatte.

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Der Richter sah dies genauso und hielt dem Angeklagten im Urteil vor, dass es sich um eine erhebliche Verletzung der Sorgfaltspflicht gehandelt hatte, bei der auch die Gefahr eines tödlichen Ausgangs bestanden habe. Zugunsten des Angeklagten wurde in Rechnung gestellt, dass er sich bei der Geschädigten im Sitzungssaal entschuldigt hatte. Die Zeugin selbst hatte diese Entschuldigung zwar zur Kenntnis genommen, jedoch kein Hehl daraus gemacht, dass diese für sie zu spät kam. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.