Ostallgäu/Wildsteig

Großer Andrang bei Waldtagung

Waldtagung Wildsteig

Waldtagung Wildsteig

Bild: Stefan Fichtl

Waldtagung Wildsteig

Bild: Stefan Fichtl

Umwelt 400 Besucher strömen nach Wildsteig, um sich bei der ersten Fachtagung für Forstbesitzer zu informieren
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Von pm
27.01.2020 | Stand: 15:40 Uhr

Nein, über mangelnde Resonanz konnten sich die Initiatoren der Fachtagung zum Thema Wald wahrlich nicht beklagen. Über 400 Teilnehmer hatten sich am Wochenende zu der Veranstaltung in Wildsteig eingefunden. Sogar eine Handvoll Tierschützer war darunter, die sich zu einer Mahnwache vor der Gemeindehalle versammelte.

Eingeladen zu der Tagung hatten mehrere Organisatoren, darunter die Jagdgenossenschaft aus Steingaden, die Forstbetriebsgemeinschaft Halblechtal, die Waldkörperschaften Steingaden und Buching-Trauchgau. Durch das Programm führte der ehemalige Forstbetriebsleiter Meinhard Süß. Die Vortragsreihe eröffnete Dr. Ralf Petercord vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Er schlug einen großen Bogen von den Klimazusammenhängen im Großen zu den daraus vor Ort erwachsenden konkreten Problemen im Kleinen. Den Zuhörern blieb im Ohr, dass die im Winter gültige Faustregel auch für die Baumartenzusammensetzung im Wald gilt: „Wer streut, der rutscht nicht.“

Dass der Wald ein großes, komplexes Gebilde ist, verdeutlichte Professor Manfred Schölch von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. „Egal, ob von Menschen beeinflusste oder der Natur selbst überlassene Wälder, die Veränderungen finden derzeit so schnell statt, dass der Wald nicht mehr mitkommt sich anzupassen“, sagte der Experte. Mit zahlreichen Handlungsempfehlungen zeigte er den Zuhörern aus seinem Werkzeugkasten auf, welche Möglichkeiten es gibt, dem bestehenden Wald zu helfen. „Im Wald wird und muss sich etwas ändern. Auch einer erfolgreichen Jagd kommt große Bedeutung zu“, betonte Schölch.

Dr. Georg Meister, Buchautor und Forstamtleiter a.D., nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise seiner jagdlichen und forstlichen Erfahrungen, beginnend im Jahr 1949. Von der Entwicklung der Rehwildjagd in den vergangenen 140 Jahren, über die Kultivierung der Rehbocktrophäen, bis hin zu Wildschäden in den Bergwaldregionen, gab er einen Einblick in sein forstliches und jagdliches Wissen, das so in Bayern wohl nahezu einmalig ist.

Andreas Tyroller, Fachberater und Mediator beim Bayerischen Bauernverband, rüttelte die anwesenden Waldbesitzer und damit Jagdrechtsinhaber teils mit deutlichen Worten auf, welche Rechte und Pflichten bei ihnen liegen. „Eine erfolgreiche Jagd braucht engagierte Eigentümer und Jäger“, lautete seine Botschaft an die Zuhörer.

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Ludwig Rabl vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Schongau sowie Nikolaus Urban, Revierjagdmeister, durchpflügten den Themenkomplex Jagdausübung und staatliche Förderung für den Waldumbau. „Eigenbewirtschaftung kann ein Schlüssel für erfolgreiches Waldwachstum aller Baumarten sein“, sagte Urban. Großzügige Förderungen für mehr Naturverjüngung auszahlen zu können, das wäre auch das Ziel von Ludwig Rabl.

Ganz dem Zeitgeist folgend waren auch die Kinder der Grund- und Mittelschule Steingaden zu ihren Wünschen für die Zukunft des Waldes befragt worden. Ein Schüler der Klasse 8m trug die Ergebnisse vor der großen Zuhörerkulisse souverän vor. Die Walderhaltung und Nutzung für die Gesellschaft in allen Facetten standen dabei ganz oben auf der Wunschliste der Schüler.