Corona-Aufklärung

Gymnasium Hohenschwangau: Intensivmediziner besucht Ethikkurs

Intensivstation

Virtuell und per I-Pad wurden die Schüler des Gymnasiums Hohenschwangau mit auf eine Intensivstation genommen.

Bild: Ulrich Wagner (Symbolfoto)

Virtuell und per I-Pad wurden die Schüler des Gymnasiums Hohenschwangau mit auf eine Intensivstation genommen.

Bild: Ulrich Wagner (Symbolfoto)

Schüler des Gymnasiums Hohenschwangau haben einen lehrreichen Einblick auf eine Intensivstation bekommen. Ein Mediziner klärte die Jugendlichen über Corona auf.
16.04.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die Schüler des Ethikkurses des Gymnasiums Hohenschwangau haben einen besonderen Gast begrüßt: Um fachliche Fragen zum Thema Corona zu klären, lud der Kurs einen Intensivmediziner in den Online-Unterricht ein. Oberarzt Dr. Matthias Baumgärtel vom Klinikum Nord in Nürnberg war zu Gast und gab den Jugendlichen spannende Einblicke. Kursleiterin Regina Schmid berichtet:

Schüler aus Hohenschwangau bekommen Infos über Corona

Donnerstagnachmittag, 13.20 Uhr. Die Schüler und Schülerinnen des Ethikkurses der elften Jahrgangsstufe loggen sich wie jede Woche in das Distanz-Meeting ein. Doch diesmal gibt es einen weiteren Teilnehmer. Oberarzt Dr. Matthias Baumgärtel vom Klinikum Nürnberg Nord ist auch dabei, um vor dem Hintergrund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Intensivmediziner aus dem klinischen Alltag in Zeiten der Pandemie zu berichten, fachliche Fragen zu klären und gemeinsam mit den Teilnehmenden des Kurses Fragen rund um Corona zu diskutieren.

Hintergrund der Aktion war ein vorausgegangenes Kurzprojekt, im Rahmen dessen sich die Lernenden mit philosophisch-ethischen Implikationen der Corona-Krise auseinandersetzten. Dabei kam ans Licht, dass eine enorme Unsicherheit in Bezug auf den Wahrheitsgehalt medialer Produkte herrscht. Kurzerhand lud die Kursleitung einen in einem kontrovers diskutierten Artikel zitierten Arzt ein, der dabei helfen sollte, zur Meinungsbildung der Schüler und Schülerinnen beizutragen.

Dankenswerterweise nahm sich Dr. Baumgärtel spontan mehr als zwei Stunden Zeit, um sowohl die vorab gesammelten als auch neu aufkommenden Fragen des Kurses zu beantworten. Die in den vergangenen Monaten vollzogene Digitalisierung des Unterrichtsgeschehens machte dies problemlos möglich.

Unaufgeregt, fachlich fundiert und auch für Laien verständlich erläuterte der Mediziner den wissenschaftlichen Hintergrund mancher Maßnahmen und räumte mit einigen gängigen Fehlurteilen auf, die bezüglich der Pandemie im Volk grassieren – etwa, dass Klinikärzte einen Bonus für einen „Corona“-Stempel auf dem Totenschein bekämen, Corona-Fälle vermeintlich doppelt und dreifach gemeldet würden oder dass ausschließlich über 80-Jährige an der Krankheit versterben.

Oberarzt Dr. Matthias Baumgärtel ermutigt mit gemeinsamen Kräften gegen die Pandemie zu kämpfen

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Für viele neu und überraschend war auch die Information, dass ein Drittel der intensiv-pflichtigen Patienten auf Corona-Stationen keiner der bekannten Risikogruppen angehören. Gleichzeitig distanzierte der Arzt sich allerdings von alarmistischen Positionen und ermutigte den Kurs vielmehr, diesen sehr wichtigen Moment in der Seuchenbekämpfung mit gemeinsamen Kräften und dem nötigen Maß an Gelassenheit durchzustehen.

Am Ende der informativen und bewegenden Sitzung nahm er den Kurs sogar virtuell per I-Pad auf die Intensivstation mit, um einen Einblick in den pflegerischen Alltag zu vermitteln: Die enorme Zusatzbelastung, der das medizinische Personal seit über einem Jahr ausgesetzt ist, wurde allein durch die langwierigen Schutzprotokolle, die vor dem Betreten der Station zu durchlaufen sind, offensichtlich.

Auf der Station selbst herrschte – von Piepsen der Überwachungsinstrumente abgesehen – bedrückende Stille. Vor allem der schwerkranke 40-jährige Patient an der Herz-Lungen-Maschine wird sicherlich vielen noch lange im Gedächtnis bleiben und hoffentlich dazu beitragen, die für alle sehr belastenden und schwierigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung noch eine Weile solidarisch mitzutragen, bis eine umfassende Durchimpfung der Gesellschaft den Menschen wieder ausreichend Schutz bietet, um zumindest ein Stück weit wieder in die Normalität zurückzukehren.