Festival Vielsaitig

Herausragender Jazz von vier Freunden im Füssener Kaisersaal

Vielsaitig Gitanes

Die „Gitanes Blondes“ bei ihrem Auftritt im Füssener Kaisersaal. Von links: Mario Korunic (Violine), Simon Ackermann (Kontrabass), Christoph Peters (Gitarre) und Konstantin Ischenko (Akkordeon).

Bild: Klaus Wankmiller

Die „Gitanes Blondes“ bei ihrem Auftritt im Füssener Kaisersaal. Von links: Mario Korunic (Violine), Simon Ackermann (Kontrabass), Christoph Peters (Gitarre) und Konstantin Ischenko (Akkordeon).

Bild: Klaus Wankmiller

„Gitanes Blondes“ laden zur musikalischen und humorvollen Reise zwischen Folklore, Klezmer und Klassik. Ihr Programm enthält auch Kabinettstückchen.
05.09.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Vor 22 Jahren haben sich die vier Freunde Mario Korunic (Violine), Konstantin Ischenko (Akkordeon), Christoph Peters (Gitarre) und Simon Ackermann (Kontrabass) zu den „Gitanes Blondes“ („Blonde Zigeuner“) zusammengeschlossen. Nun machten die vier herausragenden Jazzmusiker beim Festival Vielsaitig in Füssen Station. Ihre Titel spielten sie allesamt auswendig und aus einem Guss. Die Melodien erklangen im gegenseitigen Wechselspiel, jeder hatte Gelegenheit zur Improvisation, nicht zuletzt deshalb, weil alle ihr Instrument perfekt beherrschen. Außergewöhnlich sind die Performance und die akustisch sehr angenehme und ausgewogene Mischung von Folklore, Klezmer und Klassik. Musik ist für die Gruppe Bewegung. So wird auch immer wieder auf der Bühne herumgegangen.

Außergewöhnliche Fingerfertigkeit

Die vier Musiker kamen bereits spielend auf die Bühne und motivierten ihr Publikum bei den rumänischen Zigeunerweisen „Balkonia“ zum Mitsummen. Außergewöhnliche Fingerfertigkeit zeigte Mario Korunic bei langen Arpeggios beim russischen „Skazzka“, der auch gestampft wurde. In „Hora Moldavia“ wird gepfiffen und gesungen. Erster Höhepunkt des Abends war die meisterhafte Kombination des aufkommenden Gewitters aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ mit „Summertime“ von George Gershwin. Anschließend durfte das Publikum wieder ran, um den Rhythmus für den Regen zu machen. In Kombination von Streichen und Zupfen brillierte Korunic auf seiner Geige. Auf einem Bordun des Kontrabasses improvisierten auch Gitarre und Akkordeon in „Irish Moos“ einen sentimentalen Shanty, der in einen Square Dance mündete.

Tischtennisball gibt den Takt vor

Mehrmals spielten „Gitanes Blondes“ auf einem Kreuzfahrtschiff. Zum Proben musste die Gruppe in den Tischtennisraum. Dort entstand die Fassung „Tango la Camparsita“ von Gerardo Matos Rodrigues, den das Ensemble mit dem regelmäßigen Aufprallen eines Tischtennisballs als Grundrhythmus präsentierte. Den hielt Korunic mit dem Schläger in seiner rechten Hand in der Luft, während er gleichzeitig mit der linken Hand die Melodie auf der Geige spielte. Für „Horo 13“ packte der Geiger sogar ein 300 Jahre altes Instrument von Johann Anton Gedler aus. „Das ist ein Heimspiel. Die Geige kommt aus Füssen, die Musik aus dem Balkan – meiner Heimat. Mal sehen, wie sich das verträgt“, schmunzelte der Musiker. Das Ergebnis war sehr erfreulich. Nach einem stimmungsvollen ersten Teil fungierten Kontrabass und Akkordeon auch als Rhythmusinstrumente. Nach kühnen Modulationen nahm das Stück an Fahrt auf und endete mit halsbrecherischen Improvisationen, bei der auch die barocke Wellengeige im Kaisersaal wohltuend und virtuos erklang. Beim „Camel Dance“ wird die Geschichte eines kleinen Kamels erzählt. Während des Titels fanden die Musiker Zeit, einen jüdischen Witz zu erzählen. Schließlich gab es beim letzten Stück, in dem sich die vier Musiker gegenseitig vorstellten, ausreichend Platz für Soloimprovisationen.

Fahrkünste musikalische verarbeitet

Natürlich wurde das Ensemble nicht ohne Zugabe entlassen. Für diese hatte „Gitanes Blondes“ sich etwas ganz Besonderes überlegt: Obwohl die Vier gerne mit der Bahn zu ihren Auftritten fahren, ist man bei Streiks auch auf das Auto angewiesen. Die Fahrkünste der Musiker sind allerdings nicht gleich. „Gib Gas!“ ist die rasante Autofahrt des Kontrabassisten Simon Ackermann, der mit einem langsamen Glissando das Beschleunigen sinnbildlich vorführte. Mit der atemberaubenden Ouvertüre aus „Wilhelm Tell“ von Gioacchino Rossini in Kombination mit dem Radetzkymarsch von Johann Strauß Vater und dem Cancan von Jacques Offenbach improvisierten sie sich durch die Musikgeschichte. Nach so viel Power verabschiedeten sich die vier Musiker singend und spielend mit dem Eingangsstück und verschwanden unter viel Beifall so wie sie gekommen waren.

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