Füssener Sommerklänge-Konzert

Hommage an die Comedian Harmonists: Nostalphoniker begeistern im Klosterhof in Füssen

Eine perfekte Einheit von Gesang und Choreografie: die Nostalphoniker im Klosterhof in Füssen.

Eine perfekte Einheit von Gesang und Choreografie: die Nostalphoniker im Klosterhof in Füssen.

Bild: Klaus Wankmiller

Eine perfekte Einheit von Gesang und Choreografie: die Nostalphoniker im Klosterhof in Füssen.

Bild: Klaus Wankmiller

Die Nostalphoniker haben bei ihrem Konzert in Füssen mit Gesang der 1920er begeistert. Warum auch zeitgenössische Dokumente eine Rolle spielten.

11.08.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Traumhaftes Sommerwetter herrschte beim Sommerklänge-Konzert im Klosterhof des ehemaligen Benediktinerklosters St. Mang in Füssen. Die Nostalphoniker aus München präsentierten in einem kurzweiligen Bühnenprogramm eine Hommage an die einzigartigen Comedian Harmonists. In eigenen Arrangements sang sich das von einem Klavier temperamentvoll begleitete Quintett in die Herzen des Publikums.

Dabei glänzten die Musiker nicht nur durch die doppeldeutigen Lieder der 1920er Jahre, sondern rezitierten auch Zeitdokumente aus dem Jahr 1934, die den aufkommenden Antisemitismus offenlegten. Drei Mitglieder von damals waren jüdischer Abstammung. Das hatte in einem „deutschen“ Konzert keinen Platz, wie man es dem Briefverkehr zwischen der bayerischen Konzertagentur und den Behörden entnehmen konnte. Im März 1934 kam es dann zum letzten Auftritt der Comedian Harmonists unter folgenden Auflagen: keine Rezension in der Presse, Offenlegung der ausgegebenen Ehrenkarten und Entlassung der jüdischen Mitglieder des Ensembles nach dem Konzert. Das war das tragische Ende der Gruppe von damals, die das von ihnen besungene „bisschen Glück“ nicht hatte.

Der Zeitgeist von damals in Füssen

Temperamentvoll und die Stimmen eines Orchesters imitierend begannen die Nostalphoniker mit dem bekannten Menuett und Luigi Boccherini. Es folgten einige Lieder aus der Zeit „als Frauen noch Damen und Herren noch Herren mit Stil waren“, so das Ensemble. Dabei ist es wichtig, „eine Grinsefresse“ zu machen, um den Zeitgeist von damals herüberzubringen. Dies ist dem Ensemble in perfekter Weise gelungen. Ein Musterbeispiel dieser musikalischen Zeitreise ist „Veronika, der Lenz ist“, zackig auf dem Klavier begleitet. Perfekt zu den Liedern war auch die Choreografie der Gruppe, wie beispielsweise mit den Zylindern in „Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen“ oder bei „So ein Kuss kommt von allein“. Präzise Gestikulierungen begleiteten auch die „Schöne Isabella von Kastilien“.

Die Nostalphoniker waren „von der Magie des Ortes ergriffen, in der das bayerische Königshaus sich so wohl fühlte“. Das Ensemble sucht immer einen Bezug zu ihrem Auftrittsort: In Füssen war es der Einsiedler Magnus, der das Kloster St. Mang vor 1200 Jahren gegründet hatte. „Wir treten deswegen in Eremitenaufstellung in gebührendem Abstand auf – das hat nichts mit Corona zu tun,“ erklärten die Musiker schmunzelnd. Dazu gibt es auch ein für die Lechstadt zugeschnittenes Lied: „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“. Ein musikalischer Hahnenkampf ist das „Ständchen“, in dem jeder der fünf Sänger um sein Solo ringt. Stimmlich ausgewogen und dynamisch abgestuft erklangen auch die „Kleine Frühlingsreise“ und „Mais C’est Natascha!“ Nach einem italienischen Intermezzo erklang der kurzweilige Abend mit einem deutschen Volkslied aus: „In einem kühlen Grunde, da steht ein Mühlenrad“. Leise verklangen die letzten Töne dieses tragischen Liedes in ergreifender Stille. Kein Wunder, dass das Publikum noch Zugaben forderte. Diese waren „In der Bar zum Krokodil“, eine Reminiszenz an das alte Ägypten, und ein Abschied, der Hoffnung auf ein Wiedersehen macht: „Lebe wohl und gute Reise“.

„Menschen brauchen Momente, die das Herz berühren“

Ein Fazit der Sommerklänge für Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier: „Menschen brauchen Momente, die das Herz berühren. Dieses neue persönliche Format in überschaubarem Rahmen in Spielfilmlänge hat dies möglich gemacht.“ Dem kann man nur beipflichten.