Inklusion

Im Skate- und Bikepark Füssen wird Inklusion groß geschrieben

Rasmus Ihnen testet den Skate- und Bikepark Füssen auf Barrierefreiheit

Rasmus Ihnen aus Lüneburg nimmt den Füssener Skate- und Bikepark unter die Lupe. Aber nicht auf dem Fahrrad oder Skateboard, sondern mit seinem Rollstuhl. Denn der Siebenjährige hat sich das Rollstuhl-Skaten zum Hobby gemacht.

Bild: Ihnen

Rasmus Ihnen aus Lüneburg nimmt den Füssener Skate- und Bikepark unter die Lupe. Aber nicht auf dem Fahrrad oder Skateboard, sondern mit seinem Rollstuhl. Denn der Siebenjährige hat sich das Rollstuhl-Skaten zum Hobby gemacht.

Bild: Ihnen

Der siebenjährige Rollstuhl-Skater Rasmus Ihnen testet den Füssener Skate- und Bikepark auf seine Barrierefreiheit. Über sein Fazit berichtet er im AZ-Interview
##alternative##
Von Teresa Pickl
12.09.2021 | Stand: 07:15 Uhr

Der Skate- und Bikepark Füssen hat sich längst zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische sowie Urlauber entwickelt und ist aus Füssen nicht mehr wegzudenken. Dank der barrierefreien Erweiterung sollen hier zukünftig neben Radfahrern und Skatern auch Rollstuhlfahrer über die Rampen springen. Der siebenjährige Rasmus Ihnen aus Lüneburg hat mit seiner Familie den Park besucht und ihn genau unter die Lupe genommen.

Was es mit den Rolli-Trendsportarten auf sich hat

Das sogenannte Wheelchair Moto-Cross (WCMX) hat sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren zu einer der angesagtesten Rolli Sportarten entwickelt. Dabei wird, ähnlich wie beim Skaten, im Skatepark getrickst und gesprungen. Auch Rasmus ist dieser Trendsportart verfallen. Aufgrund einer Behinderung ist der Lüneburger vom Knie abwärts gelähmt und seit seinem fünften Lebensjahr mit dem Rollstuhl unterwegs. Diesen nutzte er anfangs jedoch sehr ungern und eigentlich nur, um schneller voranzukommen. Rasmus wollte laufen, auch wenn es mühselig war. Um ihm seinen neuen Begleiter schmackhaft zu machen, zeigte Mama Miriam Ihnen ihm Fotos und Videos vom Rollstuhl-Skaten. Schnell fand der kleine Mann Gefallen daran und wurde auf David Lebuser aufmerksam. Der Extremsportler gilt als erster professioneller Rollstuhl-Skater in Deutschland und gründete gemeinsam mit seiner Frau Lisa und Björn-Patrick Meyer das Projekt „SIT ’N’ SKATE“. Darin bietet er unter anderem WCMX Skate Workshops und Rollstuhl-Fahrtraining an. Schon nach dem ersten Besuch dort war es um Rasmus geschehen. Seitdem geht er regelmäßig ins Training und macht die Skateparks unsicher.

Der Sakte- und Bikepark in Füssen sei der beste Park von allen, sagt Rasmus Ihnen

Auch die Rampen und Tracks in Füssen hat er bereits auf Herz und Nieren getestet. „Super, dass die Anlage barrierefrei geplant wurde“, sagt Miriam Ihnen. Rasmus konnte mit seinem Rollstuhl überall selbstständig hinfahren. Außerdem lobt sie die Vielseitigkeit des Platzes. Mit dem Kids-Track sind Anfänger-Elemente vertreten und auch die fortgeschrittenen Skater und Biker kommen auf ihre Kosten. Eine Besonderheit ist in ihren Augen die vorhandene Toilette. Das sei keine Selbstverständlichkeit auf Skateplätzen, sondern eher eine Seltenheit.

Ein großes Event für Rollstuhl-Fahrer findet 2022 in Füssen statt

Sehr positiv ordnete sie auch die Reaktionen der anderen Kinder und Erwachsenen ein: „Am Anfang haben sie schon etwas komisch geschaut, aber dann fanden es alle ziemlich cool. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt.“ Das Einzige, was Ihnens Meinung nach verbessert werden könnte, sei der Zugang zur Bowl (Wanne). Hier würden selbst erfahrene Rollstuhl-Skater nicht ohne Hilfe herauskommen. Ein flacherer Zugang beziehungsweise Ausgang sei hier wünschenswert. Ansonsten sind Mutter und Sohn hellauf begeistert vom Füssener Skate- und Bikepark: „Der ist besser als jeder andere.“ Den Abschluss der barrierefreien Erweiterung bildet das „Limitless Skate Event“, das nächsten Sommer in Füssen stattfindet. Die zweitägige Veranstaltung soll dazu dienen, Barrieren in den Köpfen abzubauen und den Behindertensportweiter publik zu machen. Doch beim „Wheelchair-Skaten“ handelt es sich bei weitem nicht nur um einen Fun-Sport. Die Rollstuhlfahrer lernen dabei viel für den Alltag und gewinnen enorm an Sicherheit und Selbstbewusstsein. Sie meistern alltägliche Hürden wie Kopfsteinpflaster oder Bordsteine dadurch leichter. Rasmus kann beispielsweise ohne Rampe selbstständig in den Bus ein- und aussteigen. Und auch für die Eltern bedeutet es Entlastung, wenn sie wissen, dass ihre Kinder sicher unterwegs sind. Aus diesem Grund legt Miriam Ihnen allen ans Herz: „Probiert es einfach aus.“ Für den Anfang genügt auch ein normaler Aktiv-Rollstuhl, den auch Rasmus hat. Nach zwei Jahren Übung stößt er bei seinem Gerät aber aufgrund der fehlenden Dynamik langsam an die Grenzen und überstrapaziert seinen Rücken. Für Fortgeschrittene gibt es jedoch spezielle Skate-Rollis, die aber für Familie Ihnen momentan nicht bezahlbar sind.

Rasmus Ihnen hat demnächst einen Auftritt in der TV-Sendung "Rote Rosen"

Noch ist WCMX zwar nicht paralympisch – aber wer weiß, vielleicht sehen Fernsehzuschauer Rasmus Ihnen eines Tages im TV über die Rampen springen. Seinen ersten Fernsehauftritt hat der Lüneburger bereits bei der ARD-Serie „Rote Rosen“. Darin darf er im Oktober stolz sein Hobby präsentieren.

Lesen Sie auch
##alternative##
Übersicht: Skateparks und Pumptracks

Adrenalin auf Rädern - Diese Skateparks und Pumptracks gibt es in Kempten und dem Oberallgäu