Impfpflicht für Klinikpersonal

Impfpflicht: Droht eine Kündigungswelle im Ostallgäu?

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Die Sorge vor Kündigungen treibt Leiter von Senioren- und Pflegeheimen sowie von Krankenhäusern um: Denn Mitarbeitende in diesen Bereichen dürfen am 16. März nur noch mit Impfnachweis zum Arbeitsplatz kommen.

Bild: Matthias Becker (Symbolfoto)

Die Sorge vor Kündigungen treibt Leiter von Senioren- und Pflegeheimen sowie von Krankenhäusern um: Denn Mitarbeitende in diesen Bereichen dürfen am 16. März nur noch mit Impfnachweis zum Arbeitsplatz kommen.

Bild: Matthias Becker (Symbolfoto)

Bestimmte Berufsgruppen, beispielsweise Pflegende oder Ärzte, müssen im März einen Impfnachweis vorlegen. Personalengpässe sind die Sorge in der Branche.
10.01.2022 | Stand: 17:20 Uhr

Der Kaufmännische Direktor der Fachklinik Enzensberg, Alexander Heim, ist in Sorge wegen der beschlossenen Impfpflicht für medizinisches und pflegendes Personal. Bisher habe es zwar keine Kündigungen gegeben – „Gott sei Dank“ –, er vermutet aber, dass das Thema erst in den nächsten Wochen durchschlägt. Auch andere aus der Branche teilen diese Sorge.

Der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes Ostallgäu (BRK), Thomas Hofmann, teilt beispielsweise mit: Sollten sich am Ende Einzelne gegen die staatlichen Vorgaben entscheiden, werden sie einem Gesundheitswesen fehlen, das schon bisher mit einem allgemeinen Arbeitskräftemangel zu tun hat und mit der herannahenden Omikron-Welle besonderen Herausforderungen ausgesetzt sein wird.

Fachklinik Enzensberg: Frühzeitig für mobile Impfteams gesorgt

Während die neue Bundesregierung mit der Frage nach einer allgemeinen Impfpflicht kämpft, wurde sie im vergangenen Jahr bereits für bestimmte Personengruppen beschlossen, etwa für Mitarbeiter in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen und -diensten sowie Rettungsdiensten. Konkret bedeutet das: Wer ab dem 16. März keinen Nachweis vorlegen kann, darf nicht an seinen Arbeitsplatz kommen.

Heim von der Fachklinik Enzensberg am Hopfensee berichtet, dass die Klinik sehr transparent mit dem Thema Impfungen umgehe. Frühzeitig habe man mit dem Impfzentrum Marktoberdorf kooperiert, mobile Teams waren vor Ort, um Personal zu impfen. Die Impfquote liege bei etwa 78 Prozent, so der Kaufmännische Direktor. In der wichtigen Pflegegruppe allerdings nur bei 68 Prozent. „Wir beschäftigen uns viel damit, Mitarbeiter aufzuklären“, sagt Heim. Die Gründe, warum sich jemand nicht impfen lassen möchte, seien vielfältig. Da gibt es laut Heim die Sorge bei jüngeren Frauen im Bezug auf Schwangerschaft, andere sehen die neuartigen Impfstoffe kritisch. Es gebe auch welche, die warten auf einen Totimpfstoff. Heim betont, dass man die Impfpflicht nicht bewerten möchte und man die Vorgaben aus der Politik umsetze.

Fakt ist: Die Personalsituation im Pflegebereich ist sehr angespannt. BRK-Geschäftsführer Hofmann sieht die Gefahr, dass mit der Impfpflicht ausschließlich für das medizinisch-pflegerische Personal die öffentliche Diskussion auf die Mitarbeitenden aus diesem Bereich verengt. Dabei werde übersehen, dass die immer wieder angesprochene Überlastung des Gesundheitssystems nur durch eine allgemein hohe Impfquote sowie das Zusammenspiel verschiedener Schutzmaßnahmen verhindern lasse.

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Kündigungen mit dem konkreten Hinweis auf die Impfpflicht sind Hofmann bisher nicht bekannt. „Mit der Klärung des Impfstatus bieten wir persönliche Gespräche an, um im Einzelfall offene medizinische oder rechtliche Fragestellungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu besprechen“, sagt Hofmann. Mit Zweifeln wolle man sorgsam umgehen, „letztlich sitzen wir hier alle gemeinsam in einem Boot“. Er sieht noch viele ungeklärte Fragen auch mit Blick auf die Impfquote unter dem Personal. Die Frage sei nicht einfach zu beantworten, da es ja nicht nur um geimpfte Personen gehe, sondern auch um genesene Personen oder solche, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft seien. Dazu komme, dass sich der Status im Verlauf der Zeit ändern könne und derzeit ja auch eine zukünftig möglicherweise zeitliche Befristung der Anerkennung diskutiert werde. „Außerdem unterliegen wir engen datenschutzrechtlichen Vorgaben, zu welchen Zwecken wir den Status ermitteln und an wen wir diesen (künftig) übermitteln dürfen.“ Aussagekräftige Daten dürften erst im Laufe des Januars, nachdem rechtliche Fragen geklärt wurden, vorliegen.

Wie schwierig die Personalsituation in den Einrichtungen ist, hat auch der Besuch des Patienten- und Pflegebeauftragten der bayerischen Staatsregierung, Prof. Dr. Peter Bauer, gezeigt. Bauer, der für die Freien Wähler im Landtag sitzt, verschaffte sich mit seinem Fraktionskollegen Bernhard Pohl einen Überblick am Klinikum Kaufbeuren-Ostallgäu. Zuletzt sorgte das Klinikum mit seiner SOS-Beleuchtungsaktion für Aufsehen. Was bei dem Besuch deutlich wurde: Der Stress, die psychische und körperliche Belastung der Pflegekräfte nimmt unaufhaltsam zu. Auf vielen Stationen fehlt es laut Klinikvorstand Axel Wagner an Personal. Die Zahl der Fachkräfte, die in andere Abteilungen wechseln oder ganz den Beruf verlassen wollen, sei zuletzt deutlich gestiegen. Corona bringe das System an seine Grenzen, eine baldige Entspannung sei nicht zu erwarten.

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Nach nunmehr zwei Jahren mit dauernder Überlastung seien viele Klinikmitarbeitende schlicht frustriert, sagt Wagner: „Anfangs wurde noch von den Balkonen geklatscht, jetzt kommt eine Impfpflicht in Pflegeeinrichtungen und Kliniken.“ Statt Wertschätzung und Respekt erfahren die einstigen Helden an der Corona-Front nun eine Stigmatisierung. Das habe auch in den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren bereits zu einigen Kündigungen geführt, sagt Wagner. Er hofft, dass es nicht noch mehr werden und dass es mit hausinternen Impfaktionen gelingt, alle Mitarbeitenden bis zum Stichtag zu erreichen.

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