Pfronten

In der Champions-League des Naturschutzes

Natura2000a

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Bild: Ingo Buchelt

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Natura 2000 Runder Tisch in Pfronten zu FFH-Gebieten und Managementplanung für Aggenstein, Kienberg und Ach
Von Ingo Buchelt
08.11.2019 | Stand: 15:39 Uhr

Einzigartige Naturräume von europäischer Bedeutung befinden sich in Pfronten. Die FFH-Gebiete „Aggenstein“ und „Kienberg mit Magerrasen im Tal der Steinacher Ach“(siehe Infokasten)stellen mit einem „Mosaik aus naturnahen Waldbeständen, Kalkschuttflächen, wärmeliebenden Trockengesellschaften und Buckelwiesen europa- und bayernweit eine absolute Besonderheit dar“, hieß es in der Einladung zum Runden Tisch, der rund 40 betroffene Grundeigentümer, Vertreter von Forst, Naturschutz, Landschaftspflege, Rechtlern und Gemeinde Pfronten folgten. Für die beiden FFH-Gebiete wurde die Managementplanung vorgestellt und diskutiert, die in Zusammenarbeit von Forst und Naturschutz entstand.

„Wir spielen in Pfronten in der „Champions-League des Naturschutzes“, unterstrich Günter Riegel von der Regierung von Schwaben die Bedeutung der lokalen FFH-Gebiete. Zum hervorragenden Erhaltungszustand hätten die Grundeigentümer über Generationen hinweg durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur beigetragen, lobte Moderator Simon Östreicher vom Forst in Füssen. Die Managementpläne seien nur für die Behörden verbindlich, für die Grundeigentümer sei die Umsetzung freiwillig, erläuterte Mathias Burghard, forstlicher Gebietsbetreuer aus Füssen. Aufgabe der Behörden sei es, die Grundeigentümer durch Beratung und Förderung zu bewegen, die vorgeschlagenen Maßnahmen vorzunehmen. Für alle gelte das „Verschlechterungsverbot“, sagte Burghard.

Die erarbeiteten Ergebnisse für die „Offenland-Bereiche“ (Wiesen und waldfreie Flächen) stellte Rüdiger Urban von der Arbeitsgemeinschaft Vegetation der Alpen (AVEDA) vor und listete zahlreiche wertvolle Lebensraumtypen auf: alpiner Rasen, Kalkmagerrasen, kalkreiche Niedermoore, feuchte Hochstaudenflure, Latschengebüsch und andere. Sie seien fantastisch ausgebildet mit zahllosen geschützten Pflanzen wie Orchideen, Edelweiß, Alpenaster, Arnika, Knabenkraut, Trollblume und Alpenrose. Der Aggenstein gehöre zu den floristisch reichhaltigsten Gebieten im gesamten bayerischen Alpenraum. Auch die Bergmähwiesen seien ganz überwiegend in einem hervorragenden Zustand, den es zu erhalten gelte. Urban empfahl die Fortführung der extensiven Mahdnutzung und für manche Bereiche Wiederaufnahme der Mahdnutzung oder Nachbeweidung sowie Auslichtung und Gehölzentfernung, Farn- und Distelmahd. Die Gebietskulisse des waldreichen Kienbergs stellte Andreas Walter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Krumbach vor. Waldmeister-Buchenwälder, Blaugras-Buchenwälder, Schlucht und Hangmischwälder, bodensaure Nadelwälder prägen das Bild. Der Experte empfahl die Fortführung der naturnahen Bewirtschaftung und die Reduzierung von Wildschäden sowie die Förderung lebensraumtypischer Baumarten (Buche, Tanne, Bergahorn, Vogelbeere). Wünschenswert sei, den Totholzanteil zu erhöhen und mehrschichtige ungleichartige Bestände zu schaffen. Staatliche Förderungsmöglichkeiten stellte Burghard vor. So werden als Einmalzahlung für den Erhalt von Biotopbäumen 195 Euro pro Laubbaum und 150 Euro pro Nadelbaum gezahlt sowie für das Belassen von Totholz 90 Euro pro Stamm mit mindestens sechs Meter Länge.

Die Diskussion drehte sich unter anderem um Fragen der Waldbewirtschaftung – einer sachgerechten forstwirtschaftlichen Nutzung steht laut Fachleuten nichts im Wege, ein Kahlschlag hingegen wäre eine Verschlechterung – sowie um das Entbuschen, das in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband wünschenswert ist, oder die Aufwertung eines dem FFH-Gebiet benachbarten Bereichs, für die es aber keine Fördermöglichkeiten gibt.

Bürgermeisterin Michaela Waldmann dankte allen Beteiligten, registrierte ein Bewusstsein im Ort für den Naturschutz, sah ihn als Gemeinschaftsaufgabe und bat alle Betroffenen, weiter zu machen auf freiwilliger Ebene.

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