Hopferau

Integration: eine Erfolgsgeschichte

Asylhelfer

Esmatolla H. hat es geschafft: Vor vier Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, arbeitet er jetzt im Schloss zu Hopferau. Hier mit seiner Chefin, Hoteldirektorin Elisa Herbein.

Bild: Norbert Plattner

Esmatolla H. hat es geschafft: Vor vier Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, arbeitet er jetzt im Schloss zu Hopferau. Hier mit seiner Chefin, Hoteldirektorin Elisa Herbein.

Bild: Norbert Plattner

Helferkreis Esmatolla H. arbeitet im Schloss. Er hat es nicht als Einziger in Hopferau geschafft
02.07.2021 | Stand: 13:03 Uhr

„Oft bleiben nur die negativen Schlagzeilen über Flüchtlinge hängen oder sie dominieren zunehmend die öffentliche Wahrnehmung“, sagt Alfred Umkehrer, der Leiter des 2015 gegründeten Helferkreises Hopferau und Eisenberg: Im Herbst hatte man sich damals dazu entschlossen, es anderen Gemeinden im Allgäu gleich zu tun, also nicht wegzuschauen oder das Unvermeidliche abzuwarten, sondern das Reizthema praktisch und vorurteilsfrei in die Hand zu nehmen und die seitens des Landratsamtes vorgegebene Aufnahmequote zu erfüllen. Dies wurde auch deswegen erleichtert, weil man im ehemaligen Gasthof Engel eine ausreichend große Unterkunft für die Flüchtlinge fand.

Mittlerweile sind vier Jahre ins Land gegangen und kaum jemand spricht noch von dieser Sturm- und Drang-Zeit, zudem kann man über das zweifelhafte Attribut „Gutmensch“ nur noch lächeln: Man wollte den entwurzelten Menschen aus Afghanistan, Syrien und Nordafrika den Einstieg in das neue Leben so gut wie möglich erleichtern, was sich dank der Unterstützung vieler heute nahezu wie eine Erfolgsgeschichte liest. Esmatolla H. und seine Familie aus Afghanistan beispielsweise gehören zu den Betreuten. Selbstbewusst und freundlich kommt Esmatolla zur Rezeption des Hopferauer Schlosses, dessen Angestellter er nun ist, und erklärt sich zu einem Gespräch bereit; mit dabei seine Chefin, Hoteldirektorin Elisa Herbein. 1990 in Kabisa, rund 100 Kilometer von Kabul entfernt, geboren, musste er von klein auf die blutigen Machtkämpfe der Mudschaheddin miterleben, denen auch sein Vater zum Opfer fiel. Sein Onkel drängte die Familie, das Land in Richtung Iran zu verlassen. Als Flüchtlinge lebte man dort am Rande der Legalität, hatte kaum Zugang zu Bildung oder Gesundheitswesen und schlug sich durch, so gut es ging. Längerfristige Perspektiven gab es nicht. 2015 machte sich Esmatolla mit Frau und Kind auf den Weg in Richtung Westen, man durchquerte die Türkei, erreichte mit dem Schlauchboot Griechenland, wo es Einreisepapiere gab, und kam im Oktober ohne weitere Ausweise nach Deutschland. Dass die Familie Hopferau zugewiesen wurde, ergab sich schnell, allerdings wurde ein Asylantrag wie bei fast allen Bewerbern aus Afghanistan abgelehnt. Der Einspruch gegen diese Entscheidung führte zu einem Abschiebeverbot. In dieser bedrückenden Zeit nahm Esmatolla an privat organisierten Deutschkursen teil. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, wie Elisa Herbein unterstreicht: Man könnte meinen, Esmatolla habe Deutsch bereits seit Jahren gesprochen. Knapp ein Jahr nach der Ankunft in Deutschland begann er dank der Bereitschaft von Schlossbesitzer und Direktion eine Ausbildung zum Hotelfachmann, die Fachschule absolvierte er in Bad Wörishofen. Auch die Führerscheinprüfung, die Flüchtlingen aus dem Nahen Osten auf Arabisch ablegen dürfen, schaffte er mit seiner neuen „Muttersprache“. Dass damit nicht alle kulturellen Unterschiede aus der Welt waren, ist auch Esmatolla bewusst, bisweilen müsse man ein dickes Fell haben. Natürlich gebe es kulturelle Unterschiede zwischen der alten und neuen Heimat der Familie, die aber eher als Bereicherung verstanden werden: Das Kind geht in den Kindergarten, wächst spielend mit der neuen Kultur auf und bringt seine Erfahrungen in die Familie ein.

Alfred Umkehrer könnte noch etliche Erfolgsgeschichten erzählen, beispielsweise die von Amim M., der bei einem Bauunternehmen beschäftigt ist und einen Teil seiner Freizeit im TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg verbringt, oder einem weiteren, der in Füssen in einem Malerbetrieb arbeitet. Natürlich hatte man auch Enttäuschungen, doch der Helferkreis überzeugt, dass sich die Mühe gelohnt hat: Sprachliche Kompetenz samt Arbeitsstelle und gegenseitiger Akzeptanz der Werte helfen dem Einzelnen, sich im neuen Lebensraum trotz der traumatisierenden Umstände vor und während der Flucht zu behaupten, ohne seine kulturelle Abstammung zu verleugnen. Dass Integration gut gelingen kann, da ist sich Unsinn ebenso sicher wie Esmatolla samt Familie, zugleich weiß man, dass man dies den vielen Helfern zu verdanken hat, ohne die das Erfolgsmodell nicht zustande gekommen wäre.