Corona

Irischer Cowboy "Texas Ollie" ist in Nesselwang gestrandet

Texas Ollie

Oliver Hepburn, alias Texas Ollie, lebt derzeit mit seinen beiden Pferden Rubio und Jojo in Nesselwang. Corona und ein kaputter Kleinbus verhinderten seine Heimreise nach Irland.

Bild: Fotos: Hepburn

Oliver Hepburn, alias Texas Ollie, lebt derzeit mit seinen beiden Pferden Rubio und Jojo in Nesselwang. Corona und ein kaputter Kleinbus verhinderten seine Heimreise nach Irland.

Bild: Fotos: Hepburn

Corona und ein kaputter Kleinbus hindern Oliver Hepburn alias Texas Ollie an der Heimreise. In Nesselwang hofft er auf ein Ende des Lockdowns, damit er wieder auftreten kann. Begonnen hat seine Karriere mit einem ganz besonderen Pferd
18.04.2021 | Stand: 12:55 Uhr

In Nesselwang ist ein Cowboy gestrandet. Schuld daran sind ein ständig reparaturbedürftiger Kleinbus und der Corona-Virus. Beides hindert Oliver Hepburn alias Texas Ollie seit einiger Zeit daran, mit seinen beiden Pferden zurück in seine Heimat Irland zu reisen. Bei Anita Zingler, einer guten Freundin, fand er übergangsweise ein Zuhause im Ostallgäu.

Normalerweise würde der 73-jährige Ire jetzt schon wieder in der Westernstadt Pullman City bei Passau das Publikum mit Countrymusik und den Kunststücken seiner Pferde begeistern. Seit vier Jahren verbrachte er dort jede Sommersaison. Im Winter reiste er anfangs zurück nach Hause, bis er vor etwa zwei Jahren entschied, auch diese Zeit in Deutschland zu verbringen. Mit weiteren Auftritten verdiente er zusätzliches Geld.

Seine beiden Pferde Rubio und Jojo können jede Menge Tricks. Sie präsentierten ihr Repertoire unter anderem auch schon bei Dinnerveranstaltungen in Hotels in der Region, in der Big Box Allgäu in Kempten und bei den Nesselwanger Reiterspielen. „Meine Pferde tun alles für mich. Sie kommen mit ins Wohnzimmer und steigen sogar Treppen hoch und runter“, sagt Hepburn. Er selbst tritt außerdem als Countrysänger auf.

Alle Pläne durcheinander gebracht

Corona brachte all seine Pläne durcheinander. Es gibt keine Auftritte mehr, keine Veranstaltungen und wann es in Pullman City weitergeht, ist ebenfalls offen. Es heißt also abwarten für den irischen Cowboy. „Ich kann nichts planen“, sagt er. Darüber hinaus scheiterte die Heimreise an einem kaputten Transportmittel. Weil er nicht mehr, wie vor einigen Jahren, regelmäßig mit seinen Pferden auf Tournee ging, hatte Hepburn seinen großen Lkw verkauft. Stattdessen erwarb er in Deutschland einen Kleinbus mit Pferdeanhänger. Mit diesem Fahrzeug aber hatte er von Anfang an Pech. „Es ging alles kaputt, was kaputt gehen konnte“, berichtet er.

Vorerst bleibt der Ire daher in Deutschland und hofft auf Lockerungen des Corona-Lockdowns, damit er wieder auftreten und Geld verdienen kann. Seine kleine Rente reiche so gerade zum Leben für ihn und seine Pferde. „Es ist teuer in Deutschland“, sagt er.

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Das Wichtigste ist für Hepburn, dass es seinen Pferden gut geht. „Sie sind die Nummer eins. Ich bin die Nummer zwei. Es gibt nichts, was ich nicht für sie tun würde“, betont er. Die Arbeit mit Pferden liegt ihm im Blut. Er habe schon recht jung damit begonnen. Anfangs unter anderem, in dem er Tiere transportierte, die andere Leute gekauft hatten. In Irland erfolgte das damals oft nicht mit einem Fahrzeug, sondern indem er mit den Pferden zu den Besitzern ritt oder sie hinführte.

Kaum reitbarer Schimmel

Auf die Idee, den Tieren Kunststücke beizubringen, brachte ihn die Begegnung mit dem Pferd Silver. Der Schimmel war kaum zu reiten. „Die Leute sagten, er sei verrückt“, berichtet Hepburn. Selbst er habe nach einigen Versuchen gedacht, er sei nicht in der Lage, mit diesem Pferd zu arbeiten – bis zu einem ganz bestimmten Moment. Er ritt Silver. Dabei fiel ihm erst sein Hut vom Kopf, später warf das Pferd ihn ab. „Ich dachte, das hat keinen Sinn“, berichtet der Cowboy. Doch als er sich von dem Tier abwenden wollte, hob Silver seinen Hut mit dem Maul auf und sah ihn an. „Also sagte ich zu ihm: Ok, wenn du kein Reitpferd sein willst, dann wirst du eben ein Trickpferd“, erzählt Hepburn. „Silver und ich hatten ab da ein besonderes Band und wurden Partner.“ Die beiden traten sogar als Teil einer großen Pferdeshow in Dubai auf und tourten unter anderem durch England. Jede Woche waren sie in einer anderen Stadt und feierten Erfolge. Dann starb Silver mit nur acht Jahren an einer Kolik.

Hepburn machte weiter. Zwischenzeitlich stand mit seinem Jungpferd, dem Appaloosa Jojo, bereits ein neuer Partner in den Startlöchern. Als Freunde herausfanden, dass Silver gestorben war, luden sie ihn außerdem nach Spanien ein, um ihm ein weiteres Pferd zu suchen. So wurde aus dem Duo mit dem Andalusier Rubio ein Trio. „Rubio ist der Gentleman, Jojo der Clown“, beschreibt Hepburn seine tierischen Kollegen.

Training für Filmpferde

Die drei hatten eine Weile sogar ihre eigene Show und kamen viel rum. Daneben trainierte Hepburn aber zum Beispiel auch Filmpferde. Dann kam das Angebot aus Pullman City. Dort habe er gleich zu Beginn klargestellt, „wenn meine Pferde glücklich sind, bin ich es auch. Wenn nicht, verlass’ ich euch“.

Die Arbeit mit den Tieren basiert für Hepburn auf einer Partnerschaft. Sie seien gern mit ihm zusammen, weil er ihnen gebe, was sie benötigen. „Pferde sind sehr intelligent. Sie brauchen auch Beschäftigung fürs Gehirn, nicht nur einen Stall, Heu und Bewegung“, sagt der Ire. Ihm selbst liegt außerdem viel daran, andere Menschen mit seinen Darbietungen glücklich zu machen – besonders in den aktuell schwierigen Zeiten. Deshalb hofft er, bald wieder auftreten zu können und auch in Deutschland bekannter und mehr gebucht zu werden.

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