Geschichte

König Ludwigs goldene Taschenuhr blieb um 18.53 Uhr stehen

Taschenuhr (2)

Bei einem Besuch im Festspielhaus zeigte Albert Meilhaus die Uhr, die König Ludwig II. an seinem Todestag bei sich getragen hatte. Das Bild rechts zeigt den Blick von der Votivkapelle in Berg zur Totenleuchte, auch Sühnekreuz genannt, und zum Starnberger See mit dem Gedenkkreuz.

Bild: Philomena Willer

Bei einem Besuch im Festspielhaus zeigte Albert Meilhaus die Uhr, die König Ludwig II. an seinem Todestag bei sich getragen hatte. Das Bild rechts zeigt den Blick von der Votivkapelle in Berg zur Totenleuchte, auch Sühnekreuz genannt, und zum Starnberger See mit dem Gedenkkreuz.

Bild: Philomena Willer

Am 13. Juni 1886 fand der Monarch im Starnberger See den Tod. Das Erinnerungstreffen seiner Freunde in Schwangau und Füssen fällt heuer aus.

Von Philomena Willer
13.06.2020 | Stand: 17:45 Uhr

Erst 2021 wird das nächste Treffen stattfinden, zu dem die Freunde König Ludwigs seit bald 20 Jahren um diese Zeit nach Schwangau und Füssen kommen, um mit ihrem kulturellen Programm das Umfeld jener Zeit zu beleuchten. Coronabedingt wurde die Zusammenkunft heuer abgesagt (wir berichteten). Und damit entfällt der sonst übliche Abschluss des Treffens mit dem Besuch der Gedenkstätte in Berg am Starnberger See am 13. Juni, an dem König Ludwig II. im Jahr 1886 den Tod fand. In diesem Jahr dies den getreuesten Ludwig-Anhängern nur als privater Besuch möglich sein.

In einer Winternacht errichtet

Von der Votivkapelle in Berg, eingeweiht im Jahr 1900, geht der Blick hinunter zum Denkmal des ersten Gedächtnisses: der Totenleuchte, die seine Mutter Königin Marie bereits im Jahr nach seinem Tod 1887 aufstellen ließ. Eine andere Geschichte hat das schlichte Holzkreuz im See. Die Männer, „deine Getreuen“, die es in einer Winternacht 1918/19 aufstellten, zeigten sich damit als Gegner der Umwälzungen der Zeit, markierten mit dem Symbol ihre Haltung zum Ende der Monarchie. Für ihre Treue zu Ludwig und insgesamt zu den Wittelsbachern bürgte dieser Schritt zur Zeit der Revolutionsregierung und der Flucht des letzten Königs.

>> Lesen Sie hier: König Ludwig II.: So liefen seine letzten Tage auf Schloss Neuschwanstein (AZ Plus) <<

Ein wertvolles Zeugnis, das die Rekonstruktion der Todesnacht ermöglicht, ist die goldene Taschenuhr, die Ludwig in der Weste trug, als er starb. Kurz vor 19 Uhr, um 18.53 Uhr, war sie stehen geblieben. Als Albert Meilhaus, der Urgroßneffe von Ludwigs geliebter Kinderfrau Sibylla Meilhaus und ein großer Musicalfan, im Jahr 2005 kurz nach der Premiere von Ludwig2 nach Füssen kam, konnte er der Meilhaus-Darstellerin Suzan Zeichner vieles aus dem Leben von „Billa“ berichten. Auch hatte er diese Uhr mitgebracht, die dank ihm im Land geblieben war: Er hatte das filigran verzierte Schmuckstück 1991 ersteigert, dabei ging es ihm vor allem um die besondere Verbindung der Familie zum Königshaus. Ein Leben lang blieb Ludwig der „lieben Meilhaus“ verbunden. Bei ihr, im Dachgeschoss von Hohenschwangau, lernte der kleine Erbprinz lesen und schreiben. Es ist ein Zeichen von Ludwigs Güte und Wertschätzung, dass er nach ihrem Tod 1881 ihr Grabmal auf dem Augsburger Hermanfriedhof stiftete.

Ein Ehrenplatz im Museum

Die so wertvolle Taschenuhr hat nun einen Ehrenplatz im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg. Die Familie Meilhaus stellte sie dem Museum als Leihgabe zur Verfügung. Und sie wurde wieder auf die Zeit gestellt, in der sie damals stehen blieb, um 18.53 Uhr.