Weltladen-Projekt

Kaffee mit Verantwortung: Wie auch der Weltladen Füssen in Nicaragua hilft

FU Weltladen

Mit selbst genähten Upcycling-Taschen aus Kaffeeverpackungen sammelte der Weltladen Spenden für das Projekt. Vorstandsmitglied und Kassenführerin Andrea Bär (links) übergab Jens Klein zur Freude von Dr. Ina Schicker das Geld.

Bild: Gast

Mit selbst genähten Upcycling-Taschen aus Kaffeeverpackungen sammelte der Weltladen Spenden für das Projekt. Vorstandsmitglied und Kassenführerin Andrea Bär (links) übergab Jens Klein zur Freude von Dr. Ina Schicker das Geld.

Bild: Gast

Solidarisches Landwirtschaftsprojekt rückt die Produzenten und den Kaffeeanbau in Nicaragua in den Mittelpunkt. Wo der Kaffee im Füssener Land angeboten wird.
04.07.2021 | Stand: 12:56 Uhr

Eine Tasse Kaffee. Für viele Menschen gehört sie zu einem gelungenen Start in den Tag. Das Luxusgut Kaffee hat sich zu einem Lifestyle-Produkt verändert. Doch die bittere Wahrheit lässt sich aus Cappuccino & Co. nicht leicht herausschmecken: Für die Tagelöhner auf den Kaffeeplantagen der Anbauländer ist vieles beim Alten geblieben. Extreme Armut, Hunger und Hoffnungslosigkeit, Pestizide, Chemikalien und Kinder, die Kaffeekirschen pflücken und nicht in die Schule können. Die Weltläden aus der hiesigen Region steuern mit einem Projekt dagegen. Kürzlich wurde es am Brotmarkt in Füssen vorgestellt.

Weltladen geht neue Wege für fairen Kaffee

Damit gehen die Weltläden weiterreichende Wege und werden zu fairen Unternehmern und Teilhabern in Sachen Kaffeeanbau. Durch den Kauf von fair gehandelten Produkten haben Konsumenten die Möglichkeit, die Lebensbedingungen der Produzenten deutlich zu verbessern. Auch Bürgermeister Maximilian Eichstetter ließ sich bei einer Tasse dampfendem Kaffee und Kuchen über die Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) informieren. Eichstetter zeigte sich begeistert und will prüfen, wie viele Kaffeeanteile sich die Fairtrade-Stadt sichern kann.

Die Idee der SoLaWi bildet einen Gegenentwurf zur herkömmlichen Kaffeeproduktion. Über die Genossenschaft Café Chavalo ist es den Weltläden Iller-Lech gelungen, direkten Kontakt mit 15 Kaffeebauern aus Nicaragua im Naturreservat Miraflor aufzubauen. Die beteiligten Läden haben sich im Vorfeld sogenannte Ernteanteile gesichert. Als Abnehmer treten sie hier mit einer vierteljährlichen Vorfinanzierung in Vorleistung, somit können die Produzenten mit festen regelmäßigen Einnahmen – vergleichbar mit einem Gehalt – und der vollständigen Abnahme ihres Kaffees rechnen.

Der große Unterschied zum herkömmlichen Handel: Die Kaffeebauern legen im Vorfeld selbst fest, was sie an finanziellen Mitteln benötigen, um ihre familiäre Existenz zu sichern, ihre Kinder zu schützen und ihr Land nachhaltig zu bearbeiten. Die Bauern sind so nicht vom spekulativen Kaffeepreis im Welthandel abhängig.

Nachhaltiges Projektziel in der Landwirtschaft

Das Projekt unterstützt eine zukunftsfähige Landwirtschaft, sichert die Existenz kleiner Betriebe und leistet zugleich einen Beitrag für Klima, Artenvielfalt und Naturschutz. Die beteiligten Projektpartner erhalten im Gegenzug die gesamte Ernte, das kann mal etwas mehr oder auch weniger sein.

Lesen Sie auch
##alternative##
Haushalt der Stadt Füssen

Warum die Schulden der Stadt Füssen durch die Decke schießen

„Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern können auf respektvolle, risikoarme und vor allem langjährige Handelsbeziehungen bauen. Wir werden als Anteilnehmer Teil der Produktion und tragen auch das Risiko von möglichen Schwierigkeiten gemeinsam mit ihnen“, erklärt Dr. Ina Schicker, Koordinatorin der Weltläden Iller-Lech. Denn partnerschaftlich wird erstmals auch das landwirtschaftliche Risiko von möglichen Ernteeinbußen oder -ausfällen gemeinsam getragen.

Die Anteilnehmer bekommen mit dem WIR.Kaffee Kaffeevielfalt in höchster Bio-Qualität. Dazu haben sie durch kleine Videobotschaften und per E-Mail direkten Einblick und Kontakt zu den Menschen, den Anbaugebieten und dem derzeitigen Stand auf den Hochlandplantagen. Die SoLaWi rückt somit die Familien und ihren Umgang mit der Natur in den Mittelpunkt. Mensch und Natur statt Preis und Ware.

Pfronten, Füssen und Bad Grönenbach macht mit

Bereits seit 1990 bauen die Kleinbauern auf einer durchschnittlichen Höhe von 1250 Metern ihren Kaffee an. Darunter finden sich Arabica Bohnen wie Caturra, Tipici, Catuai und Pacamara. In der Tasse landet schließlich ein Gourmetkaffee mit mittlerer Süße und einer nussig-schokoladigen Note. Die erste Ernte wird Mitte Juli in den Läden erwartet. In unserer Region kann der Kaffee in den Weltläden Bad Grönenbach, Füssen und Pfronten sowie im Kräuterweible Naturkostwaren in Pfronten und im Naturkost Möller in Füssen gekauft werden.

Feinschmeckern wird der Nicaragua Kaffee in 250 g Päckchen in den Sorten Espresso oder Kaffee (Bohne und gemahlen) angeboten. Alternativ besteht die Möglichkeit, ganze Ernteanteile (vier Kilogramm) zu erwerben und so SoLaWi-Teilnehmer zu werden. In dieser Form könne das Projekt für Gastronomie oder Firmen im Füssener Land interessant sein. Informationen dazu gibt es in den beteiligten Läden.

„Wir stehen jetzt erst am Anfang. Natürlich wollen wir noch weitere Kaffeebauern in die SoLaWi bringen, das kommt darauf an, wie viele Ernteanteile wir mit der Zeit vermitteln können“, meint Jens Klein, engagierter Mitinitiator des WIR.Kaffee.