Kurioses Diebesgut

Kerzen, Engel oder Blumen: Diebstahl an Gräbern in Füssen

Immer wieder kommt es am Füssener Waldfriedhof vor, dass Kerzen oder Grabschmuck verschwinden. Nur selten werden solche Delikte aber aufgeklärt, sagt die Polizei.

Immer wieder kommt es am Füssener Waldfriedhof vor, dass Kerzen oder Grabschmuck verschwinden. Nur selten werden solche Delikte aber aufgeklärt, sagt die Polizei.

Bild: Benedikt Siegert (Symbolfoto)

Immer wieder kommt es am Füssener Waldfriedhof vor, dass Kerzen oder Grabschmuck verschwinden. Nur selten werden solche Delikte aber aufgeklärt, sagt die Polizei.

Bild: Benedikt Siegert (Symbolfoto)

Mehrmals sind Kerzen von Gräbern in Füssen und Umgebung verschwunden. Nur wenige Betroffene gehen zur Polizei. Ermittlungen sind ohnehin meist erfolglos.
13.01.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Mindestens acht oder zehn Mal sei es schon passiert. Und jedes Mal nahm der Dieb die schöne Kerze mit aufgedrucktem Bild. Am Familiengrab von Wolfgang Dzierzon, der früher in Füssen einen Friseursalon betrieb, wurde bereits mehrmals eine Grabkerze entwendet. Der oder die Täter blieben bislang unentdeckt. Die Kerzen seien in einem Zeitraum von etwa drei Monaten verschwunden.

Wolfgang Dzierzon ist damit nicht allein. Erst vor kurzem wurden einer 81-jährigen Frau am Waldfriedhof Füssen wiederholt ein LED-Grablicht entwendet. Die Witwe brachte den Vorfall zur Anzeige.

Füssen: Diebstahl zur Anzeige bringen?

„Eine Anzeige kommt für mich erst einmal nicht in Frage“, sagt hingegen Dzierzon. Ähnlich sehen das wohl viele andere Betroffene. Die Polizei Schwaben Süd/West geht von einer relativ hohen Dunkelziffer aus. „Der Gegenwert einer Grabkerze ist eben zu vernachlässigen“, sagt Pressesprecher Holger Stabik. Kommt es dennoch zu einer Anzeige, dann seien die Ermittlungen häufig mangels Zeugen oder fehlender Überwachungskameras erschwert.

Für eine geringe Zahl angezeigter Diebstähle sprechen auch die Zahlen der Polizei Füssen. Seit 2011 wurden neun Fälle bekannt, bei denen Grablichter mit oder ohne Laterne, Grabschmuck und in zwei Fällen Kunstgegenstände (Schnitzereien) auf Friedhöfen entwendet wurden. Für die Jahre 2019 und 2020 waren bis vor kurzem noch keine Fälle angezeigt worden.

Dzierzon hat sich etwas anderes überlegt, um seine Grabkerzen vor langen Fingern zu schützen. Er schreckt mit einem Schreiben ab. Geschützt durch eine Glassichthülle steht da nun am Grab: „Jetzt reichts! Unsere Kerzen muss man nicht stehlen, die kann man auch kaufen. Zum Beispiel bei Edeka!“ Bislang hat es was gebracht, ist sich der Lengenwanger sicher.

Kuriose Geschichten von den Gräbern

Neben den Kerzendiebstählen kann Dzierzon auch von anderen entwendeten Gegenständen berichten. Einmal, in den 80er Jahren, wurde vom Grabe seines Sohnes ein Engel gestohlen. Es handelte sich um eine Figur, so groß wie ein Unterarm. Und ein anderes Mal, trieb ein Hund sein Unwesen am Grab der Dzierzons. Er erledigte sein Geschäft in der leeren Hülle einer herunter gebrannten Grabkerze. Diese Tat nimmt Dzierzon allerdings mit Humor. „Immerhin war der Hund umweltfreundlich“, sagt er mit einem Schmunzeln.

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