Kiesabbau im Forggensee

Kiesabbau: Grünes Licht für zweite Ausfahrt aus dem Forggensee

Der Kiesabbau im Forggensee ist ein altes Streitthema im Ostallgäu. Jetzt gibt es neue Entwicklungen bei dem Thema.

Der Kiesabbau im Forggensee ist ein altes Streitthema im Ostallgäu. Jetzt gibt es neue Entwicklungen bei dem Thema.

Bild: Archiv/Benedikt Siegert

Der Kiesabbau im Forggensee ist ein altes Streitthema im Ostallgäu. Jetzt gibt es neue Entwicklungen bei dem Thema.

Bild: Archiv/Benedikt Siegert

Das Landratsamt erteilt mehreren Baufirmen die Erlaubnis, den Forggensee über das Gelände der Segler zu befahren. Was Stadt und Naturschützer dazu sagen.
30.09.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Die zweite Zufahrt und somit der Kiesabbau für die Arbeitsgemeinschaft (Arge) II um die Marktoberdorfer Firma Hubert Schmid sind gesichert. Das Landratsamt Ostallgäu hat kürzlich die Genehmigung dafür erteilt, dass die Lastwagen über das Gelände des Segelclubs Füssen-Forggensee und der Wassersportgruppe Kaufbeuren in den Forggensee fahren dürfen.

Allen dürfte das allerdings nicht gefallen. Denn die Stadt Füssen, die anderen Anrainergemeinden des Forggensees und der Bund Naturschutz zum Beispiel hatten sich im Vorfeld unter anderem aus verkehrstechnischen, touristischen und naturschutzrelevanten Gründen gegen die zweite Zufahrt ausgesprochen. Sie waren teils auch dagegen, dass die Arge II bestehend aus den Firmen Hubert Schmid, Xaver Schmid, Brutscher und Mazzolini überhaupt Kies aus dem See holt.

Die Stadt Füssen stellte deshalb einen Kriterienkatalog auf, um den Kiesabbau so umweltverträglich wie möglich zu halten und den Lkw-Verkehr zu beschränken. Nach Auswertung dieser Kriterien erhielt die Arge I mit den Firmen Josef Scheibel, Wilhelm Geiger, Goldhofer und Heinz Heer den Zuschlag und der Arge II wurde die bisherige Zufahrt zum See über ein städtisches Grundstück in Ehrwang verweigert. Das Landratsamt Ostallgäu aber sagte bereits im Vorfeld dieses Verbots: Es gebe keine Rechtsgrundlage, Unternehmen aus dem südlichen Ostallgäu (sprich die Arge I) zu bevorzugen. Beide Argen erhielten daher die Genehmigung zum Abbau.

Kritiker: Regionalplan Allgäu sieht das anders

Laut Kritikern sieht das der Regionalplan Allgäu aber anders. Dort heißt es, der Abbau von Bodenschätzen solle geordnet und schwerpunktmäßig auf ausgewiesene Vorrang- und Vorbehaltsgebiete konzentriert werden. Diese sind einzelnen Städten und Gemeinden zugeordnet. Neun dieser Vorranggebiete für Kies liegen im nördlichen und mittleren Ostallgäu. Allein rund um Marktoberdorf gibt es fünf ganzjährig nutzbare Kiesabbaumöglichkeiten. Für den Süden hingegen ist nur ein Bereich für Kiesabbau ausgewiesen – der Forggensee und aus diesem kann der Rohstoff nur wenige Wochen im Jahr abtransportiert werden. Das Gewässer soll laut Regionalplan dazu beitragen, den Kiesbedarf im südlichen Ostallgäu zu decken und damit andere, empfindliche Landschaftsteile von Kiesgruben freizuhalten.

Gegen die Genehmigung der zweiten Zufahrt will der Bund Naturschutz auf jeden Fall vorgehen. „Wir sind dabei zu prüfen, wie wir das am besten machen“, sagt Hans Hack, der Vorsitzende der Ortsgruppe Halblech. Grund: Beim ersten Antrag sei nicht die Rede davon gewesen, dass die Ausfahrt über das Seglergelände ein Landschaftsschutzgebiet betrifft, im Planfeststellungsbeschluss hingegen schon. „Das ist eine erhebliche Änderung gegenüber dem ersten Antrag und dagegen werden wir Einspruch einlegen“, sagt Hack. Denn auch wenn der Weg nach neun Jahren – das Landratsamt erteilte die Überfahrtsgenehmigung bis 2029 – zurückgebaut werden muss, belaste er in dieser Zeit doch die Natur.

Die Stadt Füssen will gegen die Entscheidung des Landratsamtes nichts mehr unternehmen und wird diese laut Hauptamtsleiter Peter Hartl akzeptieren.

Die Kreisbehörde sieht die Wünsche der Kommunen laut Behördensprecher Thomas Brandl ausreichend berücksichtigt. Die Einwendungen seien im Verfahren behandelt und im Planfeststellungsbeschluss rechtlich gewürdigt worden. Sämtliche relevanten Träger öffentlicher Belange seien beteiligt worden und sie stimmten der zweiten Zufahrt zu – teilweise unter den gleichen Auflagen, die auch die Arge I erfüllen muss.

Dazu gehören neben vielen anderen zum Beispiel, dass eine Verschmutzung der Straße durch eine Reifenwaschanlage im See und regelmäßige Reinigung der Fahrbahn so gering wie möglich gehalten werden muss. Fischfallen, sprich Löcher ohne Ausgang, müssen im Seegrund vermieden werden. Und die Maschinen, die im See eingesetzt werden, dürfen nur mit biologisch abbaubaren Betriebsstoffen laufen.

Mehr Verkehr auf B 16 befürchtet

Einer Befürchtung der Anrainergemeinden, dass es zu mehr Verkehr auf der B 16 kommt, wenn die Arge II Kies nach Marktoberdorf fährt, hält die Kreisbehörde in ihrem Beschluss dagegen, dass sich auf öffentlichen Straßen die Fahrzeug der Arge II wie alle anderen uneingeschränkt bewegen dürfen. Erhöht sich der Verkehr dort, ist dies ohne weitere Maßnahmen zum Schutz der Anlieger zulässig.

Die Segelclubs haben gegen die zweite Zufahrt übrigens keine Handhabe. Sie haben das Gelände nur gepachtet. Der Eigentümer schloss die Verträge mit der Firma Hubert Schmid.

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