Abschied

Kirchenmusiker Albert Frey verlässt Füssen

Frey

Ostersonntag in der Stadtpfarrkirche St. Mang: Albert Frey beim Gestalten des Festgottesdienstes.

Bild: Werner Hacker

Ostersonntag in der Stadtpfarrkirche St. Mang: Albert Frey beim Gestalten des Festgottesdienstes.

Bild: Werner Hacker

Der 52-Jährige wechselt nach 30 Jahren Dienst in Füssen zu den Wiltener Sängerknaben nach Innsbruck. Was die Gründe dafür sind.
09.04.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Albert Frey auf dem Absprung: An Ostern wurde einmal mehr deutlich, wie sehr der Kirchenmusiker, der als Stimmbildner zu den Wiltener Sängerknaben nach Innsbruck wechselt, in Zukunft der Pfarreiengemeinschaft Füssen fehlen wird. Von der Empore in der Stadtpfarrkirche St. Mang aus hat Frey – mit den Sängerinnen Margit Hornstein und Sabrina Tiedtke – für die Abstand haltenden Besucher den Festgottesdienst gestaltet. Er spielte Orgel und bewies sein großes Können als Countertenor im Rahmen einer „kurzen Messe“ von Leo Délbes.

„Wie eine Bombe“ ...

Die Reaktion auf seine Kündigung nach 30 Jahren Dienst in Füssen fiel sprachlich martialisch aus: „Wie eine Bombe“, heißt es im Pfarrbrief, schlage die Nachricht ein, dass Frey seine musikalische Laufbahn in Österreich fortsetzen wird.

Wie Frey im Gespräch mit unserer Zeitung unterstrich, wohnt er mit seiner Familie – Ehefrau ist die Musikerin Johanna Hengg – schon länger in Reutte. „Wir erwarten unser drittes Kind“, freut sich Frey. Folglich spielen beim Abschied aus Füssen familiäre Gründe eine Rolle. Frey freut sich, die Sängerknaben auf ein hohes Niveau zu bringen. Die Konzerte, die er in den drei Jahrzehnten in Füssen und der Region gegeben oder professionell organisiert hatte, waren zahlreich – und immer von herausragender künstlerischer Qualität.

Ein Nachfolger wird gesucht

Freys Talent habe über Füssen hinaus gewirkt, bestätigt die Notiz im aktuellen Pfarrbrief. Es heißt hier: „Viele durften durch ihn im Hören und Mitsingen spüren, wie Musik den Menschen zu Gott führen kann. Schweren Herzens lassen wir den begnadeten Musiker ziehen.“ Füssen wünsche ihm „alles Gute und Gottes reichen Segen“. Freys Stelle ist ausgeschrieben. Das Pfarramt hofft, bald die Nachfolge regeln zu können, „damit die Chorarbeit und auch die vielfältige Kirchenmusik nicht verwaisen“. Eine Verabschiedung von Frey sei geplant. Der Termin stehe Corona-bedingt noch nicht fest.

Frey selbst gesteht im Gespräch, er fühle „ganz viel Schmerz“, wenn er jetzt aus seinem „musikalischen Wohnzimmer“ ausziehe. „Ich habe wunderschöne Erinnerungen an meine Zeit in Füssen.“ Diese könnte laut Vertrag für den 52-Jährigen, der aus Mindelheim stammt, noch bis Ende September andauern. Frey erhielt seine Ausbildung am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg. Er studierte im Konzertfach Waldhorn mit Examen und anschließend Kirchenmusik. 1991 kam er als Organist und Chorregent an die Stadtpfarrkirche St. Mang in Füssen. Dort war er für die gesamte Kirchenmusik in Liturgie und Konzert verantwortlich. Der Kirchenchor, das Kirchenorchester sowie der von ihm gegründete „ Motettenchor Füssen“, in dem sich die Stimmen für den Kirchenchor qualifizierten, standen unter seiner Leitung. Als Organist widmet er sich besonders den süddeutschen Orgelkomponisten. Er saß gern an der großen Orgel von St. Mang, ebenso an den historischen Orgeln in Füssen aus dem 18. Jahrhundert von Andreas Jäger. Höhepunkte seines Schaffens könnten viele aufgezählt werden.

Konzerte mit „Alter Musik“

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Frey selbst hebt aus dem absolvierten Riesenprogramm die Konzerte mit „Alter Musik“ heraus. Er erinnert an den begeistert aufgenommenen „Orgelsommer“ und die international ausgetragenen Orgelwettbewerbe in den Jahren 2000 und 2002. 2003 erhielt er den Hauptpreis der Münchner Kulturstiftung Bücher-Dieckmeyer als Anerkennung für seine Verdienste um die Kirchenmusik in Bayern.

Im Schuljahr 1992/93 begann seine Arbeit als angestellter Lehrer für Orgel und Waldhorn an der Landesmusikschule in Reutte. Seit 2015 ist der als Energiebündel bekannte Frey Stimmbildner bei den Wiltener Sängerknaben, deren Entwicklung er künftig noch intensiver fördern kann als zuletzt.