Recht

Kritik an Ponyranch: „Das würde tausende Kinderherzen brechen“

Ponyranch von Sandra Ringmann in Weißensee

Sandra Ringmann (Mitte) auf ihrer Ponyranch in Weißensee. Im Moment sind dort viele Anlagen provisorisch, wie etwa die weißen Zelte für Pferde im Hintergrund. Ein Bebauungsplan soll jetzt solide rechtliche Grundlagen für ihren Betrieb schaffen – und auch den ein oder anderen Schwarzbau legalisieren.

Bild: Benedikt Siegert

Sandra Ringmann (Mitte) auf ihrer Ponyranch in Weißensee. Im Moment sind dort viele Anlagen provisorisch, wie etwa die weißen Zelte für Pferde im Hintergrund. Ein Bebauungsplan soll jetzt solide rechtliche Grundlagen für ihren Betrieb schaffen – und auch den ein oder anderen Schwarzbau legalisieren.

Bild: Benedikt Siegert

Wie Betreiberin Sandra Ringmann auf Schwarzbau-Vorwürfe gegen ihren Pferdebetrieb reagiert. Naturschützer hatten schärfere Vorgaben von der Stadt verlangt.
31.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Nach Querelen um Schwarzbauten auf einer Ponyranch in Weißensee meldet sich jetzt erstmals deren Betreiberin Sandra Ringmann öffentlich zu Wort. Anlass dafür ist die zum Teil harsche Kritik, die Umweltschützer vor kurzem an ihrem Vorgehen geäußert hatten. Hintergrund für die Reaktionen waren nicht genehmigte Eingriffe in sensible Biotope.

Schwarzbauten auf Ponyranch in Weißensee: "Niemand von uns will Natur zerstören

Im Interview mit unserer Zeitung betont die 42-Jährige aber nun: „Niemand von uns will hier Natur zerstören.“ Sie hätte sich gewünscht, dass der ein oder andere Aktivist persönlich das Gespräch mit ihr gesucht hätte. „Denn wir wollen einen Mittelweg finden – einerseits den vielen Kindern einen schönen Platz bieten und andererseits diesen schönen Flecken Erde erhalten – so gut es eben geht.“ Verwehren Behörden ihr jetzt die Legalisierung, wäre es das Aus für ihr Projekt. „Und es würde tausende Kinderherzen brechen“, sagt Ringmann. Dass es in den sieben Jahren, seit sie die Ranch betreibt, zu Versäumnissen kam, will sie gar nicht abstreiten. „Rückblickend hätte ich mir viel Ärger erspart, wenn ich gleich Genehmigungen beantragt hätte“, sagt sie heute.

Betriebliche Notwendigkeiten hätten zu illegal errichteten Bauten auf Pferderanch in Füssen geführt

Weshalb es trotzdem anders kam? Die Reittherapeutin erklärt das so: Als sie vor Jahren das Areal übernahm, sei die heutige Ranch noch gar nicht geplant gewesen. „Ich hatte eigentlich nur nach einem Unterstand für meine privaten Pferde gesucht“, erzählt Ringmann. Doch eines habe das andere ergeben. Und so erstreckt sich die Ranch heute über fünf Hektar, umfasst zwei Reitplätze, einen Aufenthaltsbau sowie behelfsmäßige Stallungen. Ringmann und ihr zehnköpfiges Team bieten inzwischen rund 700 Therapiestunden für Kinder pro Jahr an – darunter sind auch Buben und Mädchen mit körperlichen und mentalen Beeinträchtigungen. „Wir sind mit unserer Arbeit als Partner von Stiftungen und der Regierung von Schwaben anerkannt“, sagt Ringmann. Momentan hält sie 18 Pferde, 15 Ponys und drei Warmblüter im Weißenseer Ortsteil Brand. Aus einer betrieblichen Notwendigkeit heraus habe sie irgendwann expandieren müssen. Und dabei baurechtliche Vorgaben missachtet. Etwa bei einem Pferdeunterstand oder der Aufschüttung eines Reitplatzes mit Kies. „Ich bin mir vorgekommen wie in einem Hamsterrad“, sagt Ringmann. Denn ihr Betrieb sei sehr schnell gewachsen, auch die Nachfrage nach normalen Reitstunden habe stark zugenommen. Ringmann bietet mit ihrem pädagogischen Fachpersonal nämlich auch Ganztagesbetreuung für Kinder an. „Das wird besonders bei Feriengästen immer beliebter“, erzählt sie. Die steigende Nachfrage führte jedoch auch zu Begleiterscheinungen, darunter mehr Raumbedarf oder Parkplatzprobleme. Einher gingen dann rechtliche Schwierigkeiten.

Betreiberin Sandra Ringmann will offen auf die Kritiker ihrer Pferderanch zugehen

Damit alles juristisch auf solide Füße kommt, sollte schließlich ein Bebauungsplan her. Die Stadt Füssen signalisierte bereits 2019 die Bereitschaft zur Legalisierung. Das Verfahren ist inzwischen angestoßen, wird aber voraussichtlich erst 2022 abgeschlossen sein. Im Moment hakt es noch an ökologischen Ausgleichsflächen, die Ringmann nachweisen muss. „Aber hier deutet sich eine Lösung an, die wir der Stadt vorschlagen werden“, sagt sie. Bei der Aufkiesung des Reitplatzes in diesem Frühjahr habe sie jedoch den Abschluss des Verfahrens nicht mehr abwarten könnten. „Die Tiere sind dort tief in den Humus eingesunken (...), die Zustände waren so nicht mehr haltbar (...), ich habe ja auch eine Pflicht zur Unfallverhütung“, sagt Ringmann.

Auf ihre Kritiker will sie in den kommenden Wochen offen zugehen. Diese hatten unter anderem größere Abstandsflächen zu den Biotopen gefordert. „Dass das nicht geht, würde ich ihnen gerne vor Ort zeigen“, sagt Ringmann. Ihr sei aber natürlich bewusst, dass es sich um ein „schwieriges Gebiet“ handle.

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