Naturschutz

Amphibienwanderung mit Hindernissen: In Seeg fehlen Helfer

Im April machen sich tägliche Hunderte Erdkröten (links ein Weibchen, rechts ein Männchen) sowie Grasfrösche und Bergmolche auf den Weg zum Schwaltenweiher und dem Seeger See.

Im April machen sich tägliche Hunderte Erdkröten (links ein Weibchen, rechts ein Männchen) sowie Grasfrösche und Bergmolche auf den Weg zum Schwaltenweiher und dem Seeger See.

Bild: Josef Beller

Im April machen sich tägliche Hunderte Erdkröten (links ein Weibchen, rechts ein Männchen) sowie Grasfrösche und Bergmolche auf den Weg zum Schwaltenweiher und dem Seeger See.

Bild: Josef Beller

Derzeit sind Amphibien auf den Weg zum Laichen. In Seeg investieren zwei Freiwillige viel Zeit, damit die Tiere sicher ankommen. Sie selbst bekommen kaum Hilfe.
11.04.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Zurzeit fährt Josef Beller drei bis viermal pro Woche morgens um 7 Uhr mit seinem E-Auto an den Seeger See und den Schwaltenweiher. Dort stehen entlang der Straße 400 beziehungsweise 500 Meter lange Zäune, an denen sich im März und April täglich dutzende Frösche und Kröten sammeln, die auf dem Weg zum Laichen sind.

Der 72-Jährige sorgt im Wechsel mit seinem Mitstreiter Peter Däxle dafür, dass die Amphibien sicher über die Straße kommen und nicht von Autos überfahren werden. In Eimern tragen sie die Tiere über die Straße und setzen sie auf der anderen Seite wieder aus. In der Spitze bringen sie bis zu 1000 Tiere am Tag in Sicherheit. Eine zeitintensive Aufgabe für die beiden Naturschützer. Im Normalfall sind sie zwischen einer Stunde und 90 Minuten beschäftigt, „es kann aber auch deutlich länger dauern“, sagt Beller.

Seit Jahren nur zu zweit

Das große Problem ist allerdings ein anderes. Beller und Däxle sind seit etlichen Jahren nur zu zweit, Hilfe ist nicht in Sicht. „Das macht es schwer“, sagt Beller, der sich inzwischen seit über 25 Jahren um die Amphibien in der Gemeinde kümmert. Aber der Bund-Naturschutz-Vorsitzende der Ortsgruppe Seeg versteht auch, dass der ehrenamtliche und zeitintensive Job nichts für Jedermann ist. Für Berufstätige sei das eine „blöde Zeit“. Als er selbst noch als Lehrer am Gymnasium in Füssen gearbeitet hat, sei er schon um 6 Uhr los, um die Tiere mit Kübeln über die Straße zu tragen.

„Ab und zu hat sich mal ein Freiwilliger gemeldet, der einen Tag in der Woche helfen wollte. Das war aber die Ausnahme“, sagt Beller. Es sei wie in den meisten Vereinen, die auf Ehrenamtliche angewiesen sind: „Es gibt viele Mitglieder, aber nur wenige, die tatsächlich mit anpacken.“ (Lesen Sie auch: Bund Naturschutz in Kaufbeuren sucht Helfer)

Trockener März und kalte Nächte verzögern Amphibienwanderung

Dieses Jahr hielt sich die Anzahl der Tiere, die sich morgens an den Zäunen tummeln, lange in Grenzen. Im März waren vor allem Frösche auf Wanderung, der Großteil der Kröten komme erst später, erklärt Beller. Zudem habe der äußerst trockene März den Vorgang verzögert. Wochenlang hatte es nicht ergiebig geregnet, die Amphibien sind aufgrund ihrer schnell austrocknenden Haut aber auf Feuchtigkeit angewiesen. Dazu kommt, dass es in den Nächten oft noch zu kalt für die Tiere war. Die Amphibien machen sich erst ab Temperaturen um fünf Grad auf den Weg zum Laichen. Vorherzusagen, wann es „richtig losgeht“, sei aber kaum möglich, so Beller.

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Durch den ergiebigen Regen und die wärmeren Temperaturen in den vergangenen Tagen sammeln die Naturschützer morgens mittlerweile deutlich mehr Tiere ein. In der vergangenen Woche waren es über 1500 Amphibien, insgesamt haben sie dieses Jahr bereits rund 6000 über die Straße gebracht. (Lesen Sie auch: Wie viele Wanderer verträgt die Natur im Allgäu?)

Die Amphibienwanderung in Seeg in den vergangenen Jahren

  • Im Schwaltenweiher laichen vor allem Grasfrösche. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Weg dorthin zwischen dem 27. Februar und dem 25. April 3353 Stück gezählt. Dazu kamen 724 Erdkröten und 161 Bergmolche.
  • Am Seeger See hatten in den vergangenen Jahren meist die Erdkröten die Nase vorn (rund 1600 in 2021). Grasfrösche gab es dort rund 950 in 2021. Die Zahl der Bergmolche lag unter 100.
  • Große Schwankungen gibt es an beiden Seen bei den Anzahlen aller drei Arten pro Jahr. Einen Grund dafür hat Josef Beller bisher nicht ausgemacht. „Es ist ein ständiges Auf und Ab“, sagt der Naturschützer. Bayernweit ist laut Bund Naturschutz indes ein Rückgang der Amphibienwanderung zu verzeichnen.

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