Kurcafé Holzmann in Seeg schließt

Nach über 45 Jahren ist Schluss - Manche Gäste kamen von Anfang bis Ende ins Café Holzmann nach Seeg

Café Holzmann

Rita und Georg Holzmann haben nach 45 Jahren die Türen ihres beliebten Kurcafés Holzmann in Seeg dauerhaft geschlossen.

Bild: Alexandra Decker

Rita und Georg Holzmann haben nach 45 Jahren die Türen ihres beliebten Kurcafés Holzmann in Seeg dauerhaft geschlossen.

Bild: Alexandra Decker

Das Kurcafé Holzmann in Seeg gibt es nach über 45 Jahren nicht mehr. Die Betreiber blicken wehmütig zurück. Corona beschleunigte die Gründe für die Schließung.
16.01.2022 | Stand: 10:40 Uhr

Das Kurcafé Holzmann in Seeg gibt es nicht mehr. Im November 2021 schloss es wegen des Corona-Lockdowns und öffnete auch nicht wieder. Das ist dem Betreiber-Ehepaar Rita und Georg Holzmann nicht leicht gefallen. Immerhin haben sie das Café über 45 Jahre mit großer Leidenschaft betrieben und zu einem beliebten Treffpunkt in der Gemeinde gemacht. „Es geht schon was ab jetzt“, sagt Georg Holzmann. Auch Gäste hätten gefragt, wo sie denn jetzt hin sollen.

Nach über 45 Jahren ist Schluss: Kurcafé Holzmann in Seeg schließt

Am 3. Juli 1976 eröffnete er das Café, erinnert sich der 76-Jährige. Der Bäckermeister hatte es an die Bäckerei angebaut, die er drei Jahre vorher von seinem Vater übernommen hatte. „Ich habe immer gerne bedient“, sagt er. Über sieben Jahre habe er in der Räuberhöhle in Nesselwang ausgeholfen. Die Arbeit in der Gastronomie machte ihm Spaß. Er suchte den Kontakt zu den Leuten, wollte nicht nur in der Backstube stehen.

Umso schwerer fiel es ihm und seiner Frau, das Café jetzt zu schließen. Aber das Alter und gesundheitliche Probleme ließen die Arbeit immer schwerer werden. Die Bäckerei, die sein Vater 1950 eröffnete, hat Holzmann nach einem Herzinfarkt bereits 2003 zugemacht. „Für mich alleine war es auch nicht machbar. Ich bin ja auch schon 65“, sagt Rita Holzmann. Die beiden Kinder hatten kein Interesse, das Café zu übernehmen. Beide haben beruflich andere Pläne, erzählen ihre Eltern. (Lesen Sie auch: Holz-Fachmarkt Filleböck bei Oy-Mittelberg schließt nach 95 Jahren)

Corona beschleunigte die Gründe für die Schließung

Eigentlich hatten sie vor, erst Ende Dezember 2021 aufzuhören. Dann aber kam die Corona-Pandemie dazu und beschleunigte die Sache, indem es „für Gastronomen immer schwieriger wurde“, berichtet Rita Holzmann. „Wir durften die letzten zwei Jahre schon kaum noch Gruppen haben. Die bräuchten wir aber, um Geschäft zu machen.“ Auf Laufkundschaft könne man in einem Dorf wie Seeg nicht setzen und die Einheimischen hätten unter der Woche tagsüber auch selten Zeit. Als im November 2021 wieder ein Lockdown kam, ließen die Seeger ihren Betrieb danach gleich zu. Bis zum Jahresende wären es da ohnehin nur noch drei Wochen gewesen.

Geübt, wie es ohne Café ist, hätten sie schon im Lockdown des Vorjahres. Trotzdem sei es komisch ohne die gewohnte Routine. Dankbar ist das Ehepaar für die vielen Stammgäste, die regelmäßig und gerne kamen. „Es gibt welche, die waren von der Eröffnung bis zum Ende da“, sagt Georg Holzmann. Auch die Seeger Vermieter hätten ihre Gäste oft in sein Café geschickt. (Lesen Sie auch: Ende einer Ära: Knapp 60 Jahre stand Gerti Bayrhof hinter der Theke im Dorfladen von Geisenried)

Manche Gäste kamen von Anfang bis Ende ins Café Holzmann nach Seeg

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Vor allem bei älteren Menschen war der Gastronomie-Betrieb gefragt. Wenn dort zum Beispiel Hans Selb aus Sulzschneid musizierte, waren teilweise bis zu 50 Besucher da. Nicht selten tauchten gestohlene Bräute im Café Holzmann auf oder kleinere Hochzeiten wurden ganz dort gefeiert, ebenso Geburtstage. Die ersten Jahre gab es am Samstagabend immer Tanzveranstaltungen, erinnert sich Georg Holzmann. Später organisierte er Ausflüge und Minigolfturniere für die Stammtischgäste. „Das war immer schön“, sagt er.

Angestellte hatte er nicht. Die Holzmanns betrieben das Café alleine. Auch für den Kuchen sorgte der Bäckermeister bis zum Ende selbst. Besonders beliebt war der gedeckte Apfelkuchen, den schon sein Vater zubereitete. In Zukunft wird er den nur noch für die Familie backen. Ein Enkelkind haben die Beiden bereits. Das zweite ist unterwegs, um seine Großeltern bald auf Trab zu halten. Außerdem möchte das Seeger Ehepaar die neu gewonnene freie Zeit für Reisen und Ausflüge nutzen, solang es noch geht.

Die Räume des Cafés werden künftig wohl privat verwendet. Möglicherweise baut der Sohn der Holzmanns sie in eine Wohnung um. Das sei aber noch nicht abschließend entschieden.

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