Bakterien im Trinkwasser gefunden

Leitungswasser in Füssen, Hopfen am See, Weißensee und Holz muss noch einige Tage abgekocht werden

Abgekochtes Wasser

Leitungswasser abkochen: Diese Vorsichtsmaßnahme dauert in Füssen, Hopfen am See, Weißensee und einem Ortsteil von Eisenberg wahrscheinlich noch ein paar Tage an.

Bild: Matthias Becker

Leitungswasser abkochen: Diese Vorsichtsmaßnahme dauert in Füssen, Hopfen am See, Weißensee und einem Ortsteil von Eisenberg wahrscheinlich noch ein paar Tage an.

Bild: Matthias Becker

In einer Trinkwasser-Probe in Füssen wurden Bakterien gefunden. Was unternommen wird und wofür das Wasser auch in Hopfen oder Weißensee abgekocht werden soll.
03.07.2020 | Stand: 12:56 Uhr

--- Update, 3. Juli, 12.55 Uhr --- Bei der ersten von drei Proben hat das Labor keine Enterokokken im Leitungsnetz gefunden. Das gibt die Stadt Füssen bekannt. Eine Entwarnung ist dies allerdings nicht. Die Bürger der Stadt Füssen sowie des Ortsteils Holz der Gemeinde Eisenberg müssen weiterhin vorsorglich das Trinkwasser abkochen. ---

Am Mittwochabend in einem Füssener Lebensmittelmarkt: Kistenweise besorgen sich die Kunden Mineralwasser, die Bestände gehen schnell zur Neige – und nicht nur in diesem Markt. Denn eine Nachricht hat die Runde gemacht: In Füssen muss ab sofort das Leitungswasser vorsorglich abgekocht werden, denn bei einer Wasserprobe in einem Hausanschluss sind Enterokokken nachgewiesen worden.

Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das zu Durchfall und Erbrechen führen kann. Wann die Anordnung, die über 15. 000 Einwohner und tausende Urlaubsgäste trifft, wieder aufgehoben werden kann, ist noch offen: Bei der Stadtverwaltung hofft man, dass dies Mitte/Ende nächster Woche der Fall sein kann, sagt Pressesprecher Felix Blersch.

Bürgermeister von Füssen: Kein Grund zur Panik

Die Stadtwerke prüfen regelmäßig die Qualität des Trinkwassers: Vier chemische und 52 (statt der zehn vorgeschriebenen) bakteriologischen Untersuchungen gibt es pro Jahr. Dabei werden auch Hausinstallationen von öffentlichen Gebäuden untersucht, so auch am Montag. Am späten Mittwochnachmittag kam dann das Ergebnis des Labors: In dieser Probe wurden Enterokokken nachgewiesen.

Umgehend setzte sich Bürgermeister Maximilian Eichstetter mit dem Chef der Stadtwerke Füssen, Helmut Schauer, und dessen Mitarbeitern in Verbindung. Rein vorsichtshalber erließ das Gesundheitsamt die Abkochanordnung für das Trinkwasser, sagte Pressesprecher Blersch. Denn theoretisch bestehe die Gefahr, dass diese Bakterien vom Hausanschluss ins Trinkwassernetz fließen und sich dort verbreiten könnten. Es bestehe überhaupt kein Grund zur Panik, sagt auch der Bürgermeister. Gleichwohl sei diese Situation außergewöhnlich.

Untersuchungen laufen: Wie kamen die Bakterien ins Trinkwasser in Füssen?

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Aktuell laufen die Untersuchungen auf Hochtouren, wie es dazu kam, dass die Bakterien in der Hausleitung aufgetaucht sind, berichtet Eichstetter. „Die Gründe dafür können alles sein, es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten“, teilte der Rathaus-Chef mit. Einen Kanalbruch schließt er inzwischen so gut wie sicher aus, möglicherweise gibt es das Problem wirklich nur bei der Hausinstallation.

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Noch am frühen Mittwochabend fuhren Streifenwagen der Polizei durch das Stadtgebiet, um die Bürger mit Durchsagen auf die Anordnung aufmerksam zu machen. Während brachten Feuerwehrleute Anhänge dazu an den Wohnhäusern an und wurden Einrichtungen wie Kliniken, oder Seniorenzentren informiert. Zudem wurden die Medien verständigt und schlug die Stadt auf ihrer Homepage Alarm. Das alles habe man innerhalb von gut eineinhalb Stunden auf den Weg gebracht, man habe sämtliche Kanäle für die Information genutzt, sagt Eichstetter. Allen Helfern und Beteiligten dankte er für ihr Engagement.

Und die Information kam bei vielen Menschen schnell an. Das zeigt nicht nur die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Mineralwasser, sondern auch die Inanspruchnahme einer Hotline, die die Stadt für besorgte Bürger unter der Nummer (08362) 3002 900 eingerichtet hat. In zweieinhalb Stunden wurden dort etwa 150 Anrufe verzeichnet, berichtet Eichstetter.

Auch zum Waschen von Obst und Gemüse oder zum Zähneputzen abkochen

Das Wasser abkochen muss man in Füssen, Hopfen am See und Weißensee sowie im Eisenberger Ortsteil Holz. Das Wasser sollte in einem großen Topf auf dem Herd mindestens drei Minuten sprudelnd kochen, um eine einwandfreie Entkeimung zu garantieren. Dieses abgekochte Wasser muss auch zum Waschen von Obst und Gemüse oder zum Zähneputzen verwendet werden, für die Zubereitung von Baby- und Kindernahrung wird dringend empfohlen, Mineralwasser zu verwenden. „Man kann sich aber ganz normal die Hände waschen“, sagt Blersch: „Da besteht keine Gefahr.“ Vorsorglich wird die Stadt aber Schulen und Kindergärten bei Bedarf mit zusätzlichen Desinfektionsmitteln ausstatten.

Jetzt täglich mehrere Proben

Wie geht es nun weiter? „Wir werden täglich an fünf verschiedenen Stellen im Netz Proben entnehmen und bei der betroffenen Hausinstallation“, sagt Blersch. Diese werden dann binnen 48 Stunden vom Labor ausgewertet. Wenn sich bei den Tests an drei Tagen hintereinander zeigt, dass sich die Bakterien nicht im Leitungsnetz befinden, kann die Abkochanordnung aufgehoben werden. Dies könnte nach seiner Einschätzung frühestens Mitte nächster Woche erfolgen, auch wegen der 48-Stunden-Frist bei der Auswertung der Proben. Bei der Verwaltung hofft man, dass die Füssener spätestens Ende kommender Woche das Wasser aus der Leitung wieder bedenkenlos nutzen können.