Kriminalität im Internet

Allgäuer wird Opfer von Lidl-Pay-Datenklau - so können Sie sich schützen

Cyber-Crime

Opfer von Internetkriminalität sollten ihren Betrugsfall zur Anzeige bringen, rät die Polizei. Bei Lidl Pay gibt es vergleichsweise wenige Fälle – in Füssen kam es seit April 2021 zu insgesamt zwei Anzeigen.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Opfer von Internetkriminalität sollten ihren Betrugsfall zur Anzeige bringen, rät die Polizei. Bei Lidl Pay gibt es vergleichsweise wenige Fälle – in Füssen kam es seit April 2021 zu insgesamt zwei Anzeigen.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Täter stehlen Daten und registrieren sich damit bei Lidl Pay, um auf fremde Rechnung einzukaufen. Ein Ostallgäuer aus Lechbruck wurde zum Opfer.
12.07.2021 | Stand: 12:21 Uhr

Beim Blick auf sein Bankkonto hat ein Lechbrucker kürzlich einen kleinen Schrecken bekommen. 142 Euro waren dort über Lidl Pay abgebucht worden, obwohl er selbst damit nicht eingekauft hatte, ja nicht einmal Kunde dieses Bezahldienstes des Discounters ist. „Ich bin nur bei Lidl online registriert“, sagt der Mann. Er geht davon aus, dass seine Daten von dort gestohlen wurden, um bei Lidl Pay in seinem Namen ein Konto einzurichten. Mit der App auf dem Smartphone konnten die Betrüger dann in einer Lidl-Filiale einkaufen.

Als er die 142 Euro von seiner Bank zurückbuchen ließ, bekam er zwei Tage später eine Mahnung von einem Inkassobüro mit einem Rechnungsbetrag, der sich wegen Verzugszinsen und Gebühren bereits auf über 200 Euro erhöht hatte. Auf einen Widerspruch und die Bitte um Klärung der Angelegenheit habe er weder von dem Inkassobüro, noch von Lidl Pay bisher eine Rückmeldung erhalten. Lidl Pay sei auch nur über eine E-Mail-Adresse erreichbar.

Betrug von Lidl-Pay: Keine Rückmeldung von Verantwortlichen

Der Lechbrucker hat nun Strafanzeige gegen unbekannt erstattet und erwägt eine weitere Anzeige gegen Lidl wegen Verletzung des Datenschutzes.

Laut der Füssener Polizei ist es der zweite Betrugsfall mit Lidl Pay, der dort seit Start des Bezahldienstes im April 2021 gemeldet wurde. Auf diversen Nachrichtenseiten im Internet liest man deutschlandweit von weiteren. Die Betrüger gehen dabei nach Angaben der Polizei genauso vor, wie bei anderen Delikten mit Fake-Accounts auch. Sie stehlen die Daten, registrieren sich und können dann innerhalb kurzer Zeit aktiv werden.

Internetbetrug kein neues Phänomen

Das sei kein neues Phänomen. „So schön das Digitale ist, dort ist auch viel Betrug möglich“, sagt Hansjörg Schneidberger von der Füssener Polizei. Insgesamt nähmen solche Fälle bayernweit zu. Sie seien oft auch schwer zu klären. Trotzdem rät er Betroffenen, Anzeige zu erstatten.

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Lidl bittet Betrugsopfer in der Regel ebenfalls darum, „gemäß unserer mit der Polizei abgestimmten Vorgehensweise, eine Anzeige zu stellen“, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung von der Pressestelle des Unternehmens und weiter: „Dazu reicht der Verdacht einer betrügerischen Transaktion. Gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden können wir eine umfangreiche Untersuchung gewährleisten.

Die Bearbeitung durch einen Inkassopartner stoppen wir selbstverständlich sofort, sollte sich ein Betrugsverdacht nach einer Anzeige bestätigen. Darüber hinaus können Kunden sich den abgebuchten Betrag bei einem Betrugsfall bei ihrer jeweiligen Bank sofort zurückgeben lassen.“

Bisher seien Lidl ausschließlich Einzelfälle bekannt, in denen es zu Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Lidl Pay gekommen sein könnte. „Vollständig ausschließen lassen sich Betrugsfälle unabhängig von der Bezahlmethode aber nie. Stellen Kunden eine missbräuchliche Verwendung ihrer persönlichen Daten fest, nehmen wir das sehr ernst, überprüfen das Anliegen sorgfältig und geben den Kunden schnellstmöglich eine Rückmeldung“, teilt das Unternehmen mit.

Wie funktioniert Lidl-Pay?

Man sei bemüht, Betrugsfälle mit allen Mitteln zu verhindern und Kunden zu schützen. Dabei müssten Sicherheitsmaßnahmen und Nutzerfreundlichkeit stets neu bewertet und permanent weiterentwickelt werden. So sei beispielsweise die Nutzung eines Familienkontos für mehrere Lidl-Pay-Nutzer wieder eingeschränkt und die Prüfmechanismen hinsichtlich Wegwerf-Mailadressen nachgeschärft worden. Darüber hinaus seien Schritte eingeleitet worden, um die Sicherheitsrisiken rund um das SEPA-Lastschriftverfahren zu verschärfen.

Mit Lidl Pay brachte Lidl im April 2021 eine digitale Bezahlart auf den Markt. Die App macht schnelles, bargeldloses Bezahlen an der Kasse möglich. Der Nutzer muss dort nur noch einen QR-Code vorzeigen.

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