Bergwaldoffensive

Mehr Platz fürs Auerhuhn und seine Leibspeise in Pfronten

Forstunternehmer Felker und sein Team schneiden offene Bereiche mit Heidelbeere wieder frei, um den Lebensraum für das Auerwild zu erhalten. Zudem werden Mischbaumarten und Rottenstrukturen bei der Pflege gefördert.

Forstunternehmer Felker und sein Team schneiden offene Bereiche mit Heidelbeere wieder frei, um den Lebensraum für das Auerwild zu erhalten. Zudem werden Mischbaumarten und Rottenstrukturen bei der Pflege gefördert.

Bild: Matthias Beck

Forstunternehmer Felker und sein Team schneiden offene Bereiche mit Heidelbeere wieder frei, um den Lebensraum für das Auerwild zu erhalten. Zudem werden Mischbaumarten und Rottenstrukturen bei der Pflege gefördert.

Bild: Matthias Beck

Forstamt und Rechtler fördern Lebensräume am Edelsberg und Breitenberg. Im Winter brauchen die scheuen und seltenen Vogel vor allem eines.
Forstunternehmer Felker und sein Team schneiden offene Bereiche mit Heidelbeere wieder frei, um den Lebensraum für das Auerwild zu erhalten. Zudem werden Mischbaumarten und Rottenstrukturen bei der Pflege gefördert.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
17.11.2020 | Stand: 12:19 Uhr

Die Bergwaldoffensive und der Rechtlerverband Pfronten lassen auf zwölf Hektar die Lebensbedingungen für die seltenen und scheuen Auerhühner vom Forstunternehmen Felker verbessern. Lichte Waldstrukturen schaffen Platz für die großen Vögel und fördern ihre Leibspeise, die Heidelbeere.

Flächen gemeinsam ausgewählt

Wie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren (AELF) erläutert, sind die Voralpen zusammen mit dem Bayerischen Wald und dem Fichtelgebirge die einzigen noch intakten Lebensräume Bayerns für die größte Hühnervogelart Europas, das Auerhuhn. Um diesen seltenen Vogel auch in den Ostallgäuer Bergen zu erhalten, versuchen Förster, Waldbesitzer und Naturschützer, potenziell geeignete Lebensräume hinsichtlich der Ansprüche der Auerhühner aufzuwerten. Daher pflegt das Forstunternehmen Felker im Auftrag der Bayerischen Forstverwaltung momentan zwölf Hektar Jungwald der Rechtler am Edelsberg und am Breitenberg. Die Flächen hatte die Bergwaldoffensive (BWO) des AELF Kaufbeuren zusammen mit dem Rechtlerverband Pfronten und dem Gebietsbetreuer des Ostallgäuer Alpenrands, Thomas Hennemann, ausgewählt.

Nur noch 1000 Individuen in ganz Bayern

Natürliche Lebensräume für die Raufußhühner sind in Bayern lichte Hochlagen-Nadelwälder, beerenstrauchreiche Tannenwälder, Moorwälder und die obersten Lagen der Bergmischwälder. Das Auerhuhn ist dabei eine Charakterart lichter, strukturreicher Waldlebensräume in nördlichen Bergen. Aufgrund seines großen Raumbedarfs und spezifischer Ansprüche an seinen Lebensraum gilt es als Schirmart für die Artengemeinschaft im Hochgebirge. Seine akute Gefährdung in Zentraleuropa machte es zu einer wichtigen Zielart der Europäischen Vogelschutzrichtlinie. In Bayern leben noch etwa 1000 Individuen, weshalb das Auerwild auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht.

Licht fördert Vielfalt an Pflanzen- und Insektenarten

Nicht jeder Fichtenbestand eignet sich als Lebensraum für diese Vögel. „Zwei ganz entscheidende Faktoren sind Struktur und Licht“, sagt Auerhuhnexperte Hennemann. Eine enge Verzahnung von alten Nadelholzbeständen, Jungwuchs und Freiflächen wird daher angestrebt. Durch das Licht in den Beständen wird die Vielfalt an Pflanzen- und Insektenarten gefördert, welche dem Auerhuhn und vielen weiteren Arten als Nahrungsquelle dienen. Insbesondere die Heidelbeere, die Leibspeise der Auerhühner, profitiert von diesen Maßnahmen. Matthias Beck von der Bergwaldoffensive ergänzt: „Bei den Arbeiten im Pfrontener Bergwald werden sogenannte Rottenstrukturen im Jungwald herausgepflegt und Mischbaumarten wie Tanne, Buche und Bergahorn, aber auch Mehlbeere und Vogelbeere gezielt gefördert. Dadurch entstehen stabile Mischwälder, welche die unterschiedlichen Waldfunktionen nicht nur im Hinblick auf den Klimawandel zukünftig erfüllen sollen.“

Lebensgefahr im Winter

Neben einem intakten Lebensraum benötigen die Auerhühner besonders im Winter Ruhe. Jede Störung, etwa durch Skitouren- oder Schneeschuhgänger, bedeutet einen zusätzlichen Energieverlust. Da der winterliche Speiseplan nur Fichten- und Tannennadeln vorsieht, müssen die Auerhühner sehr sparsam mit ihren Körperreserven umgehen. Wird zu viel Energie während des Winters verbraucht, kann dies den Tod der Vögel bedeuten. „Umso wichtiger ist eine gezielte Besucherlenkung in diesen Gebieten – und dass sich alle daran halten“, meint Hennemann abschließend.