Sommergarten im Festspielhaus

Musicalstar und Freunde begeistern in Füssen vor allem Frauen

Matthias Stockinger (Mitte) und seine Freunde auf der Bühne des Füssener Festspielhauses.

Matthias Stockinger (Mitte) und seine Freunde auf der Bühne des Füssener Festspielhauses.

Bild: Peter Samer

Matthias Stockinger (Mitte) und seine Freunde auf der Bühne des Füssener Festspielhauses.

Bild: Peter Samer

"Face to Face": Matthias Stockinger holt den Sommergarten auf die Bühne. Warum im Publikum die Männer fehlten.

Matthias Stockinger (Mitte) und seine Freunde auf der Bühne des Füssener Festspielhauses.
Von Klaus Bielenberg
25.08.2020 | Stand: 12:35 Uhr

Die Besucher des Sommerkonzertes „Face to Face“ mit Matthias Stockinger waren zunächst erstaunt, dass sie nicht in den Barockgarten des Festspielhauses Neuschwanstein, sondern in den großen Saal geführt wurden. Dies geschah wegen des unsicheren Wetters mit Rücksicht auf die im unplugged Konzert verwendeten Instrumente. Dennoch blieb der intime Rahmen voll erhalten. Die Zuhörer konnten sich als Gäste eines illustren Treffens von miteinander befreundeten ausgezeichneten Künstlern fühlen, die voller Lust und Entdeckungsfreude miteinander musizierten. Matthias Stockinger hatte für diesen Abend den Pianisten Marcos Padotzke, den sardischen Gitarristen und Sänger Riccardo Doppio und den Meistergeiger Baptiste Pawlik eingeladen. Im Duett agierte er mehrmals mit der als beste Newcomer-Darstellerin ausgezeichneten Kristin Backes.

Begeisterung der Mitwirkenden ist spürbar

Das von Stockinger in lockerer, ansprechender, sympathischer Art Schlag auf Schlag präsentierte Programm mit seinen vielgestaltigen Facetten kam beim Publikum bestens an. Man spürte die Freude der Mitwirkenden, aus dem Loch, in das die Künstler mit der Corona-Krise gefallen sind, zu entkommen und endlich wieder live Bühnenluft atmen zu dürfen. Schon beim zweiten Lied „Till I hear you sing“ aus Phantom der Oper war der Bann gebrochen und die Beifallswogen brandeten für Stockinger auf. Er überzeugte im Verlauf immer wieder mit seiner gut produzierten wuchtigen baritonalen Belt-Stimme, aber auch in den höchsten Falsett-Registern. Dazu kam die vorzügliche Artikulation.

Wenn mitklatschen schwierig wird

Seine Paradestücke waren „Die unstillbare Gier“ aus Tanz der Vampire und „Kalte Sterne“ aus Ludwig². Zudem ist er vielseitig. Er setzte sich etwa an den kleinen Flügel und spielte mit Temperament „I don’t like Mondays“, wobei er verzweifelt versuchte, die Zuhörer zum richtigen Einsatz des Mitklatschens zu bringen. Den Popsong „Perfect“ sang er mit Riccardo Doppio Face to Face im gebührenden Abstand. Im Duett brachte er mit Kristin Backes unter anderem „Wehrlos“ aus dem Musical Päpstin oder die Filmmusik „The Prayer“ zu Gehör. Mit Stefanie Gröning präsentierte er „Brennende Herzen“ aus „Der Schwanenprinz“. Backes mit ihrem natürlichen, frischen, in die Höhen leicht aufsteigenden Sopran überzeugte auch als Solistin mit „Rosen ohne Dornen“ aus Ludwig².

Solide Begleitung mit unverfälschtem Klang

Alle Darbietungen bedurften einer soliden Begleitung mit unverfälschtem Klang. Dafür sorgte zuverlässig und kompetent Marcos Padotzke am Flügel. Die weitere Untermalung besorgten Riccardo Doppio und Baptiste Pawlik. Sie setzten sich auch solistisch in Szene. Riccardo gestaltete rhythmisch perfekt, eingängig und einfühlend mit italienischem Flair seine Beiträge. Mit singenden Gleit- und Flageolettönen, Doppelgriffen, unglaublichem Tempo und einer Fingerfertigkeit in wahnwitzigem Tempo überzeugte Pawlik. Dieses Konzert sollte auch herausführen aus den oft beängstigenden Meldungen der Corona Situation. Da war „Over the rainbow“ geeignet, wo in einer märchenhaften Situation Träume wahr werden oder „What a wonderful world“, der Song von Louis Armstrong, den Matthias Stockinger voll Überzeugung darbot.

Zur Zugabe Cohens Hallelujah

Ehrlichen und dankbaren Beifall spendete das überwiegend weibliche Publikum, wahrscheinlich bedingt durch die Überschneidung mit dem Champions League Finale im Fußball. Das ganze Ensemble revanchierte sich mit der Zugabe „Hallelujah“ von Leonhard Cohen.