Ärger um Nationalpark

Möglicher Nationalpark Ammergebirge sorgt in Füssen für Zoff

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Im Ammergebirge mit seiner vielfältigen Landschaft (hier der Blick vom Ochsenälpleskopf auf Säuling (links) und Hohen Straußberg (rechts) gibt es seit Jahren Diskussionen um die Idee eines Nationalparks. Die Frage ob die Befürworter nun einen festen Sitz im Umweltbeirat bekommen sollen, spaltete jetzt den Füssener Stadtrat.

Bild: Benedikt Siegert

Im Ammergebirge mit seiner vielfältigen Landschaft (hier der Blick vom Ochsenälpleskopf auf Säuling (links) und Hohen Straußberg (rechts) gibt es seit Jahren Diskussionen um die Idee eines Nationalparks. Die Frage ob die Befürworter nun einen festen Sitz im Umweltbeirat bekommen sollen, spaltete jetzt den Füssener Stadtrat.

Bild: Benedikt Siegert

Die Besetzung des Umweltbeirats spaltet den Füssener Stadtrat. Für Diskussionen sorgt, ob der Förderverein eines Nationalparks einen Sitz bekommen soll.
22.09.2021 | Stand: 18:10 Uhr

Es war zwar nur eine Formalie, aber die hat den Füssener Stadtrat jetzt in zwei Lager gespalten: Soll der Förderverein für einen möglichen Nationalpark im Ammergebirge einen festen Sitz im Umweltbeirat der Stadt erhalten oder nicht?

Nein, sagten die Gegner – allen voran Peter Hartung. Der CSU-Kommunalpolitiker verlangte die Streichung des Vereins von der Liste. Begründung: Das Ammergebirge liege nicht in der Gemarkung Füssen. Der Verein brauche damit auch keinen Sitz in dem Gremium.

Nationalpark im Ammergebirge: Verein erhält Sitz im Füssener Umweltbeirat

Obwohl der Umweltbeirat auch künftig nur eine beratende Funktion haben soll, entspann sich in der Folge eine lebhafte Diskussion. Dabei ging es im Stadtrat weniger um die Einrichtung selbst, sondern zwischen den Zeilen auch um das Für und Wider eines möglichen Nationalparks. So sagte Christoph Weisenbach (ebenfalls CSU), man solle dem Verein allein schon im Interesse der guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu Schwangau keinen Sitz einräumen. „Die Diskussion hier zeigt doch schon, wie politisch das ganze ist“, sagte er.

Zuvor hatte sich Ilona Deckwerth (SPD) für den Verein stark gemacht, in dessen Vorstand sie selbst sitzt. Das war aber nicht der alleinige Grund. „Der Umweltbeirat lebt davon, dass ein möglichst breites Spektrum an Vereinen und unterschiedlichen Meinungen vertreten ist“, sagte Deckwerth. Außerdem stamme eine Vielzahl der Nationalpark-Befürworter aus Füssen. Dem Verein stehe damit sehr wohl ein Sitz im Umweltbeirat zu.

Das Ammergebirge gehört zu den schösten Flecken in den bayerischen Alpen (hier der Blick auf den Grubenkopf bei Halblech). Befürworter wollen diese Landschaft in einem Nationalpark schützen
Das Ammergebirge gehört zu den schösten Flecken in den bayerischen Alpen (hier der Blick auf den Grubenkopf bei Halblech). Befürworter wollen diese Landschaft in einem Nationalpark schützen
Bild: Benedikt Siegert

Nationalpark hin oder her: Stadtrat in Füssen erhofft sich konstruktive Arbeitsamtomsphäre

Dass die Debatte so polarisierte, war einem gar nicht Recht: Andreas Eggensberger (CSU). Der Vorsitzende des Umweltbeirats hatte den Antrag gestellt, feste Vereine und Verbände für das Gremium zu benennen. Bisher waren die Vertreter je nach Laune und Einzelfall zu den Versammlungen erschienen oder eingeladen worden. Dies wollte Eggensberger ändern. So soll zwar ein fester Rahmen vorgegeben sein, aber dennoch der offene Charakter des Umweltbeirats beibehalten werden. „Ich könnte auch ohne den Nationalpark-Verein leben“, sagte Eggensberger. Er wolle nur nicht eine „politische Desasterdiskussion“ bei jedem Thema, sondern eine konstruktive Atmosphäre im Umweltbeirat.

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Um seinen Antrag aber nicht zu gefährden und mit den hitzigen Nationalpark-Debatten zu vermengen, spaltete er ihn auf. Abgestimmt wurde zunächst über die Liste aller weiteren Vertreter. Diese umfasst den Bund Naturschutz, die Baumfreunde Füssen, Greenpeace, den Landesbund für Vogelschutz, den Tourismusverein Füssen mit seiner Arbeitsgruppe Klimaverbund Hotels sowie alle Füssener Schulen. Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) regte außerdem an, Füssen Tourismus und Marketing (FTM) ebenfalls einen Sitz einzuräumen. Dieser Liste stimmte der Stadtrat bei einer Gegenstimme zu.

Auch für seine Artenvielfalt ist das Ammergebirge berühmt. Unter anderem leben dort Steinböcke
Auch für seine Artenvielfalt ist das Ammergebirge berühmt. Unter anderem leben dort Steinböcke
Bild: Benedikt Siegert

Nationalparkbefürworter haben auch künftig nur eine beratende Funktion

Wesentlich enger war dann die Frage, ob die Nationalpark-Befürworter einen festen Sitz bekommen oder nicht. Bei neun Gegenstimmen sprach sich der Stadtrat am Ende dafür aus.

Jürgen Doser (Freie Wähler) war die Politisierung in der vorangegangenen Debatte ohnehin zu viel. Er sagte: „Der Wille der Bevölkerung sitzt auch weiterhin im Stadtrat.“ Dort würde entschieden und bewertet. „Der Umweltbeirat spiegelt ja nicht die Mitte der Gesellschaft wider, weil dort nur sehr einseitige Interessensvertreter sitzen“, sagte Doser. Andreas Eggensberger betonte dagegen die Fachexpertise der Leute, die sich schon Jahre mit bestimmten Themen beschäftigen – etwa dem Vogelschutz. „Es geht ja darum, ein demokratisches Bild dieser Verbände einzuholen, wenn der Umweltbeirat eine Empfehlung abgibt.“

Die Nationalparkbefürworter finden dort jetzt jedenfalls festes Gehör. Es bleibt aber bei bloßen Ratschlägen, die sie dem Stadtrat erteilen können.

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