Baupläne

Neue Bürgerinitiative in Lechbruck: „Hotel wird den Bürgern schaden“

Auf dieser Wiese und den dahinter liegenden Grundstücken des alten Hallenbades und der maroden Tennishalle am Oberen Lechsee in Lechbruck soll ein mehrstöckiges Vier-Sterne-Hotel entstehen. Gegen dieses Vorhaben formierte sich jetzt eine Bürgerinitiative.

Auf dieser Wiese und den dahinter liegenden Grundstücken des alten Hallenbades und der maroden Tennishalle am Oberen Lechsee in Lechbruck soll ein mehrstöckiges Vier-Sterne-Hotel entstehen. Gegen dieses Vorhaben formierte sich jetzt eine Bürgerinitiative.

Bild: Bürgerinitiative Lechbruck am See

Auf dieser Wiese und den dahinter liegenden Grundstücken des alten Hallenbades und der maroden Tennishalle am Oberen Lechsee in Lechbruck soll ein mehrstöckiges Vier-Sterne-Hotel entstehen. Gegen dieses Vorhaben formierte sich jetzt eine Bürgerinitiative.

Bild: Bürgerinitiative Lechbruck am See

Eine Bürgerinitiative will in Lechbruck gegen das geplante Hotel am Oberen Lechsee vorgehen. 300 Unterschriften hat sie bereits. Welche Vorteile die Gemeinde durch das Projekt sieht
02.10.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Wer in der Lechwiesenstraße vor dem alten Lechbrucker Hallenbad steht, dem eröffnet sich ein traumhafter Blick über den Oberen Lechsee in die Berge. Mit dieser Aussicht aber könnte es bald vorbei sein. Denn auf dem Gelände von Hallenbad und Tennishalle sowie einer Wiese davor soll ein mehrstöckiges Vier-Sterne-Hotel entstehen. Das entschied der Gemeinderat im September 2019. Derzeit ist das Projekt aber erst in der Findungsphase. „Es laufen Abstimmungen mit dem Landratsamt“, sagt Hauptamtsleiter Michael Köpf. Einen Entwurf für den nötigen Bebauungsplan gibt es noch nicht. Einige Lechbrucker aber machen bereits deutlich, dass sie mit dem Hotel nicht einverstanden sind, und gründeten Anfang September die „Bürgerinitiative Lechbruck am See – Hotel Nein Danke“ (BIL). Dieser haben sich in den ersten drei Wochen über 300 Bürger angeschlossen. Auf eine Gründungsversammlung musste die BIL zwar wegen Corona verzichten. „Das Thema schwappte aber auch so schnell in den Ort“, sagt Manuela Wagner, die die Initiative mit ihrem Mann Wolfgang sowie Valerie und Alexander Pfanzelt ins Leben rief. „Viele haben uns die Zettel aus der Hand gerissen und wollten selber Leute ansprechen. Wir mussten kaum Überzeugungsarbeit leisten“, berichtet Valerie Pfanzelt.

Enormer Verkehr befürchtet

Die Bürgerinitiative sieht das Hotel als Problem für ganz Lechbruck – und das nicht nur, weil eine schöne Aussicht verbaut werde. „Es wird den Ort verändern und den Bürgern schaden“, sagt Manuela Wagner. Eine Auswirkung sei der enorme Verkehr. Die Infrastruktur in dem 3000-Einwohner-Ort sei zum Teil ohnehin schon eng und allein in der 2,5-jährigen Bauphase kämen an die 100 Lkw-Fahrten pro Tag in Spitzenzeiten dazu. Danach folgten Hotelgäste und der Lieferverkehr.

Die Gemeinde hat laut Hauptamtsleiter Michael Köpf „Verständnis dafür, dass die Anwohner der Lechwiesenstraße von dem Verkehr nicht begeistert sind“. Er rechnet aber damit, dass die Belastung nur in der Bauphase sehr hoch ist. Danach könnte es so werden wie zu Zeiten, als Hallenbad und Tennishalle noch in Betrieb waren und auch etliche Autos dort raus gefahren seien.

Die Gemeinde wäre mit dem Hotelbau jedenfalls auf einen Schlag die Sorgenkinder Hallenbad und Tennishalle los, die beide seit Jahren ungenutzt sind. Im Zuge der Diskussion über diese Leerstände ist ein Hotelbau schon lange Thema. Immer wieder aber gerieten die Pläne ins Stocken. Zuletzt kam nun vergangenes Jahr neue Dynamik in das Vorhaben, weil sich ein Investor für das Hotel fand. Wer das ist, dazu möchte Köpf noch nichts sagen. Bekannt ist aber, dass der Gemeinderat 2019 ein Vier-Sterne-Hotel unter anderem mit etwa 140 Zimmern, Tiefgarage, Gastronomie, Bade- und Wellnessbereich, Tagungsräumen sowie Personal- und Mitarbeiterunterkünften genehmigte. Das ist der BIL zu viel. „Wir sind nicht gegen Tourismus in Lechbruck“, sagt Valerie Pfanzelt. „Er bringt dem Dorf was, aber es ist bereits gesättigt“, ergänzt Wolfgang Wagner. Deshalb, sagt seine Frau Manuela, „Lechbruck braucht Wachstum und Weiterentwicklung, aber in gesundem Maß“ und profitieren sollen die Lechbrucker, nicht auswärtige Investoren.

Mit Auslastung von 80 Prozent gerechnet

Dieser rechnet für das Hotel mit einer durchschnittlichen Auslastung von 80 Prozent. Das entspräche laut Köpf 60 000 bis 70 000 zusätzlichen Übernachtungen pro Jahr. Das seien Einnahmen für die Gemeinde, zum Beispiel über die Kurtaxe und die Einkommenssteuer der geplanten 80 Mitarbeiter. Außerdem brächte das Hotel für die örtlichen Betriebe Aufträge. Geht es nach der Bürgerinitiative, kostet es Lechbruck aber mehr, als es bringt. Die Gäste der gehobenen Klasse gingen zum Beispiel sicher nicht in den Ort, um Grillwürste oder anderes zu kaufen, wie die des Campingplatzes oder einer Ferienwohnung. Die Rede ist laut Bürgerinitiative zudem von einer Investition von 30 Millionen Euro. Aber davon würden vielleicht drei Prozent für die Erschließungskosten bei der Gemeinde landen. „Wer verdient die anderen 29 Millionen?“, fragt Valerie Pfanzelt. Und was sei, wenn dieses Hotel ebenso wie der Königshof pleite gehe, weil es nicht ausgelastet ist? Es gebe im Ort mit dem Hotel auf der Gsteig bereits ein Haus der gehobenen Klasse. Dazu kommt das Ameron, ein Fünf-Sterne-Hotel im nicht allzu weit entfernten Schwangau.

Die BIL fürchtet durch das Projekt auch steigende Immobilienpreise. Das Vier-Sterne-Hotel werde Gäste im gehobenen Preissegment anziehen. Diese könnten Lechbruck so schön finden, dass sie sich dort einen Altersruhesitz zulegen und so – wie in anderen Orten im südlichen Landkreis – den Einheimischen den Wohnraum streitig machen. „Wir haben jetzt schon nur drei Schulklassen mit 63 Kindern“, sagt Manuela Wagner.

Gesunden Haushalt hinterlassen

Das Argument der Gemeinde, mit dem Verkauf des Geländes für das Hotel könne man den neuen Kindergarten und das Feuerwehrhaus finanzieren, lässt die Bürgerinitiative nicht gelten. „Dann könnten wir in Lechbruck danach nie wieder etwas investieren, weil es nichts mehr zu verkaufen gibt“, sagt Alexander Pfanzelt. Diese beiden Maßnahmen müssten anders finanzierbar sein – zumal Bürgermeister Helmut Angl nach eigener Aussage einen gesunden Haushalt hinterlassen habe.

So geht es weiter

Die Gründung der Bürgerinitiative war der erste Schritt gegen das Hotel. Im zweiten soll ein Bürgerbegehren folgen. Dafür werden dann nochmals auf speziellen Listen Unterschriften gesammelt. Unterzeichnen mindestens zehn Prozent der wahlberechtigten Lechbrucker folgt Schritt drei – ein Bürgerentscheid. Dabei wird in geheimer Wahl abgestimmt. Um die Bürger auf dem Laufenden zu halten, planen sowohl Gemeinde als auch die Bürgerinitiative Informationsveranstaltungen. Die Bürgerinitiative Lechbruck am See – Hotel Nein Danke ist erreichbar unter der Telefonnummer 0176/44465180 oder per E-Mail kontakt@buergerinitiative-lechbruck.de und im Internet www.buergerinitiative-lechbruck.de.