Fehlt die Wirtschaftsförderung?

Neuer Anlauf für Wirtschaftsbeirat in Füssen

Im Füssener Rathaus fehlt es an der richtigen Wirtschaftsförderung. Das sieht zumindest der „Bund der Selbständigen“ in Füssen so.

Im Füssener Rathaus fehlt es an der richtigen Wirtschaftsförderung. Das sieht zumindest der „Bund der Selbständigen“ in Füssen so.

Bild: Benedikt Siegert (Archivfoto)

Im Füssener Rathaus fehlt es an der richtigen Wirtschaftsförderung. Das sieht zumindest der „Bund der Selbständigen“ in Füssen so.

Bild: Benedikt Siegert (Archivfoto)

BdS-Vorsitzender Rundt will Stadträten das Gremium für Wirtschaftsförderung schmackhaft machen. Alleine könne das auch der Bürgermeister nicht stemmen.
04.12.2022 | Stand: 05:45 Uhr

In Füssen bleiben Wirtschaftsthemen ausschließlich Chefsache. So erklärte es die Stadtverwaltung, nachdem das Kommunalparlament die Einrichtung eines Wirtschaftsbeirates abgelehnt hatte. Ein Votum, das bei den Unternehmern nicht gut ankommt, wie Markus Rundt sagt. Für den Vorsitzenden des Ortsverbandes Füssen im „Bund der Selbständigen“ (BdS) steht fest: „De facto gibt es keine Wirtschaftsförderung in Füssen.“ Er will bei den Stadtratsfraktionen deshalb dafür werben, doch noch diesen Beirat zu installieren.

Keine einfache Situation auch für Unternehmer und Selbstständige im Füssener Land

Vor drei Jahren hätte das niemand für möglich gehalten: Auf eine Pandemie folgt Krieg in Europa, damit eine galoppierende Inflation und nun ein wirtschaftlicher Abschwung. Auch im Füssener Land befinden sich Selbstständige und Unternehmer in keiner einfachen Situation. Deshalb stand für Rundt fest, als er in diesem Mai den Posten des BdS-Chefs übernahm: Er wollte den Unternehmerinnen und Unternehmern wieder mehr Gehör bei der Stadtspitze verschaffen. Es gehe um eine „aktive Mitwirkung an der Zukunftsgestaltung von Füssen Stadt und Land“, sagte Rundt damals.

Die Gespräche mit der Stadtspitze liefen gut an, berichtet er: Bei einer Runde mit Bürgermeister Maximilian Eichstetter sowie dessen Stellvertretern Christian Schneider und Wolfgang Bader hätten sich Vertreter der Wirtschaft auf ein Konstrukt geeinigt. Der Beirat mit Vertretern aus der Wirtschaft sollte eine beratende Funktion haben und Vorschläge einbringen können. Diese sollten über eine Art Kommunikationsebene – bestehend aus Klaus Zettlmeier, vor Jahren bereits in einem Wirtschaftsgremium für die Stadt tätig, sowie aus den beiden stellvertretenden Bürgermeistern – an die Stadt weitergeleitet werden. Die Zusammenarbeit mit Klaus Zettlmeier habe sich bewährt, habe Bürgermeister Eichstetter erklärt, sagt Rundt. Der BdS-Chef hatte damals keine Bedenken. „Ich fand das alles okay.“

Bei den Freien Wählern in Füssen gab es Bedenken

Was er nicht wusste: Bei den Freien Wählern gab es Bedenken, sie wollten Zettlmeier in dieser Position nicht akzeptieren. Im Kommunalparlament wurde schließlich hinter verschlossenen Türen über den Wirtschaftsbeirat gesprochen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit votierten die Kommunalpolitiker einstimmig dagegen. Und damit wurden offenbar alle Verbindungen zur Wirtschaft gekappt: „Wir sind bis heute nicht offiziell über den Beschluss informiert worden“, sagt Rundt. „Alles, was wir wissen, wissen wir aus der Zeitung.“

Etwa die offizielle Reaktion der Stadtverwaltung auf das Aus für den Wirtschaftsbeirat: „Wirtschaftsförderung ist bei uns Chefsache“, hatte Pressesprecher Felix Blersch mitgeteilt. Es vergehe keine Woche, in der Bürgermeister Eichstetter und Geschäftsleiter Peter Hartl nicht mit Unternehmern, Geschäftsführern und Eigentümern von Unternehmen in Kontakt stehen, sich vernetzen oder vermitteln.

Bürgermeister als alleiniger Wirtschaftsförderer: „Das kann nicht funktionieren“

Rundt will Eichstetter die gute Absicht, den guten Willen gar nicht absprechen. Aber: „Der Bürgermeister überschätzt tatsächlich seine Ressourcen.“ Wenn Eichstetter glaube, er könne als Bürgermeister das operative Geschäft in diesem Bereich übernehmen, unterliege er einer „Fehleinschätzung: Das kann nicht funktionieren“. Wirtschaftsförderung sei ein mühsames Geschäft, sagt Rundt, der vor ein paar Jahren die Stadt Augsburg bei der Wirtschaftsförderung beraten hat. Doch gerade für Füssen sei es wichtig, dass man sie jetzt konsequent angehe. Und dafür ist für Rundt wichtig: „Uns muss die Stadt momentan wichtiger sein als jedes politische Geplänkel. Es braucht eine Offenheit seitens des Bürgermeisters und des Stadtrates, unternehmerische Ratschläge anzunehmen.“

Dabei gehe es nicht allein um die Neuansiedlung von Firmen, sondern gerade um die Betreuung von Bestandsunternehmen. Und dafür benötige man ein ganzheitliches Konzept. Denn: „Man braucht wirklich gute Argumente, um Mitarbeiter nach Füssen zu lotsen.“ Hier müssten Faktoren wie Wohnraum, Verkehr, medizinische Versorgung, Freizeitangebote und die Integrationsförderung eine wichtige Rolle spielen. Man müsse generell die Wohn- und Lebensbedingungen verbessern.

Schnelle Lösungen gebe es da nicht, „wir müssen mittel- und langfristig denken“, sagt Rundt. Doch nur so werde man auch in Füssen „den zu erwartenden wirtschaftlichen Aufschwung mitnehmen“ können. Mit einem Wirtschaftsbeirat werde man auch ein „Hauptproblem“ lösen: „Wir haben auf der nicht-touristischen Seite überhaupt keine Lobby.“

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