Dank Heimatverein

Neues Leben für den alten Bahnhofskiosk in Pfronten

Eine historische Aufnahme des Kiosks beim Bahnhof Pfronten-Ried. Vom Heimatverein restauriert dient er nun als Ausstellungsraum.

Eine historische Aufnahme des Kiosks beim Bahnhof Pfronten-Ried. Vom Heimatverein restauriert dient er nun als Ausstellungsraum.

Bild: Heimatverein Pfronten

Eine historische Aufnahme des Kiosks beim Bahnhof Pfronten-Ried. Vom Heimatverein restauriert dient er nun als Ausstellungsraum.

Bild: Heimatverein Pfronten

Ehrenamtliche kümmern sich ums Dorfleben. Von der Gemeinde wünscht sich der Verein Unterstützung, von den Bürgern Blumenschmuck

Eine historische Aufnahme des Kiosks beim Bahnhof Pfronten-Ried. Vom Heimatverein restauriert dient er nun als Ausstellungsraum.
Von Erwin Kargus
15.09.2020 | Stand: 11:45 Uhr

Dem verwaisten Bahnhofskiosk neues Leben einzuhauchen war nur eine der Aktionen, bei denen zahlreiche Ehrenamtliche viel Freizeit für „ihren“ Heimatverein Pfronten opfern. Das zeigte die Generalversammlung im Haus des Gastes. Die Heimatfreunde freuten sich unter anderem über das Vermächtnis einer heimatkundlich wertvollen Film- und Fotodokumentation, sie erklommen den heimischen St. Nikolausturm und kümmerten sich intensiv um die Villa Goldonkel. Der Verein setzt auf eine künftig tatkräftigere Unterstützung durch die Gemeinde als in den vergangenen Jahren.

Der zuvor verwaiste Bahnhofskiosk bietet nach zeitaufwendiger und liebevoller Renovation inzwischen nicht nur wieder einen erfreulichen Anblick. Es beherbergt auch verschiedene Ausstellungen, etwa zu den Themen Viehscheid, Weihnachten und Schalengge. Eine Bergwacht-Ausstellung soll folgen.

Denkwürdiger "Maskenball"

Heiter-nachdenklich meinte Vorsitzender Philipp Trenkle zu Beginn, dies sei eine „denkwürdige Generalversammlung, in der die Masken vor dem 11. 11. angezogen werden“. Und am Ende stellte er mit einem durstigen Lächeln fest: „Des war die trucket’st Versammlung, wo m’r je g’het hond.“ Symbolisch für seine Hoffnung auf Vereinsnachwuchs schob „Phips“ zu Versammlungsbeginn einen im vergangenen Jahr dem Verein als Spende überlassenen Kinderwagen von 1910 vor die Anwesenden. Im „Goldonkel“ warte außerdem ein „Doktor-Wägele“, eine historische Arztkutsche, darauf, wieder einmal ausgefahren zu werden, verriet er.

Gesammelte Schätze sichern und auswerten

Der Heimatverein, so ergaben im weiteren Verlauf Trenkles Bericht und etliche Diskussionsbeiträge, besitze viele Schätze, die es „zu sichern und auszuwerten“ gelte. Da sei zum einen eine Foto- und Filmsammlung, die vom Beginn der Farbfotografie bis in die jüngere Zeit hinein reiche. Zum anderen ergab sich im „Goldonkel“ kürzlich eine vierstündige Tonaufzeichnung eines Hoigartes mit einer betagten Zeitzeugin, die „unheimlich viel“ vom einstigen Pfronten zu erzählen wusste. Der Heimatverein besitze aber auch Filmmaterial von vielen legendären „Pfrontar Hoigarte“ bis zurück in die 1950er Jahre. Etliche solcher Kostbarkeiten lagerten bisher unsachgemäß auf dem Dachboden des Heimathauses. Eine kleine Wohnung im ersten Stock des Bahnhofs Pfronten-Ried wäre stattdessen „ideal für das Vereinsarchiv“.

Villa Goldonkel glänzt als Fotomotiv

Zahlreiche Ehrenamtliche schafften es in den vergangenen Monaten, die Villa Goldonkel gründlich zu reinigen, mit Vorhängen und Blumen zu schmücken, die Stauden ums Haus zu stutzen und eine bunte Blumenwiese anzulegen. Zusammen mit Kirchturm und Heimathaus bilde der Goldonkel wieder das beliebteste Pfrontener Fotomotiv.

Der Verein hoffe, dass der von den Mitgliedern vorgegebene Schwung auf die Gemeinde bei deren Unterstützung des Heimatvereins übergreift. Gemeint sei dabei vor allem der Goldonkel. Eine Gemeinde müsse doch über einen so engagierten Verein „froh sein, denn Kulturpflege ist eigentlich Aufgabe der Gemeinde“.

Ort werbend präsentieren

Als „dringende Anregung“ ermunterte der Vorsitzende seine Pfrontener Mitbürger dazu, ihre Häuser wieder mit mehr Blumen, und zwar mit bienenfreundlich, zu schmücken. Dann würde sich der Ort wieder werbender und farbiger präsentieren. Es sollte auch möglich sein, so lautete eine weitere Forderung, dass jemand sein Familiengrab auch nach seinem Wegzug von Pfronten für sich persönlich nach seinem Ableben nutzen könne. Der gültigen Friedhofssatzung zu Folge dürfen dort nur Personen bestattet werden, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Pfronten hatten oder für die ein Nutzungsrecht an einem Grab nachgewiesen werden kann. Auch frühere Pfrontener, die auswärts in einem Altersheim untergebracht waren, können in der Gemeinde bestattet werden.

In der Coronakrise, so hieß es, besinnen sich wieder viele auf das persönliche Umfeld und seien nicht mehr „in d’r ganze Weltg’gschicht umanand“ unterwegs.

Hoigarte entfällt wegen Corona

Der beliebte Hoigarte des Heimatvereins falle heuer coronabedingt aus und auch in der ersten Hälfte des kommenden Jahres tue sich veranstaltungsmäßig wohl nicht viel. „Es werden aber auch wieder Zeiten kommen, da wir wieder Ausflüge machen können“, machte der Vorsitzende Mut. Schließlich erfuhren die Anwesenden den aktuellen Mitgliederstand von 474 und beschlossen kleine Beitragserhöhungen für Einzelpersonen auf 20 Euro und für Paare auf 25 Euro.

Zum Abschluss zeigte Bertold Pölcher Bilder unter anderem von Besuchen des Mineralienmuseums des Pfronteners Reiner Augsten im Bahnhof Oy und im Marstallmuseum München, einem Johannisfeuer im Achtal und die Kirchturmbesteigung von St. Nikolaus sowie – kurz vor dem Lockdown – unvergesslich schöne Eindrücke bei einer familiär-heimeligen Krippenfahrt nach Pinswang.