Kirche

Neues Leben für die alte Friedhofskapelle in Pfronten

Friedhofskapelle3

Illuminiert von der Veranstaltungsfirma Joel3 gab es am Ewigkeitssonntag einen Vorgeschmack auf die neue Nutzung der Friedhofskapelle, musikalisch gestaltet von Ensemble 108 und dem Posaunenchor.

Bild: Martina Gast

Illuminiert von der Veranstaltungsfirma Joel3 gab es am Ewigkeitssonntag einen Vorgeschmack auf die neue Nutzung der Friedhofskapelle, musikalisch gestaltet von Ensemble 108 und dem Posaunenchor.

Bild: Martina Gast

Lichterspiele und Musik geben einen ersten Vorgeschmack auf einen künftigen Raum der paradiesischen Erinnerung
24.11.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Der evangelischer Pfarrer Andreas Liedtke hat viel vor mit der kleinen Friedhofskapelle in Pfronten-Berg. Einen Vorgeschmack, konnten die Besucher beim Gedenkfest zum Ewigkeitssonntags erleben. Durch gezielte Illuminationen durch die Veranstaltungsfirma Joel3 und feine Impulse setzte er sowohl die alten Gemäuer als auch das Thema des Abends ins rechte Licht: die Erinnerung. Der Mensch brauche einen geschützten Raum, in dem er sich erinnern könne. In wohldosierten Texten und Gebeten ging es um die verschiedensten Nuancen der Trauerverarbeitung. Dabei ginge es nicht nur um den Schmerz, sondern auch um das dankbare, heilsame Gedenken.

Chorgesang Balsam für die Seele

Ein musikalischer Höhepunkt und Balsam für die Seele waren die Stücke des Ensembles 108 unter der Leitung von Brigitte Stender. Viele Besucher waren wegen des beliebten Chors da, der offensichtlich gut durch die Coronapause gekommen ist. Durch den Posaunenchor, Susanne Engelmann und Andreas Tauber wurde der großartige Abendgottesdienst noch wohltuend ergänzt.

Ein Paradies, aus dem man nicht vertrieben wird

„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können“, rezitierte Liedtke Jean Paul. Die evangelische Friedhofskapelle soll in Zukunft zu einem Raum der paradiesischen Erinnerung werden. In Form eines Gedenkraumes und Kolumbariums soll dem ehemaligen Gründungsgebäude der evangelischen Gemeinde neues Leben eingehaucht werden. Ein Widerspruch in sich? Neues Leben durch eine Gedenkstätte des Todes. Keineswegs, denn nicht nur der evangelische Pfarrer spürt eine Trendwende in der Trauer- und Friedhofskultur und liegt mit seiner Zukunftsvision daher wohl voll im Trend. Obwohl das Thema Tod und die eigene Endlichkeit in der Gesellschaft nicht sonderlich populär sei, brauche jeder früher oder später einen Raum des Innehaltens und Gedenkens. Gaben früher Zeremonien und Riten einer christlichen Trauerfeier im kirchlichen Kontext den Rahmen mit festen Gebeten und Chorälen vor, hat sich mittlerweile ein Wandel vollzogen. Die Trauerfeier gestaltet sich zunehmend individueller und persönlicher.

Ein offenes Haus, das zum Verweilen einlädt

Neben der traditionellen Beisetzung soll die Friedhofskapelle Raum für eine Urnenwand und die unterschiedlichen Formen des Abschiednehmens geben. Das Gebäude soll einen geschlossenen geschützten Rahmen bieten, um individuelle Erinnerungsfeiern abzuhalten, wo in kleiner Runde mit modernster Technik beispielsweise persönliche Bilder, Gegenstände, Erinnerungstexte oder Musikstücke verwendet werden. Andererseits soll ein offenes Haus entstehen, das alle zum Verweilen einlädt, die sich über die Endlichkeit Gedanken machen wollen oder müssen. Natürlich kann die Kapelle auch für Schulklassen, oder andere Gruppen mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden. Dabei gehöre das Kirchengebäude zwar der evangelischen Kirche, aber konfessionsübergreifend sollen sich alle herzlich eingeladen fühlen. Bei der politischen Gemeinde Pfrontens haben Liedtke und sein Team mit seinem Projekt offene Türen eingerannt. Auch in der Kommune ist eine Veränderung der Beisetzungs- und Trauerkultur mittlerweile ein großes Thema. Viele Pfrontner Bürger hängen an dem alten Kirchlein mit der besonderen spirituellen Ausstrahlung und freuen sich, dass es durch die Planungen weiterhin als Stätte des Gebets und Gedenkens genutzt werden soll. Für weitere Informationen steht die evangelische Gemeinde jederzeit gerne zur Verfügung.