Altersarmut im Ostallgäu

Ostallgäuer Gewerkschaft befürchtet "Rente mit 70“

Kaum noch Rente übrig bleiben könnte für viele Beschäftigte aus der Gastronomie, befürchtet die Gewerkschaft.

Kaum noch Rente übrig bleiben könnte für viele Beschäftigte aus der Gastronomie, befürchtet die Gewerkschaft.

Bild: Siegert (Symbol)

Kaum noch Rente übrig bleiben könnte für viele Beschäftigte aus der Gastronomie, befürchtet die Gewerkschaft.

Bild: Siegert (Symbol)

Im Ostallgäu ist Altersarmut laut NGG für viele längst Realität. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt: 3.600 Ostallgäuer trotz Job bedroht.
25.09.2021 | Stand: 12:15 Uhr

Ein Leben lang arbeiten – und trotzdem reicht die Rente nicht: Im Landkreis Ostallgäu sind etwa 3.600 Vollzeitbeschäftigte selbst nach 45 Arbeitsjahren im Rentenalter von Armut bedroht. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung und beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung. Demnach verdienen 10,9 Prozent aller Beschäftigten, die im Kreis Ostallgäu in Vollzeit arbeiten, weniger als 2.050 Euro brutto im Monat. Rein rechnerisch müssten sie sogar mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle von aktuell 835 Euro zu kommen.

Altersarmut im Ostallgäu: Rente mit 70 ist laut NGG der falsche Weg

„Altersarmut ist kein Schreckensszenario in der Zukunft, sondern für viele Menschen längst Realität. Die Rente derer, die zum Beispiel jahrzehntelang in einer Bäckerei oder Gaststätten gearbeitet haben, reicht schon heute oft nicht aus. Rentenkürzungen oder Forderungen über ein späteres Eintrittsalter sind der falsche Weg. Stattdessen muss die Politik die gesetzliche Rente stärken“, so Mustafa Öz, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Bayern, mit Blick auf die aktuelle Debatte rund um die Alterssicherung. Das Rentenniveau, also die durchschnittliche Rente nach 45 Beitragsjahren bei mittlerem Verdienst, dürfe nicht weiter absinken. (Lesen Sie auch: Gastgewerbe in Deutschland sucht händeringend Personal)

Rentenniveau im Ostallgäu stetig gesunken

Seit dem Jahr 2000 sei das Rentenniveau bereits von rund 53 Prozent auf aktuell 48 Prozent abgesenkt worden. „Konkret bedeutet das, dass Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2.050 Euro brutto im Monat statt 42 nun fast 46 Jahre lang arbeiten müssen, um überhaupt noch die Grundsicherungsschwelle im Alter zu erreichen. Aber vier Jahre länger an der Bäckereitheke, in der Lebensmittelfabrik oder im Schlachthof am Band zu stehen, ist vielen Beschäftigten gesundheitlich gar nicht möglich. Jede Anhebung des Renteneintrittsalters ist somit faktisch eine Rentenkürzung“, unterstreicht Öz. Die nächste Regierung müsse das Rentenniveau stabilisieren und perspektivisch anheben, um einen weiteren Anstieg der Altersarmut zu verhindern. Die von Wirtschaftsverbänden geforderte „Rente mit 70“ sei der falsche Weg – und ein „Schlag ins Gesicht der Menschen, die körperlich arbeiten und schon bis 67 nicht durchhalten können“.

Auch deshalb sei es wichtig, dass die Beschäftigten ihre Stimme bei der Bundestagswahl am 26. September abgäben – und sich informierten, was die Rentenkonzepte der einzelnen Parteien für sie bedeuteten, so die NGG. (Lesen Sie auch: Steigender Strompreis in Deutschland: Es wird noch teurer)