Kindergärten in Füssen

Notbetreuung in Kitas: Wenn Käfer und Igel sich nicht treffen dürfen

Kinder dürfen derzeit nur zur Notbetreuung in die Kindergärten gebracht werden. Viele Eltern nutzen das Angebot, andere bereuen ihre Kinder zu Hause.

Kinder dürfen derzeit nur zur Notbetreuung in die Kindergärten gebracht werden. Viele Eltern nutzen das Angebot, andere bereuen ihre Kinder zu Hause.

Bild: Philipp von Ditfurth, dpa (Symbolbild)

Kinder dürfen derzeit nur zur Notbetreuung in die Kindergärten gebracht werden. Viele Eltern nutzen das Angebot, andere bereuen ihre Kinder zu Hause.

Bild: Philipp von Ditfurth, dpa (Symbolbild)

Kindergarten und Kitas müssen in Füssen geschlossen bleiben. Das Personal arbeitet trotzdem - und bemüht sich um Notbetreuung und Unterhaltung für die Kleinen
11.02.2021 | Stand: 12:27 Uhr

„Die Eltern müssen ihre Kinder an der Türe abgeben. Ins Gebäude kommt keiner.“ Von der Tür werden die Kleinen dann in ihre Stammgruppen im Kindergarten gebracht. Isabella Moser ist Leiterin des evangelischen Kindergartens Sternschnuppe und der Kinderkrippe Sternchengruppe in Füssen. Derzeit betreuen sie und ihre Mitarbeiterinnen nur Kinder, die für die Notbetreuung angemeldet sind. Ein regulärer Betrieb ist nicht möglich. Wegen Corona.

Jetzt, da die Entscheidung der Ministerpräsidenten über eine Verlängerung des Lockdowns ansteht, müssen die Kindergärten neu planen. Das kann auch eine logistische Herausforderung darstellen. Sibylle Berktold, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Gabriel in Füssen, plant bereits.

Im Normalbetrieb essen etwa 90 Kinder das Mittagessen. Derzeit sind es etwa 35 bis 40 Kinder, die zu Notbetreuung angemeldet sind und Essen bekommen. Wie viele es sein werden, wenn eine Öffnung nach dem Wochenende wieder erlaubt wäre, weiß Berktold nicht. „Wir planen in der Essensbestellung deshalb mit 70 Kindern.“ Auch die Einhaltung des Rahmenhygieneplans sei sehr wichtig. „Wir haben die Toiletten so eingeteilt, dass sich die Kinder der Gruppen Igel und Käfer beispielsweise nicht so leicht treffen.“ Die Luftfilter der Stadt Füssen seien zudem ein Gewinn gewesen.

Füssen: Wann ist eine Notbetreuung erlaubt?

Auch Moser muss für die Sternschnuppe planen. Allerdings für deutlich weniger Kinder. Im dortigen Kindergarten sind es derzeit etwa sechs Kinder in der Notbetreuung. Und Moser und ihr Team gehen von einem Lockdown aus, der wohl noch den ganzen Februar andauern wird.

Nicht alle Kinder können zu Hause betreut werden. Die Gründe für eine Unterbringung in der Notbetreuung sind aber verschieden. „Es ist nicht ganz klar, wer nicht kommen darf“, sagt Berktold. Es gebe zwar Vorschriften des Ministeriums, die seien jedoch weniger eindeutig wie noch im Frühjahr. Grundsätzlich gilt: Bei einer Not der Eltern, ihr Kind zu betreuen, darf es in die Einrichtungen gebracht werden. Berktold tut sich schwer mit der Ablehnung: „Ich kann die Eltern schlecht abweisen, wenn sie ihre Not erläutern.“ Manchmal müssen sich die Leiterinnen rechtfertigen, die Vorgaben genauer begründen.

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Auch Elke Galm, Leiterin des Kindergartens in Hopfen am See, muss das. „Homeoffice ist allerdings nicht gleich ein Grund für eine Notbetreuung.“ Die Eltern seien jedoch überwiegend verständnisvoll, wenn eine Notbetreuung der Kinder nicht möglich sei. Die Vorgaben ändern sich ohnehin regelmäßig. So auch diese Woche, als Kindern die Teilnahme am Vorkurs vor Ort wieder erlaubt wurde. Der Vorkurs erleichtert Kindern mit Migrationshintergrund den Einstieg in die erste Klasse der Grundschule.

Finanzielle Lockerungen für Eltern

Erleichterungen gibt es auch für Eltern in finanzieller Hinsicht. Wenn der Kindergarten nicht besucht wird, dann fallen meist auch die Gebühren weg. Gezahlt werden muss erst, wenn Kinder sechs Tage oder mehr in der Notbetreuung im Kindergarten waren. In Kinderkrippen verhalte es sich jedoch aufgrund anderer Abrechnungsmethoden ein wenig anders, erklärt Leiterin Berktold. (Lesen Sie auch: Das Ende des Wochenbett-Tourismus: Was bringt das Besuchsverbot?)#

Die Situation sei jetzt anders als noch im ersten oder zweiten Lockdown. Einige Eltern haben sich vergangenes Frühjahr Urlaub genommen, um die Kinder zu betreuen. Niemand erwartete da eine solch lange Ausnahmesituation. Mittlerweile gibt es zehn Tage Corona-Sonderurlaub für Eltern. Die Anzahl der Kinder in der Notbetreuung ist aber in keinem der drei Füssener Kindergärten im Vergleich zum Frühjahr stark angestiegen.

Langweilig ist es den Erzieherinnen derzeit jedenfalls nicht, sagt Isabella Moser. In den Kindergärten wird auch digital oder per Telefon Kontakt zu den Kindern gehalten. „Wir haben ein ganz normales Stundenpensum zu erfüllen“, sagt Leiterin Moser. Über E-Mails und Abholungen werden den Kindern auch Bastelideen zugesandt. Im Kindergarten Sternschnuppe gibt es ein Zoommeeting. Gesehen und gehört werden ist die Devise.