Klimawandel

Ostallgäuer Jagdgenossenschaften sehen Waldumbau auf gutem Weg

Waldbegang1

Alexandra Ott von den Waldbesitzern und Förster Manfred Zinnecker (rechts von der Bildmitte)stellen eine Naturverjüngungsfläche mit kleinen Tannen und Fichten im Schutz eines Fichtenaltbestandes vor.

Bild: Ingo Buchelt

Alexandra Ott von den Waldbesitzern und Förster Manfred Zinnecker (rechts von der Bildmitte)stellen eine Naturverjüngungsfläche mit kleinen Tannen und Fichten im Schutz eines Fichtenaltbestandes vor.

Bild: Ingo Buchelt

Bei einer Exkursion bei Nesselwang informieren sich Waldbesitzer, Jagdgenossen und Jäger vor Ort. Warum die Jagd immer schwieriger wird

Von Ingo Buchelt
28.07.2020 | Stand: 17:43 Uhr

Von einer „dramatischen Lage“, hatte die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2019 gesprochen. Hitzeperioden, außerordentliche Trockenheit, orkanartige Stürme, starker Borkenkäferbefall und nicht zuletzt ein hoher Wildverbiss setzen dem Wald zu. Überdurchschnittlich viel Sturmholz, das wegen der Borkenkäfergefahr unverzüglich aus dem Wald gebracht werden muss, drückt auf den Markt und führt zu hohen wirtschaftlichen Einbußen. Milde Winter, heiße Sommer und ein hoher Schadholzanfall begünstigen die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers. Vor allem die Fichte, „Brotbaum“ der heimischen Waldbauern, leidet unter den Folgen des Klimawandels.

Lage vor Ort erkundet

Beim traditionellen Waldbegang der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis Ostallgäu konnten sich rund 40 Waldbesitzer, Jagdgenossen und Jagdpächter ein Bild von der Lage vor Ort machen und mit Experten waldbauliche und jagdliche Fragen diskutieren. Die Begehung fand diesmal im Bereich Bayerstetter Berg/Haslacher Alpe im Gemeindegebiet von Nesselwang und Wertach statt. „Über den Waldumbau herrscht Konsens“, stellte Thomas Kölbl vom Bayerischen Bauernverband fest. Fichtenmonokulturen sind bekanntlich anfälliger für Schädlinge, als Flachwurzler wenig widerstandfähig gegen heftige Stürme und sollen in einen stabilen, artenreichen Mischwald umgebaut werden, der besser mit den veränderten Klimabedingungen zurechtkommt.

Für Forstdirektor Simon Östreicher vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kaufbeuren wäre ein Anteil von 50 Prozent Fichten, 30 Prozent Tannen und 20 Prozent Laubbäumen (Bergahorn, Buche) wünschenswert, von dem man aber weit entfernt sei. Trotzdem ist Östreicher mit der Umbauphase zufrieden: „Waldumbau ist ein langwieriger Prozess. Man sieht aber eine positive Tendenz.“

Neue Bäume unter alten Stämmen

An vier Stationen stellten Waldbesitzer und Forstleute verschiedene Waldbilder vor, darunter eine Naturverjüngungsfläche im Schutz eines Fichtenaltbestands, die laut Östreicher gute Voraussetzungen wie einen relativ guten Boden und viel Niederschlag aufweist und über die sich Alexandra Ott von der Waldbesitzerfamilie „ganz glücklich“ zeigte: „Auch die Tanne kommt gut nach.“ Ohne Schutzmaßnahmen wie Verbissschutz und Überschirmung hätte die Tanne keine Chance, sagte Revierförster Manfred Zinnecker aus Seeg, der den immer noch zu hohen Wildbestand kritisierte. Jagdpächter Christian Berktold aus Wertach beklagte den zunehmenden Druck auf das Wild durch Touristen und Freizeitsportler, die auch beim Einbruch der Dunkelheit nicht Halt machen: „Die Jagd wird immer schwieriger.“ Kontrovers diskutiert wurden die Größe des Reviers und die Jagdstrategien. Der Konflikt zwischen Jagd und Wald habe sich aber in den letzten 20 Jahren merklich entspannt, bemerkte Östreicher am Rande.

Nasslager für Sturmholz

Rechtlerchef Thomas Theil stellte den Alpen- und Weiderechtlerverband Nesselwang vor und erläuterte die Eigenjagd der Rechtler sowie Bewirtschaftung steiler Bergwaldflächen. Circa 1000 Festmeter Sturmholz seien zuletzt angefallen, ein Nasslager soll nach Erteilung der behördlichen Genehmigungen eingerichtet werden, was vom Forst begrüßt wird. Der Wildverbiss falle zwar höher aus als erwartet, trotz aller Schwierigkeiten zeigte sich Theil aber zufrieden. Fördermöglichkeiten bei der Anpflanzung und Pflege müssten vor Beginn der Maßnahmen bei der Forstbehörde beantragt werden, betonte Zinnecker.