Corona-Auflagen in Ostallgäuer Freibädern

Ostallgäuer und Urlauber lassen sich Badelaune nicht verderben

Nicole Fleischmann aus Pfronten genießt die Sonne im Alpenbad Pfronten. Ihre Meinung zu den Coroa-Auflagen in Freibädern: "Nervig, aber situationsangebracht."

Nicole Fleischmann aus Pfronten genießt die Sonne im Alpenbad Pfronten. Ihre Meinung zu den Coroa-Auflagen in Freibädern: "Nervig, aber situationsangebracht."

Bild: René Buchka

Nicole Fleischmann aus Pfronten genießt die Sonne im Alpenbad Pfronten. Ihre Meinung zu den Coroa-Auflagen in Freibädern: "Nervig, aber situationsangebracht."

Bild: René Buchka

Wir haben bei Zuständigen und Besuchern in Ostallgäuer Freibädern nachgefragt, wie sie die Corona-Auflagen erleben. Die Stimmung ist gut – zumindest meistens.

18.09.2020 | Stand: 15:07 Uhr

„Es ist eigentlich alles ganz normal“, sagt Josef Kleber, während er durch die Fenster auf die Menschen im Becken und auf der Liegewiese blickt. Er ist Bademeister im Alpenbad Trauchgau. Doch auch in seinem Betrieb ist die Kioskausgabe mit einem rot-weiß gestreiften Flatterband von der Terrasse abgetrennt, Schilder weisen auf die Maskenpflicht im Eingangsbereich und auf den Toiletten hin. Vor einem Jahr hätte das noch keiner als normal bezeichnet. Wir haben mit Zuständigen und Gästen gesprochen, wie sie die Auflagen erleben. Meistens ist die Stimmung gut und die Menschen halten sich an die Vorkehrungen – aber eben nicht immer.

Mann beleidigt stellvertretenden Betriebsleiter des Alpenbads Pfronten

„Es gibt solche und solche“, sagt Harald Wöhr, stellvertretender Betriebsleiter des Alpenbads in Pfronten. Was er nicht versteht: „Wenn ich Leute zum Beispiel darauf hinweise, dass nur zwölf auf einmal im Becken sein dürfen, fragen manche warum – als ob es Corona nicht schon seit einigen Monaten gäbe.“ Einer habe ihn sogar beleidigt. „Aber ich mache auch nur meine Arbeit.“

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Durch die Vorkehrungen kann das Freibad lediglich 930 Besucher aufnehmen. 1600 bis 1800 waren es in den Vorjahren. Bisher war aber laut Wöhr noch für jeden Platz. Dennoch stellen die Corona-Regeln eine Herausforderung dar: Früher haben die Mitarbeiter laut Wöhr besonders die beobachtet, die am ehesten in Gefahr geraten könnten. „Jetzt müssen wir zusätzlich schauen, dass alle die Abstände einhalten.“

Nervig, aber angebracht

Die Gäste ihrerseits sind entspannt. „Es ist zwar nervig, aber situationsangebracht“, sagt etwa Nicole Fleischmann aus Pfronten, während sie am Beckenrand sitzt, einen Fuß im Wasser hängen lässt und die Sonne genießt. Auf der gegenüberliegenden Seite hüpft Emma vom Sprungbrett. Sie verbringt unter anderem mit ihrer Tante Katja Strelzig aus Erfurt in Thüringen ihren Urlaub in Rückholz. „Wir sind froh, dass wir überhaupt in den Urlaub fahren können“, sagt Strelzig. Inzwischen akzeptiere auch jeder die Vorkehrungen.

So ist die Stimmung im Alpenfreibad Trauchgau

Das trifft offenbar auch auf das Alpenfreibad Trauchgau zu: „Es passt alles, es gibt keinen, der sich nicht an die Regeln gehalten hat“, sagt Josef Kleber, der Bademeister dort. Leidtragende seien vor allem die Kinder: Die Rutsche ist gesperrt und der Trimaran, der sonst auf dem Wasser schwimmt, fehlt auch. „Die Kinder müssten in Intervallen rutschen und ich danach alles desinfizieren – dafür haben wir zu wenig Personal.“ Von dem Trimaran hätten sich die Buben und Mädchen früher runtergeschubst. „Mit Abstand geht das halt nicht“, erklärt Kleber. Heuer sei außerdem weniger los als sonst. „Dieser Sommer war bis jetzt aber auch nicht der Hit.“ Genauso sei es möglich, dass die Menschen aus Angst vor einer Ansteckung lieber in Seen zum Baden gehen.

Von dieser Angst ist aber an einem Vormittag nichts zu spüren: Ein paar Frauen ziehen ihre Bahnen, andere sind schon fertig und trinken zum Abschluss gemeinsam Kaffee an einem Plastiktisch am Kiosk. Eine von ihnen ist Moni Müller aus Trauchgau. „Die Stimmung ist gut“, sagt sie. „Das mit den Auflagen, das ist halt einfach so.“ Stammgäste wie sie seien sehr dankbar, dass das Bad überhaupt offen hat. Auch ihrer Ansicht nach halten sich die Gäste an die Vorkehrungen.

Nach einer Runde Frühschwimmen im Alpbenfreibad Trauchgau gönnt sich Moni Müller (vorne rechts) mit ihren Freundinnen einen Kaffe.
Nach einer Runde Frühschwimmen im Alpbenfreibad Trauchgau gönnt sich Moni Müller (vorne rechts) mit ihren Freundinnen einen Kaffe.
Bild: René Buchka

„Jeder schaut auf den anderen“

Dem stimmt Rosi Kapp aus Halblech zu: „Jeder schaut auf den anderen und hält den Mindestabstand ein.“ Sie schwimmt mit etwa vier anderen Frauen im Becken. Angst, sich hier anzustecken, hat sie nicht. „Wir lassen uns den Spaß nicht verderben.“ Wichtig ist ihr, dass das Freibad auf jeden Fall erhalten bleibt. Denn laut Kapp ist das Freibad ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde – und für die Urlauber.

Beim Wettebad in Roßhaupten geht es ebenfalls gesittet zu. „Der größte Teil hält sich an die Vorkehrungen“, sagt Christine Müller. Sie betreibt den dortigen Kiosk. „Manche vergessen ihre Maske. Dann geben wir ihnen eine.“ Momentan sind Müller zufolge hauptsächlich Kinder im Bad. „Die meisten sind im Urlaub.“

Großer Andrang an Hopfensee

Von einem größeren Andrang spricht dagegen Daniel Lenzenhuber, Prokurist des Seehauses Hopfensee. Er betreut unter anderem die Badestelle in Hopfen am See..  „Wir sind zwar nicht verantwortlich, achten aber trotzdem darauf, dass die Menschen an den entsprechenden Stellen eine Maske aufhaben.“ Das ist etwa in Bereichen, die zur Gastronomie gehören, in den Toiletten sowie beim Eingang der Fall. Wenn man die Menschen auf die Corona-Vorkehrungen hinweist, reichen die Reaktionen laut Lenzenhuber von Einsicht bis zu „dann gehe ich wieder“. 

Eine Anwohnerin bestätigt, dass sich der Hopfensee großer Beliebtheit erfreut - so großer, dass die Menschen dort die Mindestabstände nicht einhalten, sagt sie.