Parksünder beschweren sich über "Abzocke"

Badestellen am Forggensee werden überrannt - Parkplatz-Situation wird immer schlimmer

Wenn das Wetter zum Baden lockt, dann herrscht in den Riedener Ortsteilen Osterreinen und Dietringen Ausnahmezustand: In Massen kommen Ausflugsgäste und stellen ihre Fahrzeuge kreuz und quer ab.

Wenn das Wetter zum Baden lockt, dann herrscht in den Riedener Ortsteilen Osterreinen und Dietringen Ausnahmezustand: In Massen kommen Ausflugsgäste und stellen ihre Fahrzeuge kreuz und quer ab.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild) / Gemeinde Rieden am Forggensee

Wenn das Wetter zum Baden lockt, dann herrscht in den Riedener Ortsteilen Osterreinen und Dietringen Ausnahmezustand: In Massen kommen Ausflugsgäste und stellen ihre Fahrzeuge kreuz und quer ab.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild) / Gemeinde Rieden am Forggensee

Mehrfach wird am Westufer des Forggensees wieder alles zugeparkt. Und wenn „Knöllchen“ verteilt werden, beschweren sich die betroffenen Autofahrer.
28.06.2022 | Stand: 10:26 Uhr

Das Telefon bei Riedens Bürgermeister Andreas Haug steht an besonders schönen Tagen nicht still: Bürger bitten um Abhilfe, denn sie kommen mit ihren Fahrzeugen nicht mehr durch ihre Ortsteile Osterreinen und Dietringen. Und das geht seit Wochen so, seit das Wetter zum Baden einlädt. Grund sind die „unverschämten“ Parker, die am Wochenende an das Westufer des Forggensees stürmen und einfach alles zuparken – trotz des Landschaftsschutzgebiets, trotz der Halteverbotszone, trotz der Rettungswege. Dabei bleiben auch weder Hofeinfahrten noch sonstige Zufahrten verschont.

Parken am Forggensee: Landwirte kommen kaum noch zu ihren Wiesen

Von Osterreinen bis Roßhaupten bietet sich dieses Bild, sogar der Parkplatz an der Tiefentalbrücke ist bis auf den letzten Zentimeter auf der Grünfläche von Autos aus der näheren und weiteren Region besetzt. Längst sind alle Bewohner der Ortsteile davon betroffen, vor allem die Landwirte, die bei diesen Temperaturen Heu machen müssen. Sie können mit ihren Traktoren und Anhängern kaum mehr zu den Feldern oder ihren Höfen gelangen. Wenn, dann nur mit langen Wartezeiten. Droht ein Gewitter, liegen die Nerven blank. (Lesen Sie auch: Wo kann ich am Forggensee parken?)

Nicht nur, dass die Ortschaften und das Landschaftsschutzgebiet einer Blechlawine vor dem Füssener Tunnel bei Blockabfertigung gleicht: Die den Badespaß und zuvor einen Parkplatz suchenden Fahrer und Fahrerinnen der Autos werden zunehmend unfreundlicher, ja teilweise sogar unverschämt – so lautet die Einschätzung der betroffenen Einwohner.

150 Strafzettel an einem Tag wegen Falschparkens in Rieden

Allein an einem Sonntag hatte der auch in Rieden eingesetzte kommunale Ordnungsdienst aus Füssen 150 „Knöllchen“ wegen Falschparkens ausgestellt. Am Montag läutete das Telefon bei Bürgermeister Haug in Permanenz: Betroffene Parksünder beschwerten sich, das sei „Abzocke“. Auch die Füssener Polizei war nicht arbeitslos und musste weitere Anzeigen schreiben. Polizeichef Edmund Martin hatte aufgrund des zu erwartenden Andrangs um den Forggensee schon die Wasserstreife vom See ans Land beordert: „Es war wie 2019 vor Corona“, stellte er fest.

Nicht nur die parkende Blechlawine in der Landschaft nervt Betroffene. Darüber hinaus hinterlassen die Besuchermassen jede Menge Müll. Den Abfall, den die Besucher im Laufe eines Tages am Badeplatz verursachen, bleibt einfach liegen. Diesen zu entfernen, kostet die Bürgerinnen und Bürger der betroffenen Gemeinden deren Steuergelder.

Was hat das mit Qualitätstourismus zu tun?

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Da fragt sich doch nicht nur Riedens Bürgermeister, „was das alles noch mit qualitativ hochwertigem Tourismus zu tun hat“. Wo bleiben die seit Jahren angekündigten „Besucherstromlenkungen“ für den Tourismus, insbesondere der Tagestouristen, fragt er sich.

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Während Rieden zuletzt von Ausflugsgästen überrollt wurde, war die Situation in Füssen, Schwangau und Halblech (Illasbergsee) entspannt. Laut Bürgermeister Stefan Rinke bilden sich höchstens beim Wechsel am Campingplatz in Brunnen manchmal Warteschlangen, aber ansonsten gebe in Schwangau keine Störungen. In Halblech werden (vereinzelte) Falschparker von aufmerksamen Bürgern mit Fotonachweis entweder an Bürgermeister Johann Gschwill oder direkt dem Landratsamt gemeldet, so wie das auch seit zwei Jahren in den Gemeindeteilen Riedens gemacht wird. Dennoch musste auch hier die Polizei wegen Parkens in Greith (Landschaftsschutzgebiet) am Hegratsrieder Weiher zuletzt 20 Anzeigen ausstellen.

Auch Radler sorgen am Forggensee für Probleme

Übrigens: Nicht nur Autofahrer, sondern auch Radler bereiten in Rieden Probleme. Denn für manche Biker scheint offenbar das Tempo-30-Limit in Dietringen nicht zu gelten. Auch von den Regeln der Straßenverkehrsordnung scheint mancher Radler noch nichts gehört zu haben. Nicht nur, dass die Rechts-vor-links-Vorfahrtsregel missachtet wird. Auch wird geflissentlich übersehen, dass der Radweg von Rieden nach Roßhaupten spätestens am Ortsschild Dietringen aufhört. In Scharen wird nebeneinander gefahren und gedroht, wenn gehupt wird, um vorbei fahren zu können.

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