Erlebnispädagogik in Schwangau

Outward Bound in Schwangau: „Nur wer die Natur kennt, kann sie schützen“

Outward Bound

Gemeinsam am Ziel: Der Schwangauer Anbieter für Erlebnispädagogik hat gemeinsam mit sieben weiteren Firmen aus dem Augsburger Raum die Zertifizierung der Gemeinwohlökonomie auf dem Tegelberg gefeiert (Dritte von links ist Geschäftsführerin Christine Mangold).

Bild: Outward Bound

Gemeinsam am Ziel: Der Schwangauer Anbieter für Erlebnispädagogik hat gemeinsam mit sieben weiteren Firmen aus dem Augsburger Raum die Zertifizierung der Gemeinwohlökonomie auf dem Tegelberg gefeiert (Dritte von links ist Geschäftsführerin Christine Mangold).

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Das Kerngeschäft der Firma sind Klassenfahrten. Geschäftsführerin Christine Mangold erläutert, warum die Begegnung im Freien nach Corona so wichtig ist.
22.10.2021 | Stand: 15:45 Uhr

Die Corona-Pandemie sei für die Erlebnispädagogik nach wie vor eine Herausforderung. Christine Mangold, Geschäftsführerin der Outward Bound gGmbH in Schwangau, erinnert sich an einen Fall vor einigen Wochen: Eine Schulklasse aus Hessen hatte sich für eine Klassenfahrt angemeldet. Alles sei vorbereitet gewesen, kurz vor der Abfahrt des Busses in Richtung Königswinkel kam dann die Nachricht: Wegen zu hoher Inzidenzen im Heimatbundesland könne die Klasse nicht kommen. Dabei stellt Mangold auch durch die hohe Nachfrage von Lehrkräften und Ausbildenden fest, dass Kinder und Jugendliche vor allem nach der langen Zeit mit wenigen sozialen Kontakten, Erlebnisse in und mit der Natur brauchen.

Outward Bound in Schwangau: Lockdowns sorgen für hohe Nachfrage

Die coronabedingte Zwangspause sorge nun für eine hohe Nachfrage, berichtet Mangold. Denn das Kerngeschäft von Outward Bound richte sich an Azubis und Schüler. Sie kommen in der Regel für eine Woche nach Schwangau und erhalten ein vielfältiges Programm. Das Jahr 2022 sei nahezu ausgebucht. Viele Schulen, die regelmäßig kommen und beispielsweise mit ihrer achten Klasse wegen Corona nicht reisen durften, wollen jetzt mit zwei Klassen gleichzeitig aufschlagen. Neben Schulen kommen auch Firmen etwa mit Lehrlingen in die Region.

Das Herzstück einer Fahrt ist laut Mangold die Übernachtung auf einer Selbstversorgerhütte. Die Schüler oder Azubis planen dabei alles selbst, vom Budget über den Einkauf bis hin zur Route – unterstützt von ausgebildeten Trainern. „Nur wer die Natur kennt, kann sie auch schützen“, betont Mangold mehrmals. Gerade nach der langen Corona-Zeit mit Lockdowns, geschlossenen Schulen und einem hauptsächlich in der virtuellen Welt stattfindenden Austausch sei es wichtig: „Wir müssen wieder zu einem sozialen Miteinander finden.“

Dafür seien die Angebote von Outward Bound perfekt: Floß bauen, Klettern, Kanufahren – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dabei liegen die Aktionen gar nicht im Vordergrund, berichtet Mangold. Es gehe um den pädagogischen Mehrwert, da auch die Reflexion – gemeinsam mit den Trainern – eine zentrale Rolle spielt. Da geht es beispielsweise darum, hinterher zu analysieren, warum das selbst gebaute Floß der einen Gruppe gut einsatzbereit war, das andere hingegen nicht. Es gehe um nachhaltige Erfahrungen, die einem auch in der Zukunft etwas bringen: „Die Teilnehmenden sollen bei einer Wanderung auf den Gipfel ruhig erschöpft sein. Denn dieses Gefühl nimmt man mit nach Hause, die Selbsterfahrung bereichert“, so Mangold, die auch hinzufügt: Natürlich sollen dabei keine Grenzen überschritten werden.

Zertifiziert nach dem Standard der Gemeinwohlökonomie

Und das Unternehmen lotet auch selbst eigene Grenzen aus. Vor kurzem fand die Abschlussveranstaltung für eine Zertifizierung statt: Mit sieben weiteren Unternehmen nahm Outward Bound an einem Programm zur Gemeinwohlökonomie teil. Mangold erläutert das so: Neben der wirtschaftlichen Bilanz gebe es auch einen ökologischen Fußabdruck, es gehe darum, auch Mensch und Natur mit einzubeziehen. Die Firmen beschäftigten sich dabei mit der eigenen Struktur und Kultur und nahmen dabei 20 Themen unter die Lupe – beispielsweise Finanzen. „Wir haben für uns festgestellt, dass wir etwa beim Einkauf von Lebensmitteln besser werden und mehr auf regionale Bioprodukte setzen können“, sagt Mangold. Alle zwei Jahre müsse man sich rezertifizieren.

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