Naturschutz im Allgäu

Overtourism: Wie kann man die Natur im Ostallgäu schützen?

Hennemann

Für Gebietsbetreuer Thomas Hennemann ist die Lenkung von Besuchern in der Natur ein wichtiges Anliegen.

Bild: Alexandra Decker (Archiv)

Für Gebietsbetreuer Thomas Hennemann ist die Lenkung von Besuchern in der Natur ein wichtiges Anliegen.

Bild: Alexandra Decker (Archiv)

Im Corona-Sommer sind die Menschen bis in die hintersten Winkel der Alpen vorgedrungen. Der Gebietsbetreuer erklärt, wie man die Natur im Ostallgäu schützen kann.
23.11.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Die Menschen seien in Massen selbst „in die hintersten Winkel der Schutzgebiete vorgedrungen“. In diesem Corona-Sommer wurden selbst solche Naturräume sehr stark frequentiert, wo früher wenig los war – und dies zu allen Tages- und Nachtzeiten. Daher bleibe die Besucherlenkung einer seiner Aufgabenschwerpunkte, erklärte Thomas Hennemann, Gebietsbetreuer des Ostallgäuer Alpenrandes, als er seine Aufgaben im Füssener Umweltausschuss vorstellte. Aufgaben, die er weitere drei Jahre wahrnehmen kann: Denn um diesen Zeitraum wurde seine Projektstelle verlängert, die beim Landratsamt angesiedelt ist.

Seit 2018 ist der gebürtige Passsauer, der seit über zwei Jahrzehnten in Schwangau lebt, als Gebietsbetreuer des Ostallgäuer Alpenrandes tätig (). Mit Förstern, Waldbesitzern und Landwirten erarbeitet er zum Beispiel Maßnahmen, um die Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu verbessern. Etwa für den Thymian-Ameisenbläuling oder die Sumpfgladiole, zwei stark gefährdete Arten. Auch Öffentlichkeitsarbeit und das weite Feld der Besucherlenkung gehören zu den Aufgaben. Bei Letzterem habe er anfangs nicht damit gerechnet, „dass es so umfangreich wird“, sagte Hennemann. Der Andrang der Menschen in der Natur im Ostallgäu sei schon immer hoch gewesen, doch in diesem Jahr war es extrem. Ziel müsse es sein, den Besucherströmen Herr zu werden und sie möglichst naturverträglich zu lenken.

Gebietsbetreuer kann gegen Verstöße im Ostallgäu keine Bußgelder verhängen

Was Hennemanns Arbeit nicht einfacher macht: Als Gebietsbetreuer hat er keine hoheitliche Funktion. Er hat also keine Entscheidungsgewalt und darf keine Bußgelder verhängen. Stattdessen muss er auf Information, Kommunikation und Beratung setzen.

Künftig will er sich verstärkt für die Verbesserung der Lebensräume für Wiesenbrüter einsetzen, wofür natürlich Wiesen benötigt werden, die nur selten gemäht werden. Hier bot Bürgermeister Maximilian Eichstetter umgehend die Mithilfe der Kommune an. Der Bauhof erhalte demnächst eine neue Software, mit der man festlegt, wann welche Wiese gemäht werden soll. Dann könne man sicher entsprechende Flächen für die Wiesenbrüter vorhalten. Was Hennemann sehr begrüßte. Ohnehin stellte er fest, dass Füssen beim Projekt Wiese x 16 im Ostallgäu vorbildlich sei: „Da ragt die Stadt schon hervor.“

Lob hatte der Gebietsbetreuer auch für den Stadtwald parat: Der befinde sich in einem „hervorragenden ökologischen Zustand“, sagte Hennemann: „Da geht mir das Herz auf.“ Zumal davon auch seltene Vogelarten wie der Dreizehenspecht (er benötigt Totholz) oder der Weißrückenspecht (er findet sich im Faulenbacher Tal) profitieren. Ohnehin ist Füssen beim Schutz von Natur und Umwelt gut aufgestellt: 58 Prozent der Stadtfläche sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, zusätzlich umfassen FFH- und Vogelschutzgebiete mehrere hundert Hektar.

Lesen Sie auch
##alternative##
Natur

Schilder sollen Flussregenpfeifer in Halblech schützen

Bürgermeister Eichstetter dankte Hennenmann für die Hilfe bei diversen Projekten: „Es ist extrem wichtig, dass Sie uns unterstützen.“ Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gebietsbetreuer klappe hervorragend.

Drohnen-Flugverbot im Faulenbacher Tal

Meistens jedenfalls. Denn wie Hennemann einräumte, hatte er im Faulenbacher Tal Schilder angebracht, um auf das Vogelschutzgebiet und das damit geltende Drohnen-Flugverbot hinzuweisen. Allerdings hatte er vergessen, die Stadtverwaltung zu informieren. Dort war man leicht irritiert, als man von den Schildern erfuhr. Inzwischen ist alles geklärt. Und Hennemann kündigte an, künftig in Bezug auf die Kommunikation mehr achtgeben zu wollen.