Verkehrslenkung

Parken in Pfronten künftig nach Konzept

Für die Parkplätze in Pfronten - hier im Ortsteil Kappel - soll ein Konzept entwickelt werden.

Für die Parkplätze in Pfronten - hier im Ortsteil Kappel - soll ein Konzept entwickelt werden.

Bild: Markus Röck

Für die Parkplätze in Pfronten - hier im Ortsteil Kappel - soll ein Konzept entwickelt werden.

Bild: Markus Röck

Gemeinde will Lebens- und Umweltqualität erhöhen und Einnahmen erzielen. Warum die Idee im Rat für Diskussionen sorgte.
02.07.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Die Gemeinde Pfronten will ein Parkraumkonzept entwickeln, um die Lebens- und Umweltqualität durch Verkehrslenkung und -vermeidung zu erhöhen und gleichzeitig Einnahmen aus der Bewirtschaftung zu erzielen. Allerdings gab es im Gemeinderat eine ausgiebige kontroverse Diskussion, ehe das Gremium mit 14:5 Stimmen den Startschuss gab. Nun werden sich zwei Planungsbüros online dem Arbeitskreis Mobilität und dem Gemeinderat präsentieren, ehe dieser voraussichtlich Ende Juli über die Vergabe der Planung entscheidet.

Leidet der Einzelhandel?

Umstritten war im Gemeinderat vor allem, wie detailliert die Vorgaben an das Planungsbüro sein sollen, aber auch die Frage, wie sehr der Einzelhandel darunter leiden werde, wenn Kunden künftig Parkgebühren entrichten müssen. Und schließlich wurde die Frage laut, wie man die Pfrontener selbst davor bewahren könnte, mit Gebühren belastet zu werden. Es gebe ein sehr großes Interesse, das Thema weiterzuverfolgen, fasste Bürgermeister Alfons Haf die Diskussion zusammen. Mit Blick auf den Einzelhandel solle es „kein Abzocken“ im Zentrum geben, aber auch keine Dauerparkplätze. Bei Wanderparkplätzen gebe es zum Beispiel in Kappel einen großen Handlungsbedarf, auch müsse man darauf reagieren, dass die Breitenbergbahn künftig Gebühren für ihre Stellplätze erhebe.

Bei anderen Kommunen informiert

Nachdem der Gemeinderat im April beschlossen hatte, andere Kommunen nach ihren Erfahrungen zu fragen, war diesmal zwar nicht wie geplant ein Oberhaupt einer anderen Gemeinde zu Gast. Ortsentwickler Jan Schubert konnte aber von den Ergebnissen der Rückfragen bei mehreren Gemeinden, der Allgäu GmbH und zwei Planungsbüros berichten. So hat die Firma Mirco Wendler für Rieden am Forggensee ein Konzept für die Parkplätze erarbeitet, das dort nun umgesetzt wird (wir berichteten). Auch Pfronten bietet die Firma an, ein Parkraumkonzept zu erstellen. In Bad Hindelang habe sich die Parkraumbewirtschaftung laut Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel und Tourismusdirektor Max Hillmeier bewährt und werde laufend erweitert, berichtete Schubert. Die Gebühren würden dabei von allen Nutzern je nach Nachfrage räumlich gestaffelt erhoben. Für die Allgäu GmbH entwickelt „The Urban Institut“ ein allgäuweites Mobilitätskonzept zur Verkehrslenkung. Auch dieses Unternehmen habe bereits ein Angebot für ein Parkraum-konzept für Pfronten abgegeben.

Dr. Alois Kling (CSU) wies auf die positiven Erfahrungen anderer Kommunen mit Parkraumkonzepten und die massive Förderung durch den Landkreis hin und meinte: „Ohne Begleitung kriegen wir keine komplexe Lösung hin.“ Man sollte auch den Zusammenhang im Blick halten und könne es nicht alleine machen, sagte auch Julia Mautz (Pfrontner Liste). Angesichts der vielen privaten Stellplätze brauche man eine solide Datenbasis, betonte Axel Bertle (Aktiv für Pfronten). Das sah auch Ludwig Schneider (Pfrontner Liste) so. Die Aufgaben für den Planer müsse man aber sehr scharf stellen, sagte Dr. Otto Randel (Pfrontner Liste) mit Verweis auf Folgen für den Einzelhandel oder private Stellplätze, wenn die Gemeinde künftig Gebühren erhebt.

Neue Fläche für Dauerparker

Rita Kiechle (Pfrontner Liste) meinte, man müsse erst einmal selbst wissen, was man wolle: Zum Beispiel, ob nur auf Wanderparkplätzen oder auch innerorts Gebühren erhoben werden sollten. Weitere Gemeinderäte, darunter Kilian Trenkle (Pfrontner Liste) sahen ebenfalls erst mal die Gemeinde selbst am Zug, beispielsweise bei der Erfassung der vorhandenen Stellplätze. Susanne Manhard (CSU) verwies dagegen auf die hohe Arbeitsbelastung der Verwaltung. Zur Sorge um den Einzelhandel erklärte sie, man sollte die Parkplätze im Ortskern zeitlich begrenzen und für Dauerparker neue Möglichkeiten schaffen, etwa auf der Freifläche östlich des Bahnhofs Pfronten-Ried.

Manchmal funktioniert es nicht

Lesen Sie auch
##alternative##
Parken in Hindelang wird teurer

Corona als "Katalysator": Parken in den Alpen wird vielerorts teurer

Große Bedenken, wenn etwas von außen vorgelegt werde, äußerte Josef Steiner (Pfrontner Liste) und verwies auf das neue Parkhaus bei der Firma Deckel Maho. Statt dieses zu nutzen, parkten Besucher lieber kreuz und quer. Auch bei der Breitenbergbahn würde künftig wohl in den Feldern geparkt, wenn deren Parkplatz gebührenpflichtig werde. Deswegen sei eine strenge Kontrolle wichtig, betonten Schneider und Mautz, auch mit Verweis auf die Erfahrungen in Füssen. Um Einheimische nicht zu belasten, sollte ihnen stark vergünstigte Dauertickets angeboten werden, schlugen Reiner Augsten (Unserpfronten) und Biba Sauer (Pfrontner Liste) vor.

Lesen Sie auch: Am Fernpass soll ein Bahntunnel entstehen.