Füssen

Pate für Schlange namens Corona gesucht

Unter anderem für seine Schlange Corona sucht Zoobetreiber Dieter Graf Paten.

Unter anderem für seine Schlange Corona sucht Zoobetreiber Dieter Graf Paten.

Bild: Dieter Graf

Unter anderem für seine Schlange Corona sucht Zoobetreiber Dieter Graf Paten.

Bild: Dieter Graf

Weil der Füssener Repitilienzoo um seine Existenz bangt, geht Inhaber Dieter Graf jetzt neue Wege. Er sucht gegen Spenden Paten für seine Tiere
21.09.2020 | Stand: 16:06 Uhr

Alles läuft gut für den Reptilienzoo Allgäu in Füssen: Die Besucher kommen auch von weiter her. Im Internet steht er auf der Plattform Tripadvisor unter Füssens besten Sehenswürdigkeiten auf Platz 11 noch vor dem Forggensee-Radweg. An Pfingsten soll um eine Halle nebenan mit 450 Quadratmetern erweitert werden. Das war vor Corona. Seit den Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen aufgrund des Virus läuft nichts mehr wie geplant. Im Gegenteil: Sollte sich die jetzt im Raum stehende Wiedereröffnung für Zoos am 4. Mai nochmal verschieben, wird der Reptilienzoo laut Betreiber Dieter Graf nicht mehr lange durchhalten. „Wir generieren alle Einnahmen über die Eintrittsgelder und wenn die fehlen, ist irgendwann dicht“, sagt er. Zumal ein Zoo nicht, wie zum Beispiel ein Hotel, sparen kann, in dem er die Lichter und Heizungen weitgehend ausschaltet, und die Lebensmitteleinkäufe stoppt. Ohne Strom für die Wasserpumpen an den Aquarien und die Heizungen für die Terrarien sterben die exotischen Tiere – und ohne Futter sowieso.

Füssener Reptilienzoo erhält kaum Fördergelder

„Die Ausgaben bei einem Zoo sind enorm“, sagt Graf. Allein die Kosten für Strom und Gas beliefen sich auf über 2000 Euro im Monat. Dazu kommt das Geld für Futter, Miete, eventuell Tierarzt und Versicherungen. Gerade letzter sind im Fall des Reptilienzoos ziemlich hoch, da dort auch etliche Giftschlange leben. Für diese Tiere muss Graf außerdem teure Seren (Gegengifte) vorhalten.

„Andere Zoos werden oft noch von Städten oder Fördervereinen bezuschusst. Das ist bei uns nicht so“, sagt Graf. Er hat daher bereits Soforthilfen beantragt und die des Landes Bayern schon erhalten. Das half ein Stückweit, genauso, wie eine Spende des Tierschutzvereins Arche Noah aus Seeg und Geldbeträge von Privatpersonen, die über das Spendenkonto auf der Internetseite des Zoos ( Zur Homepage) hereinkamen.

Um sich weiter über Wasser zu halten, möchte Graf nun Tierpatenschaften anbieten, zum Beispiel für Firmen. „Ich weiß, dass es auch vielen Betrieben gerade schlecht geht“, sagt der Zoobetreiber. Trotzdem „wäre es schön, wenn wir ein paar gewinnen könnten“. Wer eine Patenschaft übernimmt, wird mit seinem Namen am Terrarium oder Aquarium des jeweiligen Tieres verewigt.

Auf einen Paten wartet zum Beispiel die Schlange Corona. Sie ist 60 Kilogramm schwer und fast sechs Meter lang. Sie kam kurz vor der Corona-Krise in den Füssener Zoo. Andere Tiere wurden genau deswegen dort abgegeben. „Manche Leute bringen uns ihre Tiere, weil sie die Haltung nicht mehr bezahlen können oder gehört haben, dass Exoten Krankheiten übertragen würden, und jetzt Angst haben“, sagt Graf. Unter anderem an die zehn Schlagen wurden aufgrund der Krise bisher bei ihm abgegeben.

200 Tiere wären vom Aus des Füssener Reptilienzoos betroffen

Insgesamt beherbergt der Zoo etwa 200 verschiedene Tierarten. Bis sie alle versorgt sind, haben Graf, seine Lebensgefährtin und sein Sohn, mit denen er den Zoo betreibt, einige Stunden am Tag zu tun. Dazu kamen in coronafreien Jahren über 20 000 Besucher im Jahr . Darunter viele Touristen. „Ich befürchte, selbst wenn wir am 4. Mai öffnen dürfen, dass es lange braucht, bis es wieder richtig anläuft“, sagt Graf. Gerade die Urlauber werden anfangs fehlen. Und ob sich die Einheimischen so schnell wieder in den Zoo trauen, ist noch fraglich. Hinfahren dürften sich laut Graf auch mit den Ausgangsbeschränkungen auf jeden Fall. „Wenn ein Zoo offen hat, darf er besucht werden“, betont er.

Allerdings wird beim ihm, wie in vielen Geschäften, nur eine bestimmte Anzahl Besucher gleichzeitig hinein dürfen. Wie das genau abläuft, müsse sich erst noch zeigen. Eine Lösung, Ein- und Ausgang zu trennen, gebe es. Aber die meisten Besucher kämen bei schlechtem Wetter in den Zoo und wenn dann ein Teil draußen warten muss, kann das eine nasse Angelegenheit werden. Wer drin ist, muss Mundschutz tragen, und auch das kann bei 28 Grad Raumtemperatur unangenehm sein.

„Auf machen wir aber auf jeden Fall. Es müssen wieder Besucher kommen“, sagt Graf. Sollte die Wiedereröffnung am 4. Mai doch nicht klappen oder gar eine erneute Schließung kommen, will Graf mit dem bayerischen Staatsministerium verhandeln, um eventuell eine Reduktion der Strompreise zu erreichen. Bis dahin hofft er – auch darauf, dass nicht noch was Unvorhergesehenes passiert und zum Beispiel eine Aquariumpumpe kaputt geht.